Folgen der Finanzkrise Fast jeder sechste Amerikaner lebt in Armut

46 Millionen Amerikaner leben unter der Armutsgrenze - so viele wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das teilte die US-Regierung in Washington mit. Auch die Kinderarmut ist seit 2010 angestiegen.

Obdachloser durchsucht Müll: Armut in den USA auf höchstem Stand seit 1993
AFP

Obdachloser durchsucht Müll: Armut in den USA auf höchstem Stand seit 1993


Washington - Inmitten der hohen Arbeitslosigkeit in den USA hat auch die Armut unter der Bevölkerung zugenommen: In den USA leben so viele Menschen in Armut wie seit 1993 nicht mehr.

2010 galten 15,1 Prozent der US-Bevölkerung als arm, wie das Zensusbüro in Washington mitteilte. Das sei der höchste Stand seit 1993. Demnach lebten 2010 46,2 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, die Zahl stieg damit das vierte Jahr in Folge an. 2009 hatte die Armutsrate bei 14,3 Prozent gelegen.

Als arm gilt in den USA offiziell eine vierköpfige Familie, die weniger als 22.314 Dollar (rund 16.300 Euro) jährlich zur Verfügung hat. Die Grenze für Ein-Personen-Haushalte liegt bei 11.139 Dollar. Besonders hoch war die Armutsrate den Angaben zufolge unter afroamerikanischen US-Bürgern (27,4 Prozent) und in der hispanischstämmigen Bevölkerung (26,6 Prozent).

Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung ist gestiegen

Die USA leiden bis heute unter den Nachwirkungen der vor vier Jahren durch die Finanz- und Immobilienkrise ausgelösten Rezession. Der Wirtschaftsabschwung war der schlimmste seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren. Auch die amerikanische Mittelschicht muss dem Zensusbüro zufolge weiter Einbußen hinnehmen: Das durchschnittliche Haushaltseinkommen fiel 2010 um 2,3 Prozent auf 49.445 Dollar. Die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung stieg den Angaben zufolge im vergangenen Jahr um 900.000 auf 49,9 Millionen.

Insgesamt hat sich laut CNN das Einkommen der Haushalte verglichen mit der Inflation in den vergangenen 30 Jahren kaum bewegt: Während eine Durchschnittsfamilie heute lediglich elf Prozent mehr verdient als 1980, sind die Verbraucherpreise um rund 155 Prozent gestiegen.

dis/dapd/AFP



insgesamt 34 Beiträge
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rsi 13.09.2011
1. Das ist doch noch garnix
Man sollte solche Statistik-Daten mal über die Welt veröffentlichen. Ach und dann auch gleich vor 500/200/100 Jahren gegenüber heute, damit man mal sehen kann, ob sich die Zeiten drastisch verschlechtern.
Lichtenbruch 13.09.2011
2. Schlimm!
So sieht die Realität für viele in "Gods own country" aus, kein Geld, kein Heim und nix zu fressen! Vor einigen Jahren (2006) machte ich Urlaub in Kalifornien und war schockiert über die vielen Obdachlosen, die ich in San Francisco sah. Natürlich gibt es auch in jeder größeren deutschen Stadt Obdachlose, doch die in SF waren dermassen "abgefuckt" und verdreckt, wie man es hierzulande selten sieht. Offensichtlich fehlten schon damals (bevor das Sparen an den Armsten noch schlimmer wurde) massiv Anlaufstellen, in denen man sich mal Waschen konnte und einen Teller warme Suppe bekam. Traurig! Lese ich dann parallel Berichte darüber, wie der "arme" Justin Bieber (oder wie dieser Milchbubi heißt) als 17jähriger seinen Ferrari beim Einparken demoliert, tja, dann bekomme ich schon das leise Gefühl der ungerechten Verteilung!
faxfax 13.09.2011
3. Sfo
Zitat von LichtenbruchSo sieht die Realität für viele in "Gods own country" aus, kein Geld, kein Heim und nix zu fressen! Vor einigen Jahren (2006) machte ich Urlaub in Kalifornien und war schockiert über die vielen Obdachlosen, die ich in San Francisco sah. Natürlich gibt es auch in jeder größeren deutschen Stadt Obdachlose, doch die in SF waren dermassen "abgefuckt" und verdreckt, wie man es hierzulande selten sieht. Offensichtlich fehlten schon damals (bevor das Sparen an den Armsten noch schlimmer wurde) massiv Anlaufstellen, in denen man sich mal Waschen konnte und einen Teller warme Suppe bekam. Traurig! Lese ich dann parallel Berichte darüber, wie der "arme" Justin Bieber (oder wie dieser Milchbubi heißt) als 17jähriger seinen Ferrari beim Einparken demoliert, tja, dann bekomme ich schon das leise Gefühl der ungerechten Verteilung!
Unbestritten gibt es in den Staaten mehr Obdachlose. San Francisco ist aber nicht repräsentativ mit seiner Tradition als Anlaufpunkt für Lebenskünstler aller Art. Die Hippiekultur und die damit verbundene Drogenkultur sind seit den 60erJahren Teil des Stadtgefüges. Anfang des Jahrtausend war San Francisco zudem die teuerste Stadt der USA geworden. Genausowenig wie Kreuzberg als typisch deutsches Stadtviertel angesehen werden kann.
rabenkrähe 13.09.2011
4. nene
Zitat von sysop46 Millionen Amerikaner leben unter der Armutsgrenze - so viele wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das teilte die US-Regierung in Washington mit. Auch die Kinderarmut ist seit 2010 angestiegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786089,00.html
..... Das liegt aber nicht nur an der Finanzkrise, sondern daran, wie die ganze US-Wirtschaft aufgebaut ist, nämlich auf Schulden, auf Visionen und ohne Wirklichkeitsbezug, so spielt die völlig veränderte Altersstruktur der Gesellschaft mit all ihren Folgen für Umstrukturierungen und einem weg vom Wachstums- und Konsumwahn keinerlei Rolle. rabenkrähe
Altesocke 13.09.2011
5. @#$
Zitat von sysop46 Millionen Amerikaner leben unter der Armutsgrenze - so viele wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das teilte die US-Regierung in Washington mit. Auch die Kinderarmut ist seit 2010 angestiegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786089,00.html
Ob das bei uns so anders aussieht? Mich wuerde eine Statistik, besonders auch mit dem DM/Euro-Wechsel interessieren!
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