Gute Konjunktur BA-Chef will auch geduldete Flüchtlinge fördern

Tausende Flüchtlinge in Deutschland sind nur geduldet, vielen bleibt der Zugang zu Integrationskursen verwehrt. Bundesagentur-Chef Detlef Scheele will das ändern - und sieht sich durch aktuelle Zahlen bestätigt.

Integrationskurs in Mainz
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Integrationskurs in Mainz


Viele Unternehmen suchen Arbeitskräfte, zugleich wartet eine Reihe von Geflüchteten auf ihre Chance in Deutschland. Auch geduldete Flüchtlinge sollten nach Vorstellungen des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, die Möglichkeit erhalten, sich besser auf das Arbeitsleben in Deutschland vorzubereiten. Dazu gehöre, dass alle Geduldeten genauso wie anerkannte Flüchtlinge an Integrations- und berufsbezogenen Sprachkursen teilnehmen könnten, sagte Scheele der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die gute Arbeitslage spreche dafür, mehr Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Inzwischen wachse auch wieder der Bedarf an Kräften für einfachere Arbeiten. Zuletzt hatte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag für das kommende Jahr einen deutlichen Anstieg der Zahl der Beschäftigten vorausgesagt. Es dürften 600.000 neue Jobs hinzukommen.

Konkret sprach sich Scheele dafür aus, der Gruppe von Flüchtlingen, die bisher keinen Zugang zu Integrationskursen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) haben, dieses Angebot ein Jahr nach ihrer Einreise in Deutschland uneingeschränkt zu gewähren. Gleiches gelte für die von der Bundesagentur angebotenen Sprachkurse, in denen berufliche Fachbegriffe vermittelt werden. Geduldete Flüchtlinge, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen nicht abgeschoben werden dürfen, können meist nicht an den Kursen teilnehmen.

Fortschritte bei Jobvermittlung von Geflüchteten

Viele der 2015 und 2016 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge wollen neben Sicherheit vor allem eins: einen Job. Auf Anhieb gelingt das nur wenigen von ihnen. Doch angesichts der guten Wirtschaftslage dürften im kommenden Jahr ähnlich viele Asylsuchende eine Arbeit finden wie 2017, sagte Scheele. Bis Ende September 2017 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den acht Haupt-Asylländern bei 195.000; dies waren rund 75.000 mehr als im Jahr davor.

"Es ist schon möglich, dass das noch einmal gelingt", sagte Scheele. "Denn die Wirtschaft entwickelt sich gut." Hinzu kämen die sich kontinuierlich verbessernden Deutschkenntnisse, was die Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zusätzlich verbessere. Aus diesem Grund würden wohl auch mehr junge Flüchtlinge im Ausbildungsjahrgang 2018/19 eine Lehrstelle finden, schätzt Scheele. "Wir haben inzwischen mehr junge Flüchtlinge, die schon längere Zeit in der deutschen Regelschule zugebracht haben" - und deswegen besser Deutsch sprächen.

Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge, findet jeder zweite Flüchtling fünf Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland einen Job. Dabei zählt das Institut allerdings auch bezahlte Praktika und geringfügige Beschäftigung mit hinzu.

Auf der anderen Seite ist es für Unternehmen auch riskant, Geflüchteten eine Ausbildung oder einen Job zu geben, wenn sie kein dauerhaftes Bleiberecht haben. Gerade das bremst die Bereitschaft besonders von mittelständischen Firmen, in denen Flüchtlinge gute Chancen hätten. So verlangt die Politik zwar von Unternehmen, sich um die Ausbildung von Geflüchteten mit zu kümmern - doch Firmen machen auch die Erfahrung, dass eingestellte Azubis aufgrund eines Abschiebebescheids wieder gehen müssen, sodass sich die Investition für das jeweilige Unternehmen nicht lohnt.

2200 Job-Starts pro Woche

Derzeit fänden pro Woche im Schnitt 2200 arbeitslose Geflüchtete eine Arbeit. Etwa 9500 junge Flüchtlinge hätten 2017 eine Lehrstelle bekommen. "Das sind schon ordentliche Zahlen. Sie ändern aber nichts daran, dass die Zahl der Menschen, die zu uns gekommen sind, sehr groß ist", gab Scheele zu bedenken. Grundsätzlich müsse man bei der Vermittlung von Flüchtlingen Geduld haben, wie frühere Erfahrungen zeigten.

Trotz größerer Vermittlungserfolge rechnet Scheele daher für 2018 noch einmal mit steigenden Arbeitslosenzahlen bei Flüchtlingen. Denn viele, die derzeit noch Integrations- und Sprachkurse absolvierten und deswegen zunächst nur als arbeitssuchend galten, würden sich 2018 bei den Jobcentern arbeitslos melden.

Auf eine konkrete Arbeitslosenzahl wollte sich Scheele aber nicht festlegen. Das unter dem Dach der Bundesagentur forschende Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht davon aus, dass 2018 der Rückgang der Arbeitslosen ohne Flüchtlinge etwa um 60.000 größer ausfallen würde.

kig/dpa

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