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20. Februar 2012, 11:51 Uhr

Folge der Sanktionen

Iran sucht dringend Abnehmer für Rohöl

Das Embargo der USA und der EU scheint Wirkung zu zeigen: Laut einem Zeitungsbericht findet Iran nicht genügend Käufer für sein Rohöl. Das Regime in Teheran hofft jetzt offenbar auf China und Indien.

London - Nach dem Ölboykott der Europäischen Union versucht Iran einem Bericht der "Financial Times" ("FT") zufolge, mehr Öl an andere Länder wie Indien und China zu verkaufen. Demnach findet das Teheraner Regime derzeit nicht genügend Abnehmer für sein Rohöl. "Iran hat ernsthafte Probleme, einen neuen Käufer zu finden", zitiert die "FT" zwei Insider aus der Industrie. Die Regierung biete möglichen Abnehmern täglich rund 500.000 Barrel zusätzlich zum Kauf an.

Die offenbar händeringend gesuchten neuen Käufer sollten das Öl dem Bericht zufolge von April an abnehmen. Allerdings wolle Iran keinen Preisnachlass gewähren. Falls bis Mitte März kein Käufer gefunden sei, müsse Iran Rohöl in Supertankern einlagern oder die Produktion drosseln. Beides könnte höhere Ölpreise zur Folge haben, Iran ist der zweitgrößte Produzent in der Organisation Erdöl-exportierender Länder (Opec).

Laut "FT" handelt es sich bei dem schwierig zu verkaufenden Öl um die Menge, die sonst europäische Länder abgenommen hätten. Am Sonntag hatte die Islamische Republik angekündigt, als Antwort auf die jüngsten Sanktionen die Erdölexporte nach Großbritannien und Frankreich zu stoppen. Aus dem Erdölministerium in Teheran hatte es allerdings geheißen, man habe "andere Abnehmer" gefunden - eine Aussage, die durch den "FT"-Bericht offenbar widerlegt wird. Die USA und die Europäer wollen Iran mit den Sanktionen zum Einlenken im Streit über sein Atomprogramm bewegen.

fdi/Reuters/dpa

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