Flughafen Frankfurt-Hahn Ex-Minister Scharping wirft Wirtschaftsprüfern Versagen vor

Wie sorgfältig arbeitet KPMG? Die Wirtschaftsprüfer hätten leicht erkennen können, dass der chinesische Bieter für den Flughafen Frankfurt-Hahn ein Betrüger ist, kritisiert China-Kenner und Ex-Minister Scharping im "Handelsblatt".

Flughafen Frankfurt-Hahn
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Der frühere Verteidigungsminister und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Rudolf Scharping (SPD), hat die KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft wegen des geplatzten Verkaufs des Flughafens Hahn scharf angegriffen. "Nur ein wenig tieferes Bohren in zugänglichen chinesischen Quellen hätte zu einer knallroten Ampel führen müssen", schrieb Scharping in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt".

So werde der Bieter Shanghai Yiqian Trading (SYT) im frei zugänglichen chinesischen "Credit Report" als eine "Briefkastenfirma ohne Glaubwürdigkeit und Kreditwürdigkeit" beurteilt. Es sei nicht schwer, in China Informationen über Geschäftspartner zu bekommen. "Das ist alles kein Hexenwerk - Sorgfalt vorausgesetzt", sagte Scharping, der mittlerweile deutsche und chinesische Unternehmen berät.

Die Landesregierung hatte den Verkauf des Flughafens Hahn gestoppt, nachdem sich SYT als mutmaßlicher Betrüger entpuppt hatte. Nun wird das Verkaufsverfahren neu ausgeschrieben. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich KPMG zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern.

Ex-Minister Rudolf Scharping
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Ex-Minister Rudolf Scharping

Dabei hatte sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) eigentlich gut vorbereitet und die international tätige KPMG extra für den Verkauf des landeseigenen Flughafenanteils von 82,5 Prozent dazugeholt. Und doch fiel Dreyers Landesregierung auf den mutmaßlichen Betrüger herein. In letzter Sekunde musste der Deal über rund 13 Millionen Euro abgesagt werden. Zahlungen waren ausgeblieben, Zweifel an der Echtheit von Bankunterlagen kamen auf. Schließlich zog die Landesregierung die Reißleine.

Noch arbeitet die Landesregierung dem "Handelsblatt" zufolge in Sachen Hahn noch mit KPMG zusammen, weil der gesamte Verkauf noch einmal neu ausgeschrieben wird. Lediglich ein weiterer Wirtschaftsprüfer soll nun neben KPMG den Bieterprozess begleiten.

"Wir werden weiterhin alles daran setzen, den Verkaufsprozess auch mit neuen Bietern zu einem guten Ende zu führen", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) der Zeitung. "Ich habe auch stets betont und tue das auch jetzt, dass es ein schwieriges Projekt ist." Das zuständige rheinland-pfälzische Innenministerium teilte auf Anfrage mit, dass eine "interne Aufarbeitung" laufe, um Haftungsansprüche gegen KPMG für den gescheiterten Kaufprozess mit SYT zu prüfen.

nck

insgesamt 86 Beiträge
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paulvernica 19.07.2016
1. Transparenz
Soll die Regierung in RP den interessierten Bürger doch mal erklären wie oft sie schon in den letzten Jahrzehnten mit der KPMG zusammengearbeitet hat. Und ob das erfolgreich war und was sie unter erfolgreich versteht !
LUAP 19.07.2016
2. Kann Hr Scharping hier nur beipflichten...
...dass KPMG hier auf ganzer Linie versagt hat. WOzu holt man sich denn eine so teure Unternehmensberatung hinzu wenn die nicht einmal solche Basics sorgfältig prüfen. Das grenzt wirklich an Peinlichkeit.
spon-facebook-1500425435 19.07.2016
3. Kirche im Dorf lassen
Meiner Meinung nach wird da gerade jede Menge Wirbel um nichts gemacht. Der Verkauf hat nicht stattgefunden, weil der Investor ein Aufschneider war. Tjoa, sowas kann passieren. Geht es einer Regierung jetzt schon an den Kragen, wenn Verkaufsgespräche scheitern. Zur Rolle von KPMG: Nach anderen Berichten stand die Ampel bezüglich der Glaubwürdigkeit des Käufers bis zuletzt auf Rot und wurde dann lediglich auf grün gesetzt, weil man keinen Nachweis hatte, dass der Käufer in Schwierigkeiten steckt. Niemand hat einen Schaden erlitten, der Steuerzahler hat kein Geld verloren, der Deal ist einfach nicht zustande gekommen. Da gibt es doch im Moment mehr als genug andere Baustellen, über die man sich aufregen könnte.
Octavio 19.07.2016
4. Der Verkauf des Flughafen Hahn
mag ja ein schwieriges Objekt sein.Nur nach dem Abzug der Amerikaner wurde dieser doch zu einer ertragreichen Konkurrenz ggü.Frankfurt aufgebaut.Was ist denn da an Management Fehlern passiert das es zu diesem Absturz kam.Da muß die Landesregierung doch schon vorher erheblich geschlafen haben das dies in den Aufsichtsgremien nicht bemerkt wurde.Das aber die FDP die doch alles neu und besser machen wollte wieder an diesem Desaster des Verkaufs beteiligt ist und das auch noch mit ihrem Abstimmungsverhalten unterstützt bestätigt mir,die FDP ist nach wie vor die alte und hat sich überhaupt nicht geändert.Für mich ist klar :diese FDP ist auch zukünftig nicht wählbar.
Airkraft 19.07.2016
5. Zumindest...
Zumindest kann man bei KPMG eine gewisse Konstanz feststellen ;-) http://www.spiegel.de/wirtschaft/kpmg-holzmann-pruefer-am-pranger-a-59719.html
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