France Télécom Staatsanwaltschaft untersucht Selbstmordserie

Die hohe Suizidrate bei der France Télécom beschäftigt jetzt die Justiz: Ein Untersuchungsrichter überprüft, warum mehr als 40 Mitarbeiter des französischen Telefonkonzerns den Freitod wählten. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen gezieltes Mobbing vor.

Trauerfeier eines France-Télécom-Mitarbeiters: Gezieltes Mobbing des Managements?
AFP

Trauerfeier eines France-Télécom-Mitarbeiters: Gezieltes Mobbing des Managements?


Paris - Was ist der Grund für die Serie von Selbstmorden bei dem französischen Telefonkonzern France Télécom? Ein Untersuchungsrichter soll nun diese Frage beleuchten. Die Pariser Staatsanwaltschaft werde in den kommenden Tagen richterliche Vorermittlungen veranlassen, sagte ein Anwalt der Gewerkschaft Sud am Freitag.

Anlass sei eine Klage der Gewerkschaft und ein Bericht des französischen Gewerbeaufsichtsamts. Darin wird France Télécom vorgeworfen, die Gesundheit von Mitarbeitern durch die Umstrukturierung des Konzerns aufs Spiel gesetzt zu haben. Gleichzeitig wird das Management des Mobbings beschuldigt.

Seit 2008 haben sich bei France Télécom mehr als 40 Mitarbeiter das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen dafür den rasanten Umbau des einstigen Staatskonzerns mitverantwortlich, durch den viele Beschäftigte versetzt und Arbeitsabläufe verändert würden. Wegen der Selbstmordserie musste bereits Konzernchef Didier Lombard Anfang März seinen Posten räumen.

Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft im ostfranzösischen Besançon erstmals ein Ermittlungsverfahren zu einem Mitarbeiterselbstmord eingeleitet, in dem der Konzern und ein Regionalmanager der "fahrlässigen Tötung" beschuldigt werden.

lgr/AFP



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irgendwer_bln 09.04.2010
1. Nicht die einzigste Ursache
Gezieltes Mobbing kommt öfter vor. Dennoch werden Mitarbeiter deswegen nicht reihenweise in den Suizid getrieben. Ich vermute mal, da sind noch mehr Ursachen zu suchen... Wo sind die Verschwörungstheoretiker??? :-D
Knut Oellersen, 09.04.2010
2. Politik...
So schlimm das auch für die Betroffenen und Angehörigen ist. Aber man muss richtig hingucken. Die Suizidrate bei FT liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Die aktuelle Suizidrate in Frankreich beträgt pro Jahr 26,4 auf 100.000 Einwohner bei Männern und 9% bei Frauen. France Telekom hat 188.000 Mitarbeiter. Damit liegt FT mit insgesamt 40 Suiziden seit 2008 (!) deutlich unter dem Erwartungswert von 32,4 (pro Jahr) (Männer / Frauen halbe-halbe gemittelt) Hier wird also - auch - definitiv Politik gemacht ! Eine Retourkutsche der Gewerkschaften für massiven Stellenabbau eines zu Beginn der Sanierung extrem defizitären Staatsbetriebs. Mein französischer Chef erklärte das so: Die Leute bei France Telekom haben über Jahrzehnte wie Beamte gelebt. Nun müssen sie sich von einem auf den anderen Tag im freien Wettbewerb bewähren. Die verkrusteten Strukuren sind aber geblieben. Das Management ist unfähig und mit sich selbst beschäftigt. Dass da schnell viele überfordert sind oder sich aufreiben liegt auf der Hand. Unsichere Arbeitsplatzsituationen sind psychisch extrem belastend. Aus Deutschland kennen wir das in solchen Situation auch extrem schnell Mobbing entsteht. Nichtsdestotrotz müssen die Fälle aufgeklärt und verfolgt werden, wo Führungskräfte versagt haben. Ich fürchte aus rechtsstaatlicher Sicht wird da nicht allzuviel an Strafurteilen bei herumkommen. Datenquelle: http://www.who.int/mental_health/prevention/suicide_rates/en/index.html
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