Flughafen Berlin-Tegel Billig und unkaputtbar

Der störanfällige Flughafen Berlin-Tegel hat seine vorgesehene Laufzeit schon um Jahre überschritten. Doch der Airport muss weitermachen.

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Von manager-magazin.de-Redakteur


Im Grunde dürfte es den Flughafen Berlin-Tegel gar nicht mehr geben. Um fast fünf Jahre hat der Airport seine vorgesehene Laufzeit schon überschritten - da grenzt es an ein Wunder, dass das Bauwerk samt dem prägenden sechseckigen Terminal noch nicht in sich zusammengefallen ist.

Zumal die Passagierzahlen stetig weiter wachsen, zuletzt um 1,2 Prozent auf 21,3 Millionen. Ausgelegt ist der Flughafen "Otto Lilienthal" allerdings nur auf 11,5 Millionen Fluggäste. So wenige wurden zuletzt 2002 abgefertigt.

Berlin ist als Reiseziel eben angesagt und leidet nach wie vor darunter, dass der neue Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) einfach nicht fertig werden will. So tragen Tegel und der alte Schönefelder Flughafen die wachsende Last.

Vieles in Tegel sei störanfällig und müsse permanent repariert werden, sagte ein Lufthansa-Sprecher dem Berliner "Tagesspiegel", doch der Flughafen tut seinen Dienst. Allerdings musste die Betreibergesellschaft seit 2012 etwa 40 Millionen Euro in den Airport investieren, anstatt das Geld wie geplant in den Rückbau zu stecken.

In puncto Kosten ist Tegel im Vergleich zum Nachfolger BER ein Musterbeispiel an Disziplin und Effizienz. Ganze 430 Millionen Mark hat die Errichtung des 1974 fertiggestellten "modernen Tegel" gekostet, also etwa 220 Millionen Euro. Das entspricht gut 580 Millionen Euro in heutigen Preisen. Dafür gab es einen Airport, der anfangs für sieben Millionen Fluggäste im Jahr ausgelegt war.

Zum Vergleich: Der Großflughafen Berlin-Brandenburg wird jüngsten Schätzungen zufolge um die sechs Milliarden Euro kosten. Kapazität: 27 Millionen Passagiere im Jahr. Ursprünglich waren die Kosten mit etwa einer Milliarde angesetzt worden. Pro Passagier kostete Tegel demnach 83 Euro, BER kommt auf etwa 223 Euro.

Auch bei der Bauzeit schlägt Tegel BER um Längen. Vom Spatenstich bis zur Eröffnung dauerte es im Berliner Nordwesten gerade einmal fünf Jahre. Wenn beim Großflughafen alles gut geht, hebt der erste reguläre Flieger nach zwölf Jahren ab.

Schon fordern Lokalpolitiker und einzelne Fluggesellschaften, den Airport Tegel dauerhaft zu erhalten. Die FDP hat ein Volksbegehren initiiert, das bisher allerdings noch nicht besonders großen Zulauf erhalten hat. Vor allem die Anwohner von Tegel pochen auf die ihnen zugesagte Ruhe nach 44 Jahren Flugbetrieb.

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Flughafen Tegel: Ehrenrunde für eine West-Berliner Ikone


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Georg_Alexander 24.01.2017
1. Ein grundlegendes Managementproblem?
Zuerst werden die Kosten fixiert (schon aus politischen Gründen schön gerechnet) dann werden Termine fixiert (passen schon nicht mehr zum geschätzten Aufwand) und am Schluss werden die Inhalte abgemacht (sind erst recht nicht in dem Zeitrahmen und schon garnicht mit den Kosten realisierbar). Vielleicht sollte man die Reihenfolge einfach mal umdrehen ;-)
tura 24.01.2017
2. Im Prinzip bester Flughafen der Welt, aber ...
Extrem kurze Wege wie nirgendwo sonst. Keine blödsinnigen Nobel-Shops. Aber trotzdem - es ist an der Zeit, Tegel zu schließen. Es wäre absolut inakzeptabel, einem Viertel der Bevölkerung der Stadt weiterhin und dauerhaft diese innerstädtische Lärmbelastung zuzumuten. Sehr viele Menschen im Norden Berlins leben seit langem mit der Perspektive, dass das bald ein Ende hat. Der Roll-back der Entscheidung zum Schließen des Flughafens Tegel selbst bei Betrieb in Schönefeld würde vielen 100.000 Bürger vor den Kopf stoßen.
naschauenwirmal73 24.01.2017
3. Erhalt ist keine Lösung....
.... Neubau wär zu erwägen. Was die Kosten des 70er Jahre Flughafen abgeht muss man fairerweise sagen: der bauliche und technische Anspruch ist mittlerweile ein anderer. Dieser macht aber nicht die Differenz aus. Bei monatlichen Kosten von 17.000.000€ sollte man sich fragen : abreißen und neu bauen ? Sollte man mal durchrechnen- den bei dem bestehenden BER bau blickt ja keiner mehr durch
Mertrager 24.01.2017
4. Die Politk in Berlin ist nicht an billig interessiert
Warum wohl ? Was denkt jeder, der sich auskennt, wenn er vom "Berliner Baufilz" hört. Das ist seit vielen Jahren in Berlin so. Es hat meist starken Einfluß auf die Politik. Und diese unseelige Rückkoppelung treibt seit vielen Jahren die Kosten in die Höhe. Mir fällt bei diesen Dingen auch komischweise immer gleich die Regierungszeit von einem Herrn Momper ein, der dann in die Baubranche wechselte. Es scheint auch niemand wirklich Interesse zu haben, daran etwas zu ändern. Über die Gründe kann man spekulieren. Völlig übel kann es einem dann bei den Sprüchen anläßlich der Eröffnung von Großprojekten werden. Falls BER jemals eröffnet wird, können wir uns auf eine weitere Darbietung der heiteren Selbstdarstellung freuen. - Leider für den Bürger nicht ganz billig.
dachhase 24.01.2017
5. 18 min
von Landung bis zur Abfahrt des Busses zum HBf. Haben wir incl. Entgegenahme des Gepäcks aus einer voll besetzten B 737 geschaft- vermutlich Weltrekord. Wohne südlich von Leipzig, aber wenn irgend möglich fliegen wir von Tegel. Also ich kann auf BER gut verzichten. Kann natürlich auch die Anwohner gut verstehen. Zweischneidiges Schwert eben und vor allem, keinen Unfall bitte, das wäre wohl der Supergau.
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