SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

16. Oktober 2011, 10:02 Uhr

Frauen im Top-Management

Schröder plant Bußgeld für Quoten-Sünder

Deutschlands Großkonzerne bremsen bei der Einführung einer Frauenquote im Top-Management - jetzt verliert Familienministerin Schröder die Geduld. Nach SPIEGEL-Informationen plant sie Strafzahlungen.

Hamburg - Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will Verstöße gegen ihre geplante "Flexiquote" mit Bußgeldern von bis zu 25.000 Euro ahnden. Dies geht nach SPIEGEL-Informationen aus dem Arbeitsentwurf des Familienministeriums für eine gesetzliche Frauenquote hervor.

Schröder will das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschieden. Laut Arbeitsentwurf soll es bereits am 1. Juli 2012 in Kraft treten.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass alle börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen künftig jährlich nicht nur die Anzahl von Frauen und Männern in Vorstand und Aufsichtsrat veröffentlichen müssen. Sie sollen obendrein auch erklären, welchen Geschlechteranteil sie bei der nächsten Bestellung der Gremien anstreben wollen.

Bei Verstößen soll es Sanktionen geben: Entspricht die Zusammensetzung eines Vorstands nicht der Selbstverpflichtung, wird seine Bestellung unwirksam. Auch die Wahl des Aufsichtsrats kann angefochten werden, wenn das Männer-/Frauen-Verhältnis nicht den Ankündigungen entspricht. Für den Fall, dass die Selbstverpflichtung nicht oder falsch abgegeben wird, droht Schröder in ihrem Entwurf mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro.

Konzerne scheuen klare Zielvorgabe

Tatsächlich bremsen die deutschen Großkonzerne die Bundesregierung bei deren Plänen für eine Frauenquote im Top-Management offenbar aus. Zwei Tage vor dem Spitzentreffen zu dem Thema hätten die Unternehmen entgegen den Forderungen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen keine konkreten Ziele und keinen Zeitplan für eine Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten festgelegt, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Dies gehe unter anderem aus einer Übersicht der Konzerne zur Vorbereitung der Gespräche zwischen der Bundesregierung und den Personal-Chefs von Dax-Unternehmen hervor.

Von der Leyen drohte erneut mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Frauenquote und damit, Unternehmen öffentlich an den Pranger zu stellen, in denen Frauen schlechte Karrierechancen hätten. "Da gibt es Vorreiter, und es gibt Ewiggestrige. Die sollte man dann auch beim Namen nennen", sagte die Ministerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Deutschland könne es sich schlicht nicht mehr leisten, auf Frauen als Spitzenkräfte zu verzichten.

Zum Jahresbeginn war von der Leyen mit ihrer Forderung nach einer gesetzlichen Quote am Widerstand von Kanzlerin Angela Merkel gescheitert. Im Gegensatz zu von der Leyen will Familienministerin Schröder die Unternehmen per Gesetz lediglich dazu verpflichten, sich selbst eine Zielquote zu setzen. So will sie den Firmen die Möglichkeit geben, flexibel auf branchenspezifische Besonderheiten zu reagieren.

suc/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung