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19. Juli 2016, 10:21 Uhr

Flughafen Frankfurt-Hahn

Ex-Minister Scharping wirft Wirtschaftsprüfern Versagen vor

Wie sorgfältig arbeitet KPMG? Die Wirtschaftsprüfer hätten leicht erkennen können, dass der chinesische Bieter für den Flughafen Frankfurt-Hahn ein Betrüger ist, kritisiert China-Kenner und Ex-Minister Scharping im "Handelsblatt".

Der frühere Verteidigungsminister und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Rudolf Scharping (SPD), hat die KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft wegen des geplatzten Verkaufs des Flughafens Hahn scharf angegriffen. "Nur ein wenig tieferes Bohren in zugänglichen chinesischen Quellen hätte zu einer knallroten Ampel führen müssen", schrieb Scharping in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt".

So werde der Bieter Shanghai Yiqian Trading (SYT) im frei zugänglichen chinesischen "Credit Report" als eine "Briefkastenfirma ohne Glaubwürdigkeit und Kreditwürdigkeit" beurteilt. Es sei nicht schwer, in China Informationen über Geschäftspartner zu bekommen. "Das ist alles kein Hexenwerk - Sorgfalt vorausgesetzt", sagte Scharping, der mittlerweile deutsche und chinesische Unternehmen berät.

Die Landesregierung hatte den Verkauf des Flughafens Hahn gestoppt, nachdem sich SYT als mutmaßlicher Betrüger entpuppt hatte. Nun wird das Verkaufsverfahren neu ausgeschrieben. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich KPMG zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern.

Dabei hatte sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) eigentlich gut vorbereitet und die international tätige KPMG extra für den Verkauf des landeseigenen Flughafenanteils von 82,5 Prozent dazugeholt. Und doch fiel Dreyers Landesregierung auf den mutmaßlichen Betrüger herein. In letzter Sekunde musste der Deal über rund 13 Millionen Euro abgesagt werden. Zahlungen waren ausgeblieben, Zweifel an der Echtheit von Bankunterlagen kamen auf. Schließlich zog die Landesregierung die Reißleine.

Noch arbeitet die Landesregierung dem "Handelsblatt" zufolge in Sachen Hahn noch mit KPMG zusammen, weil der gesamte Verkauf noch einmal neu ausgeschrieben wird. Lediglich ein weiterer Wirtschaftsprüfer soll nun neben KPMG den Bieterprozess begleiten.

"Wir werden weiterhin alles daran setzen, den Verkaufsprozess auch mit neuen Bietern zu einem guten Ende zu führen", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) der Zeitung. "Ich habe auch stets betont und tue das auch jetzt, dass es ein schwieriges Projekt ist." Das zuständige rheinland-pfälzische Innenministerium teilte auf Anfrage mit, dass eine "interne Aufarbeitung" laufe, um Haftungsansprüche gegen KPMG für den gescheiterten Kaufprozess mit SYT zu prüfen.

nck

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