Flugzeug-Abgase USA drohen EU im Klima-Streit

Europa hat eine Idee, und die ganze Welt soll mitmachen: Ab 2012 müssen Fluglinien auf EU-Flughäfen Zertifikate für ihre CO2-Emissionen vorweisen. Doch die USA stellen sich mit aller Macht gegen die Pläne. Es drohen Verwerfungen auf höchster politischer Ebene.  
Flugzeuge amerikanischer Gesellschaften: Sie sollen in Europa für ihre Emissionen zahlen

Flugzeuge amerikanischer Gesellschaften: Sie sollen in Europa für ihre Emissionen zahlen

Foto: Kamil Krzaczynski/ picture alliance / dpa

New York/Hamburg - Wollen die Europäer dem Rest der Welt die Bedingungen der Klimarettung diktieren? So jedenfalls sieht es die amerikanische Regierung - und unterstützt damit die US-Fluggesellschaften.

Die sollen - wie auch alle anderen Airlines - ab Januar 2012 bei Starts und Landungen an EU-Flughäfen Zertifikate für ihre Kohlendioxid-Emission vorweisen. Dazu müssten sie die Zertifikate zugeteilt bekommen und gegebenenfalls nachkaufen. Die Luftfahrtbranche würde in den EU- Emissionsrechtehandel eingebunden, der jetzt schon für Industrieunternehmen gilt.

Das passt den Amerikanern gar nicht. Sie wehren sich massiv gegen die Pläne der EU - und riskieren damit einen massiven Handelsstreit. "Die Europäische Union will diese Regeln ohne unsere Zustimmung für US-Fluglinien einführen", zitiert die "New York Times" Wendell Albright, den zuständigen Beamten des amerikanischen Außenministeriums. "Es ist Sache der Vereinigten Staaten, darüber zu entscheiden, was die richtigen Ziele und Maßnahmen für US-Fluggesellschaften in Bezug auf Treibhausgas-Emissionen sind." Die Obama-Regierung habe ihre Missbilligung der Pläne bereits gegenüber der EU zum Ausdruck gebracht und werde nun "zahlreiche Möglichkeiten prüfen".

Damit eskaliert ein seit Monaten schwelender Streit zwischen Europa und den USA. Der US-Kongress plant bereits Abwehrmaßnahmen. Mitglieder des Repräsentantenhauses arbeiten an einem Gesetz, dass es den amerikanischen Fluglinien verbieten soll, sich am europäischen Emissionshandel zu beteiligen. Zudem haben amerikanische Airlines schon vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Pläne geklagt. "Die Europäische Union will die Fluggesellschaften der ganzen Welt regulieren", sagte Nancy Young vom amerikanischen Luftfahrtverband Air Transport Association. "Der Plan verletzt internationales Recht."

Für die US-Airlines würde es nach eigenen Angaben bis 2020 3,1 Milliarden Dollar kosten, am EU-Emissionshandel teilzunehmen. Auch China hatte zuletzt gegen die Pläne der Europäischen Union protestiert und angeblich einen Milliarden-Auftrag an den europäischen Flugzeugbauer Airbus blockiert.

Die EU will trotz des Widerstands an ihren Plänen festhalten. Es wäre unfair, nur von europäischen Fluglinien Emissionszertifikate zu verlangen, wenn die US-Gesellschaft United Airlines oder Air China dieselben Strecken kostenlos fliegen könnten, sagte Umweltkommissarin Connie Hedegaard.

stk
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