Teure Agrarrohstoffe Foodwatch verlangt Schranken für Nahrungsmittel-Spekulanten

Die Preise für Lebensmittel werden oft auch durch Finanzwetten getrieben – wie aktuell beim Weizen. Die Verbraucherschützer von Foodwatch warnen vor einem Teufelskreis aus Angst und Gier.
Der Weizenpreis hat zuletzt kräftig angezogen – auch wegen Finanzwetten

Der Weizenpreis hat zuletzt kräftig angezogen – auch wegen Finanzwetten

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Durch Spekulationen mit Agrarrohstoffen können Investoren Lebensmittelkrisen verschärfen. Diese Entwicklung hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch nun scharf kritisiert.

»Angesichts drohender Hungerkrisen ist die Zockerei auf Agrarrohstoffpreise  unerträglich«, beklagt Matthias Wolfschmidt, Strategiedirektor der Organisation.

Die Preise für Lebensmittel sind in den letzten Wochen weltweit massiv gestiegen. Hauptgrund hierfür dürfte sein, dass Unternehmen und Händler wegen des Krieges mit einem geringeren Angebot von Weizen, Pflanzenölen und Phosphat-Dünger aus der Schwarzmeerregion rechnen – und darauf reagiert haben.

Finanzwetten auf steigende Rohstoffpreise trieben die Preise jedoch weiter, kritisierte Foodwatch. »Finanzspekulanten befeuern die stark steigenden Agrarrohstoffpreise zusätzlich: Sie wetten auf steigende Preise und hoffen auf rasche Gewinne«, sagte Wolfschmidt. Es drohe ein Teufelskreis aus Angst und Gier.

Foodwatch: Spekulationslimits fehlen

Es brauche Transparenz, wer über welche Getreidereserven verfügt – nur so kann der Angst vor Knappheit begegnet werden, forderte Wolfschmidt. »Die EU muss dringend Spekulationslimits festlegen und so die Wetten auf steigende Preise beenden«, fordert er. Es fehle an wirksamen Hebeln, um diese Geschäfte einzudämmen.

Der Rechercheverbund Lighthouse Reports hatte vergangene Woche einen ausführlichen Bericht zur Spekulation an den Rohstoffbörsen vorgelegt. Für zwei der größten Agrarfonds legen die Ergebnisse nahe, dass bestimmte Geschäfte die Lage in ärmeren Ländern noch verschlimmern .

»Die Finanzindustrie ist schon jetzt ein Gewinner des russischen Angriffskrieges«, sagt Foodwatch-Direktor Wolfschmidt. Seine Organisation hatte unter dem Titel »Die Hungermacher« bereits 2011 Recherchen über Agrarspekulation veröffentlicht und eine Regulierung verlangt.

apr
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