Neues Gesetz Paris will vorschnellen Geräteverschleiß als Betrug ahnden

Frankreich will den Verbraucherschutz stärken. Absichtlich in Geräte eingebaute Fehler sollen künftig per Gesetz als Betrug behandelt werden. Geplantes Strafmaß: bis zu zwei Jahre Haft und 300.000 Euro Geldstrafe.


Paris - In Frankreich soll das absichtliche vorschnelle Altern von Produkten - zum Beispiel Elektrogeräten - künftig als Betrug gelten und bestraft werden. Ein entsprechendes Gesetz hat bereits die erste Hürde im Parlament genommen.

Verbraucherschützern liegt das Thema schon lange am Herzen, auch in Deutschland. Im Fachjargon wird es als Obsoleszenz bezeichnet. Damit ist gemeint, dass in Produkten bewusst Bestandteile verarbeitet werden, die vorzeitig altern oder geringere Qualität haben. Das Gerät kann dann schneller nicht mehr genutzt und muss früher ersetzt werden. Als Beispiel gelten Geräte, bei denen ein Akku nicht austauschbar ist. Die Hersteller weisen die Vorwürfe jedoch zurück.

In Frankreich sollen nachgewiesene Obsoleszenz-Fälle künftig als Betrug mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe bestraft werden können. Das geplante Gesetz soll dann greifen, wenn die Lebensdauer eines Produktes bewusst künstlich verkürzt wird - mit dem Ziel, neuen Umsatz zu generieren. Die Regelung ist Teil eines Gesetzes zum Energiewandel, mit dem Frankreich seinen Atomstromanteil von 75 auf 50 Prozent reduzieren und den Energiebedarf halbieren will.

bos/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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danielc. 22.10.2014
1. Gute Idee, aber
Nach welchen Kriterien soll beurteilt werden, ob vorzeitige Alterung absichtlich ereicht wurde? Wenn wärmeemittierende Bauteile direkt neben wärmeempfindlichen platziert sind, dass Gerät insgesamt sehr kompakt gebaut ist, fällt es sicher nicht leicht, eine Absicht nachzuweisen. Muss der Hersteller einplanen, dass ein Händi zu Boden fällt oder feucht wird? Grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, Verschleiß genauer unter die Lupe zu nehmen.
raber 22.10.2014
2. Verfallsdatum für Elektrogeräte
Eine sehr interesante Initiative. An der Obsoleszenz-Theorie des absichtlichen Ablebens eines Produktes ist bestimmt viel Wahres dran. Es würde nicht nur den Energieverbrauch senken sondern auch die Berge an Schrott die jeden Tag durch diese Situation verursacht werden. Wäre es nicht eine Idee z.B. Verfallsdatum pro Elektrogerät vom Hersteller zu verlangen? Dann kann der Käufer/Verbraucher selber aussuchen ob er mehr für ein besseres Produkt zahlen will.
Steve B 22.10.2014
3. Papiertiger
Das ist doch 'ne Totgeburt. Wie soll denn NACHGEWIESEN werden, dass ein Teil nur wegen seiner geringen Lebensdauer eingebaut wurde und nicht wegen geringerer Kosten?! Muss der Hersteller jetzt bei einem Modeartikel mit drei Jahren Halbwertszeit wie z.B. Handys das teurere Display verbauen oder das Gehäuse aufwendiger beschichten/lackieren, nur weil es die Elektronik nicht auch mit einer Lebensdauer unter zehn Jahren gibt? Austausch- und Reparierbarkeit und Standardisierung zu verlangen scheint mir sinnvoller. Zeigt ja auch das Beispiel der Akkus. Dann fliegt der miese Originalakku nach einem Jahr raus und wird durch ein haltbareres Teil ersetzt. Oder er bleibt gleich im Laden. Zumindest einige Kunden werden rechnen können und beim nächsten Mal den Akkupreis im Vergleich mit einkalkulieren.
Günter Stalinski 22.10.2014
4. Nicht nur bei Elektrogeräten ...
sondern auch bei rein mechanischen Geräten. Bei meiner Wäschespinne (eines renommierten Herstellers) war fast alles aus Alu, nur die kleine Einrastnase nicht, die war aus mehreren Eisenplättchen zusammengesetzt. Da konnte dann schön die Feuchtigkeit eindringen und nach drei Jahren war das Näschen weggerostet - hab' mich damals schon geärgert.
Steppke_R 22.10.2014
5. Ein prüfenswerter Kandidat wäre ...
... Fritzbox: Super Produkt. Solange es funktioniert. Nur geben so gut wie alle Fritzes in meinem Bekanntenkreis nach drei, vier Jahren den Geist auf - inklusive meiner eigenen. Anruf bei 1&1, Reaktion: "Oh, Ihre hat aber lange gehalten!". Schwer verständlich für jemanden aus der Autoelektronik, dessen Produkte 10, 15 Jahre halten müssen, bei -15 bis +40 Grad, während der Fritze im geheizten Wohnzimmer sein Dasein fristet ...
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