Frankfurt Hahn Chinesen bekommen letzte Chance

An der Seriosität des Käufers des Flughafens Frankfurt Hahn bestehen Zweifel. Trotzdem will das Land Rheinland-Pfalz den Chinesen mehr Zeit einräumen.

Flughafen Frankfurt Hahn
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Flughafen Frankfurt Hahn


Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz will dem chinesischen Käufer Shanghai Yiqian Trading (SYT) trotz einer ausgebliebenen Teilzahlung beim Verkauf des Flughafens Frankfurt Hahn eine letzte Chance geben. SYT hält einem Zeitungsbericht zufolge am Erwerb des verlustträchtigen Flughafens fest.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte den Deal am Mittwoch auf Eis gelegt, da die Chinesen den Kaufpreis bis dahin nicht wie vereinbart gezahlt haben. Wenn das Unternehmen die geforderten Belege weiter nicht vorlege, werde "eine Art zweite Mahnung kommen", sagte Lewentz.

Zugleich habe das Land die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gebeten, bei den beiden anderen Bietern anzufragen, ob sie weiter an einem Kauf des Flughafens im Hunsrück interessiert seien. Dabei handelt es sich um ein nicht bekanntes amerikanisch-chinesisches Unternehmen und die pfälzische ADC GmbH.

Zweifel an der Seriosität

"Der Kaufprozess ist zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen", sagte SYT-Projektmanager Kyle Wang der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er versuchte, Zweifel an der Seriosität des Käufers zu zerstreuen. Der asiatische Konzern, der hinter dem Investmentvehikel stehe, sei solvent und eine Macht in der Bauindustrie, sagte Wang der Zeitung.

Die Genehmigung chinesischer Behörden für einen Geldtransfer könne sehr lange dauern, sagte Lewentz. Deswegen sehe der Vertrag eine Zahlung des gesamten Kaufpreises in zweistelliger Millionenhöhe bis zum 31. Oktober vor. In einer Nebenabrede sei vereinbart worden, den Preis für ehemalige Militärgrundstücke am Hahn bereits zum 10. Juni zu überweisen.

Als das Geld nicht eingetroffen sei, sei am Dienstag vergangener Woche eine Mahnung verschickt worden und die Aufforderung, innerhalb einer Woche die chinesische Dienststelle für die Genehmigung des Transfers und das Aktenzeichen dafür zu nennen.

Wenn sich SYT vertragstreu verhalte, werde mit den Fraktionen im Landtag darüber geredet, das unterbrochene Gesetzgebungsverfahren wieder aufzunehmen, sagte Lewentz. Ohne dieses Hahn-Gesetz könne der Kaufvertrag auch nicht wirksam werden.

Für den Airport-Anteil von 82,5 Prozent wollte die Regierung in Mainz eigentlich 13 Millionen Euro von den Chinesen kassieren. SYT hatte zuvor in der Auswahlphase zwei andere Bieter aus China ausgestochen.

Bald tauchten Zweifel an SYT auf, da die Firma selbst in China unbekannt war. Einem Bericht des SWR zufolge war zudem der vermeintliche SYT-Geldgeber Shanghai Guo Qing Investment Company an seiner Firmenadresse in Shanghai nicht auffindbar. Dort befand sich ein Reifenhändler. Wang machte der Zeitung zufolge keine genauen Angaben über die Firmengruppe und ihre Eigentümer.

brt/dpa/Reuters

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
mcpoel 30.06.2016
1. Es ist nicht Frankfurt
Hahn ist Hahn. Der Flughafen ist genauso wenig in Frankfurt, wie Leeds Castle in Leeds ist (da kann man lange suchen...). Warum korrigiert wenigstens die Presse das nicht?
sauerland23 30.06.2016
2.
Das erinnert mich stark an den Flugplatz Bitburg. Hier wurde einem windigem Investor aus Luxemburg der Flugplatz "verkauft " Allerdings hatte da die CDU , Herr Billen die Hände im Spiel. Will anscheinend heute keiner mehr wissen!
Bürger Icks 30.06.2016
3. An der Seriosität des Käufers bestehen Zweifel
Trotzdem will das Land Rheinland-Pfalz den Chinesen mehr Zeit einräumen. Aaaah so mach man also sichere, saubere, gute, gesunde Geschäfte heutzutage. In Deutschland.
stuff 30.06.2016
4. Komisch...
...wenn ich hier ein Haus kaufe, muss ich Geld hinterlegen, und wenn ich mit meinen anderen Teilzahlungen im Rückstand bin, wird meine Anzahlung einbehalten und der Kauf gilt als nicht getätigt. So schützt man sich vor 'vorgeblichen' Käufern. Ein Notar regelt das alles. Wo? Hier in Frankreich.
sissibu 30.06.2016
5. Nur noch Dilettanten!
Anscheinend gibt es keine Profis mehr, nur noch drittklassige Amateure! Wir können nicht nur keine Flughäfen bauen, sondern wir können Sie auch nicht mal verkaufen! Einfach nur armselig!
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