Frauen auf Chefposten "Die Männerdominanz ist überwältigend"

Deutschlands Unternehmen wollen mehr Managerinnen einstellen - das versprechen sie zumindest. Doch eine Studie zeigt: In den 200 größten Firmen sind nur drei Prozent aller Vorstandsposten mit Frauen besetzt, genauso wenig wie früher. Die Autorinnen sprechen von einer "männlichen Monokultur".
Telekom-Manager Nemat, Obermann, Schick (ab Mai): Bewegung bei Dax-Konzernen

Telekom-Manager Nemat, Obermann, Schick (ab Mai): Bewegung bei Dax-Konzernen

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Hamburg - René Obermanns Vorstoß kam einem Donnerschlag gleich: Im vergangenen Sommer kündigte der Telekom-Chef an, gleich drei Frauen in die Führungsetage des Unternehmens zu holen - die Machokultur in Deutschlands Wirtschaft sollte durchbrochen werden. Am Ende wurden es zwar nur zwei neue Top-Managerinnen. Dennoch: Einen solchen Vorstoß hatte es in einem Dax-Konzern noch nicht gegeben.

Allerdings wird es zunächst wohl auch dabei bleiben. Denn einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge bewegt sich in den Vorstandsetagen der Top-Konzerne so gut wie nichts: Bei den 200 größten Unternehmen Deutschlands saßen 2011 nur in drei Prozent der Chefsessel Frauen - damit lag der Anteil genau so niedrig wie im Jahr davor. Anders ausgedrückt: Nur 28 von 942 Vorstandsposten wurden 2011 von Frauen besetzt. "Hier herrscht eine männliche Monokultur", sagt Mitautorin Elke Holst.

Lediglich in den Aufsichtsräten stieg der Frauenanteil laut Studie von 10,6 Prozent im Vorjahr auf nun 11,9 Prozent. Allerdings sind mehr als zwei Drittel der Aufseherinnen Vertreterinnen der Arbeitnehmerseite - und die gelangen aufgrund von Mitbestimmungsregeln in das Gremium.

3,7 Prozent Frauen in Dax-Vorständen

Das DIW untersucht seit einigen Jahren die Besetzung der Posten in Deutschlands Führungsetagen. Das jetzige Ergebnis fällt besonders ernüchternd aus. Denn nie zuvor wurde so viel über Chancengleichheit geredet wie in den vergangenen zwölf Monaten - und doch so wenig gemacht.

Ein Beispiel: 2011 fanden zwei Spitzentreffen der Bundesregierung mit Vertretern der mächtigsten Unternehmen Deutschlands zum Thema statt. Die Dax-Chefs wollten keine verbindlichen Angaben zur Frauenförderung machen und versteckten sich hinter unverbindlichen Zielgrößen. Dabei hatten sich die Unternehmen schon 2001 in einem Abkommen mit der Bundesregierung verpflichtet, aus freien Stücken mehr für die Förderung von Frauen in Führungspositionen zu tun.

Frauen in Vorständen der 200 größten Unternehmen (2011)

Unternehmen Name
Daimler Dr. Christine Hohmann-Dennhardt
E.on Regine Stachelhaus
Siemens Brigitte Ederer, Barbara Kux
BASF Margret Suckale
Telekom Claudia Nemat
Bayer Healthcare Erica L. Mann
Henkel Kathrin Menges
Opel Rita Forst, Susanna Webber
Vodafone D2 Dr. Susan Hennersdorf
Volkswagen Leasing Dr. Heidrun Zirfas
dm-Drogerie Markt Petra Schäfer
Telefónica O2 Germany Rachel Empey, Andrea Folgueiras
Schlecker Christa Schlecker, Meike Schlecker
Basell Polyolefine Rita Geissel
IBM Deutschland Martina Koederitz (Vorsitzende)
Air Berlin Elke Schütt
Actebis Maija Strandberg
Kaufhof Claudia Reinery
Ikea Deutschland Zuzana Poláková, Claudia Willvonseder, Angela Zhu
Rossmann Alice Schardt-Roßmann
Tchibo Wioletta Rosolowska
Douglas Anke Giesen
Quelle: DIW

Immerhin hat das Beispiel Telekom für etwas Bewegung gesorgt. So ist seit Oktober 2011 die frühere Mc-Kinsey-Beraterin Claudia Nemat Europa-Chefin des Konzerns. Im Mai übernimmt die frühere baden-württembergische Bildungsministerin Marion Schick das Personalressort. Insgesamt stieg der Frauenanteil in den Dax-Konzernen 2011 gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Punkte auf 3,7 Prozent. Im Ganzen entscheiden nun in sechs von 30 Dax-Vorständen Frauen mit - bei Siemens  , der Telekom  , BASF  , Henkel  , Daimler   und E.on   (siehe Fotostrecke). Für 2012 sind außer der Telekom-Personalie noch vier weitere Vorstandsbesetzungen mit Frauen angekündigt.

DIW-Autorin Holst vermutet jedoch, dass allein der öffentliche Druck zu diesen Entscheidungen beigetragen hat. So droht Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon lange mit einer gesetzlichen Frauenquote. Nicht unwichtig ist zudem, dass etwa die Telekom ein Konzern mit Bundesbeteiligung ist.

Erstmals hat das DIW auch die Spitzengremien der mittelgroßen und kleineren börsennotierten Unternehmen des MDax   und SDax   untersucht. Hier ist der Frauenanteil ebenfalls sehr niedrig: Im Jahr 2011 waren nur 2,3 Prozent der Vorstandsmitglieder der MDax-Unternehmen Frauen, bei den SDax-Vorständen kam die DIW-Studie auf 4,8 Prozent Frauen. "Der Anteil von Frauen in Führungspositionen liegt bei den kleineren Unternehmen etwas höher als bei großen, insgesamt reden wir jedoch nur von minimalen Unterschieden. Die Männer-Dominanz ist auch hier überwältigend", sagt Autorin Holst.

Die Studien-Autoren Holst und Julia Schimeta schlagen fünf Wege vor, wie Unternehmen einem Fachkräftemangel und möglichen Gesetzen vorbeugen können. Konzerne müssten demnach

  • ein zentrales Unternehmensziel definieren,
  • einen verbindlichen Zeitplan erstellen und nachvollziehbar umsetzen,
  • Transparenz bei Ausschreibungen gewährleisten,
  • Personalentwicklung auf frühzeitige Einbindung von Frauen und flexible Karrieremodelle ausrichten
  • und die Unternehmenskultur für Frauen in Führungspositionen öffnen.

Das Fazit der Autorinnen: "Die Unternehmen haben es selbst in der Hand, ob sie sich von gesetzlichen Regulierungen möglicherweise überrollen lassen oder ob sie eigene Maßnahmen ergreifen."

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