Berliner Pannen-Airport Polizeieinsatz bei BER-Architekt Gerkan

Polizeibeamte haben Büros des Flughafenarchitekten Meinhard von Gerkan aufgesucht und Dokumente zum Berliner Pannen-Airport sichergestellt. Es ging um ein Gutachten, das sich mit der Verschiebung der Eröffnung befasst. Die Ermittler sollen auch in der Privatwohnung des 78-Jährigen vorstellig geworden sein.
Bauarbeiten am BER: "Die Unterlagen freiwillig zur Verfügung gestellt"

Bauarbeiten am BER: "Die Unterlagen freiwillig zur Verfügung gestellt"

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Berlin - In einem kleinen Band mit dem Titel "Blackbox BER" hat Flughafenarchitekt Meinhard von Gerkan detailreich dargelegt, wie politische Großmannssucht und ein chaotisches Management das Prestigeprojekt Flughafen Berlin Brandenburg (BER) an die Wand fuhren. Über seinen Anteil an dem Desaster schwieg er sich indes aus.

Nun hat Meinhard von Gerkan Besuch von der Polizei bekommen: Der BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt, um die Herausgabe bestimmter Dokumente zu erzwingen, wie der Ausschussvorsitzende Martin Delius (Piratenpartei) mehreren Berliner Zeitungen vom Samstag erläuterte. Entsprechend aufwendig kam es zum Polizeieinsatz gegen Büros des BER-Architekten Gerkan in Berlin und Hamburg. "Die Unterlagen sind von uns indessen freiwillig zur Verfügung gestellt worden", ließ Gerkan über einen Mitarbeiter ausrichten.

"Über Zustand und Verbleib getäuscht"

"Es ging um ein Gutachten, das sich mit der ersten Verschiebung des Eröffnungstermins für den Flughafen befasst", sagte Ausschussvorsitzender Delius dem "Tagesspiegel". Demnach bestand schon im Jahr 2010 der Verdacht, dass der später abgesagte Eröffnungstermin im Jahr 2012 kaum zu halten sein werde. Zu einer Durchsuchung im engeren Sinn kam es dem Bericht zufolge aber nicht.

Architekt von Gerkan vor dem von ihm entworfenen Hauptbahnhof in Berlin

Architekt von Gerkan vor dem von ihm entworfenen Hauptbahnhof in Berlin

Foto: Stephanie Pilick/ picture alliance / dpa

Nach einem Bericht der Zeitung "B.Z." war von der Polizeiaktion auch die Privatwohnung Gerkans in Hamburg betroffen. Demnach hatte sein Büro die vom Ausschuss angeforderten Unterlagen mehrfach nur massiv geschwärzt herausgegeben, so dass sie in den Augen des Gremiums wertlos waren. Das Architekturbüro habe den Untersuchungsausschuss bei Anfragen nach Dokumenten "mehrfach über deren Zustand und Verbleib getäuscht", sagte Delius der "Berliner Morgenpost".

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war wegen diverser Baumängel, insbesondere beim Brandschutz, bereits mehrfach verschoben worden. Ein Termin für die Inbetriebnahme ist weiterhin nicht bekannt.

jjc/AFP
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