Hauptstadt-Flughafen BER will auf Neubau für Regierungsterminal verzichten

Braucht der künftige Hauptstadtairport ein repräsentatives Regierungsterminal für mindestens 344 Millionen Euro? Der Chef des BER meint Nein und schlägt eine Alternative vor - die 75 Millionen weniger kosten würde.
Flughafengelände des BER (im August 2018)

Flughafengelände des BER (im August 2018)

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Über das geplante neue Regierungsterminal am Flughafen BER sind sich die Bauherren schon seit Längerem uneinig: Die Länder Berlin und Brandenburg würden gern darauf verzichten und stattdessen die bereits fertige Übergangslösung auf Dauer nutzen. Der Bund hingegen hält zumindest offiziell daran fest, dass am künftigen Hauptstadtflughafen ein repräsentatives Terminal für Regierung und Staatsgäste gebaut wird, eine "Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland". Die Gesamtkosten werden bei mindestens 344 Millionen Euro liegen.

Wie nun bekannt wurde, hat Flughafenchef Engelbert Lütke dem Aufsichtsrat einen Kompromissvorschlag vorgelegt - ohne Neubau, aber mit genügend Platz für die Flugzeuge der Staatsgäste und die Flugbereitschaft des Bundes. Der BER-Geschäftsführer sieht in seinem Vorschlag mehrere Vorteile: weniger Termindruck, weniger komplexe Bauvorhaben und eine Kostenersparnis von 75 Millionen Euro.

Das Bundesfinanzministerium, dessen Staatssekretär Werner Gatzer im Aufsichtsrat sitzt, wollte sich dazu nicht äußern. Die Gespräche des Kontrollgremiums seien vertraulich, hieß es zur Begründung.

Der repräsentative Neubau könnte entfallen

Berlin und Brandenburg plädieren für ein bestehendes Abfertigungsgebäude statt des teuren Neubaus. Bereits im vergangenen Herbst wurde das als Übergangslösung für 70 Millionen Euro fertiggestellt. Der Bund will es vom geplanten BER-Start 2020 an für fünf Jahre nutzen. Dann soll auf einem Standort nebenan das endgültige Regierungsterminal fertig sein, dessen Baubeginn sich wegen der Probleme rund um den BER verzögert.

Der Alternativvorschlag, den Flughafenchef Lütke Daldrup in der November-Sitzung dem Aufsichtsrat mit dem Vermerk "streng vertraulich" präsentierte, verbindet beide Konzepte. Das als Zwischenlösung gebaute Interimsterminal könnte zur Dauerlösung werden, aber der Standort nebenan würde zu einem großen Teil auch genutzt - für Hangars der Flugbereitschaft und Parkplätze für ihre Flugzeuge. Für den repräsentativen Neubau gäbe es Platz, er könnte aber auch entfallen.

Das gäbe dem Flughafen den nötigen Raum auf dem Vorfeld, das alte Schönefelder Passagierterminal über 2025 hinaus zu betreiben, sollte der BER für die wachsenden Fluggastzahlen nicht reichen. Das Bundesbauministerium geht bisher davon aus, dass ohne einen Neubau des Regierungsterminals mit dem zugehörigen Vorfeld die Flugbereitschaft nicht von Köln-Wahn nach Schönefeld umziehen kann.

Im Video: Deutschlands teuerste Baustelle - Flughafen Berlin-Brandenburg BER

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fdi/dpa
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