Fehlende Reformen IWF senkt Konjunkturprognose für Frankreich

Es läuft alles andere als rund für Frankreich: Erst fordert die EU-Kommission Reformen, nun auch der Internationale Währungsfonds - und senkt im gleichen Atemzug erneut die Konjunkturprognose für das Land.

Renault-Händler in Paris: Angeschlagene Autoindustrie
DPA

Renault-Händler in Paris: Angeschlagene Autoindustrie


Paris - So viel Kritik an seiner wirtschaftlichen Entwicklung in so kurzer Zeit hat Frankreich schon lange nicht mehr erlebt: Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Konjunkturprognose für das Land abermals. Zugleich forderte der IWF die Regierung zu Reformen auf. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone werde in diesem Jahr um 0,2 Prozent schrumpfen, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Länderbericht.

Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle mahnte Frankreich nach der erneut gesenkten Konjunkturprognose zu durchgreifenden Reformen. Die dem Land von der EU-Kommission eingeräumte Fristverlängerung zum Defizitabbau bedeute keine Reformpause, sagte Brüderle. "Es war immer bei allen Maßnahmen und bei allen Ländern so: Wenn sie Solidarität empfangen, müssen sie auch das ihnen Mögliche beitragen, um die Ursachen der Misere zu beseitigen", fügte der FDP-Spitzenkandidat hinzu. Dabei handele es sich in erster Linie um die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Auch die EU-Kommission hatte François Hollande zu Reformen aufgerufen, und damit den Zorn des französischen Präsidenten auf sich gezogen.

Im Januar hatte der IWF für Frankreich noch ein Wachstum von 0,3 Prozent erwartet, ehe er die Prognose im April auf minus 0,1 Prozent zurücknahm. Auch für das kommende Jahr ist der IWF inzwischen pessimistischer und erwartet nur noch ein Wachstum von 0,8 anstatt wie bislang von 0,9 Prozent. Am Montag hatte der IWF seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,3 Prozent halbiert.

Die französische Wirtschaft leide unter einem nachlassenden Produktivitätswachstum, niedrigen Gewinnmargen und einem schwächelnden Export, analysierte der Währungsfonds. Das Land hinke in Sachen Wettbewerbsfähigkeit seinen europäischen Handelspartnern hinterher. Selbst die südeuropäischen Krisenstaaten würden inzwischen an Wettbewerbsfähigkeit spürbar gewinnen. "Die Regierung muss die Reformen, die sie in den vergangenen sechs Monaten angestoßen hat, jetzt stärker vorantreiben", so der IWF. "So sollten neue Mittel gefunden werden, um die Kosten für die Beschäftigung junger Arbeitnehmer zu senken."

Verständnis äußerte der Fonds dafür, dass Frankreich den Sparkurs aufgeweicht hat. "Nach drei Jahren mit einer deutlichen Haushaltsanpassung gibt es Raum dafür, das Tempo der Konsolidierung zu senken", erklärte der IWF.

yes/Reuters

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
kaischek 04.06.2013
1. Ich glaube,...
...daran sind jetzt wieder die Deutschen Schuld.
Progressor 04.06.2013
2. Na ja
Zitat von kaischek...daran sind jetzt wieder die Deutschen Schuld.
Volkswirtschaftliche Zusammenhänge, zumal in einem Gemeinschaftswährungsraum, wird die Mehrheit der Bevölkerung _nie_ verstehen.
maxweber 04.06.2013
3. Liebe Linke, liebe Grüne, liebe SPD,
spart euch doch die Experimente. Dass linke Wirtschafts- und Steuerpolitik nicht funktioniert, sieht man doch an Frankreich.
Progressor 04.06.2013
4. Na ja
Zitat von maxweberspart euch doch die Experimente. Dass linke Wirtschafts- und Steuerpolitik nicht funktioniert, sieht man doch an Frankreich.
Die makroökonomischen Basisdaten aus der Zeit von Hollande sehen nicht anders aus als bei den Vorgänger-Regierungen.
kaischek 04.06.2013
5. Progressor
Volkswirtschaftliche Zusammenhänge, zumal in einem Gemeinschaftswährungsraum, wird die Minderheit der Bevölkerung _immer_ dazu nutzen, ihr Nicht-Verstehen von Forumsbeiträgen offensiv zu bewerben.
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