Hauptstadtflughafen BER Mehdorn hat genug

Hartmut Mehdorn will in den kommenden Monaten die Leitung des Berliner Hauptstadtflughafens abgeben. Hintergrund ist offenbar ein Streit mit dem Aufsichtsrat. "Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr", sagte Mehdorn.
Hauptstadtflughafen BER: Mehdorn hat genug

Hauptstadtflughafen BER: Mehdorn hat genug

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Schönefeld - Der Aufsichtsrat des Berliner Hauptstadtflughafens muss einen Nachfolger für Hartmut Mehdorn suchen. Der Manager will die Leitung des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) spätestens im Sommer kommenden Jahres abgeben. Er biete an, die Aufgabe noch auszuüben, bis ein Nachfolger gefunden ist, längstens bis zum 30. Juni 2015, teilte die Flughafengesellschaft am Montag mit.

Mehdorn begründete die Entscheidung mit Spekulationen um seine Person im Umfeld des Aufsichtsrats, die das vertretbare Maß überstiegen. "Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht." Der Schritt sei in Abwägung der Gesamtlage notwendig geworden.

Zudem schließe sich mit der Festlegung auf eine Eröffnung des Flughafens im zweiten Halbjahr 2017 für ihn ein Kreis. Die Baustelle, die er im März 2013 im Chaos übernommen habe, sei nun geordnet.

Am Freitag hatte der Aufsichtsrat angekündigt, den Flughafen in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit rund sechs Jahren Verspätung zu eröffnen. Mehdorn hatte in seiner Stellungnahme für die Eröffnung den Zeitraum "Juni bis September 2017" genannt.

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Scheidender Flughafen-Chef: Die Stationen des Hartmut Mehdorn

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Zuvor hatte es aber erhebliche Differenzen zwischen Mehdorn und Teilen des Aufsichtsrats gegeben. Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider hatte gesagt, der Bau solle möglichst schnell, aber auch havariefrei in Betrieb gehen.

Wie der SPIEGEL bereits Anfang Dezember berichtet hatte, musste Mehdorn um die Verlängerung seines im März 2016 auslaufenden Vertrags bangen. Vertreter der BER-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund trauten es dem Manager demnach nicht mehr zu, den neuen Terminal zu eröffnen, ohne dabei seinen Etat maßlos zu überziehen. Als möglicher Nachfolger wurde in der Presse bereits der Münchner Flughafenmanager Thomas Weyer genannt.

Streit um den Ausbau

Nach dem vorgestellten Zeitplan sollen alle notwendigen Pläne für den Umbau im Terminal Mitte 2015 vorliegen. Zwischen März und Juni 2016 soll der Flughafen dann baulich fertig sein.

Ursprünglich sollte der BER im Oktober 2011 an den Start gehen. Bisher sind seit dem ersten Spatenstich 2006 vier Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen geplatzt. Zu den Ursachen zählen Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme. Zentrales Problemfeld ist die Brandschutzanlage. Seit knapp zwei Jahren war unklar, wann der drittgrößte deutsche Flughafen in Betrieb gehen kann.

Ein Problem wird auch eine mögliche Erweiterung des Flughafens sein, der für 27 Millionen Passagiere ausgelegt ist. "Bereits bei der Eröffnung ist der Flughafen überlastet, weshalb eine sichere Inbetriebnahme stark gefährdet ist", hatte Mehdorn zuletzt gewarnt. Er will erreichen, dass die Aufseher unter anderem einen zweiten, kleineren Terminal genehmigen.

In diesem Jahr werden es in Schönefeld und Tegel insgesamt schon 28 Millionen Passagiere sein. Die Betreiber gehen davon aus, dass das Wachstum anhält. Schon 2016 würde Platz für gut 37 Millionen Passagiere gebraucht, meint Mehdorn.

mmq/stk/dpa
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