Frauenquote Von der Leyen stellt Macho-Firmen Ultimatum

Klare Ansage der Arbeitsministerin: Ursula von der Leyen drängt auf mehr Frauen in Führungspositionen - und droht den Unternehmen mit einer gesetzlichen Quote. Die Alternative sei eine Selbstverpflichtung, sagte sie dem manager magazin. Das Minimum wäre dann aber ein Frauenanteil von 25 Prozent.
Arbeitsministerin von der Leyen: Fortschritte nur mit der Lupe erkennbar

Arbeitsministerin von der Leyen: Fortschritte nur mit der Lupe erkennbar

Foto: Bernd Settnik/ picture alliance / dpa

Ursula von der Leyen

Hamburg - Durchsetzungsvermögen gehört zu den Markenzeichen von . Nun will die CDU-Arbeitsministerin das Thema Frauenquote angehen und stellt den deutschen Unternehmen ein Ultimatum: entweder Selbstverpflichtung der Wirtschaft oder gesetzliche Frauenquote.

"Angesichts der nur mit der Lupe erkennbaren Fortschritte der vergangenen zehn Jahre schließe ich eine gesetzliche Regelung über einen Mindestanteil von Frauen in Führungspositionen von Unternehmen nicht mehr aus", sagte von der Leyen dem manager magazin. Die einzige Alternative zur gesetzlichen Quote bestehe in einer zügigen, "verbindlichen" und "öffentlich nachvollziehbaren" Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft zu mehr Frauen in Führungspositionen.

Von der Leyen gab auch gleich eine Mindestanforderung an eine solche Selbstverpflichtung vor: "Unter 25 bis 30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen würde ich gar nicht anfangen zu verhandeln", sagte sie. Das Entscheidende sei aber der Zeitraum für die Umsetzung. "Ich sage mal: Es sollten weniger Jahre sein, als meine Hand Finger hat", erklärte von der Leyen.

Bislang lehnen die einflussreichsten Konzerne Deutschlands bis auf sehr wenige Ausnahmen eine Quote ab. Eine aktuelle Studie enthüllte, dass die Chefetagen der größten deutschen Unternehmen für Frauen unerreichbar bleiben. Viele Firmen haben keine einzige weibliche Führungskraft.

In Frankreich hat die Politik in Sachen Frauenquote bereits Fakten geschaffen. Dort gibt es in den Führungsetagen großer Unternehmen künftig eine solche Quote. Bis 2017 sollen 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein, beschloss das Parlament kürzlich. In einem ersten Schritt soll die Frauenquote bis 2014 auf 20 Prozent angehoben werden. Die Unternehmen, die bisher keine Frau im Vorstand haben, sollen spätestens sechs Monate nach Verabschiedung des Gesetzes eine ernennen. Die Vorschrift, die bereits den Senat passiert hat, gilt für die 650 börsennotierten Unternehmen in Frankreich sowie alle Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.

Norwegen hatte bereits 2003 eine Frauenquote für Aufsichtsräte eingeführt und inzwischen mehr als 40 Prozent Frauen in diesen Gremien. Spanien folgte 2007 mit einer ähnlichen Regelung.

Frauen in Vorständen der 200 größten Unternehmen (2010)

Unternehmen* Name
E.on Regine Stachelhaus
Siemens Brigitte Ederer, Barbara Kux
Opel Rita Forst, Susanna Webber
SAP Dr. Angelika Dammann
Vodafone Dr. Susan Hennersdorf
Volkswagen Leasing Dr. Heidrun Zirfas
Schlecker Christa Schlecker, Meike Schlecker
DB Regio Dr. Bettina Volkens
Sandoz International Isabell Remus (Vorsitz), Susanne Faust
dm-Drogerie Markt Petra Schäfer
Fujitsu Technology Sabine Schweiger
OMV Ana-Barbara Kuncic, Hannelore Scheidt
IBM Deutschland Martina Koederitz
Telefónica O2 Andrea Folgueiras
Havi Global Logistics Eva-Daniela Menzky
Nestlé Deutschland Elke Strathmann
Ikea Deutschland Petra Hesser (Vorsitz), Zuzana Poláková, Claudia Willvonseder
Citiworks Stephanie Möller
Air Berlin Elke Schütt
Douglas Anke Giesen
Tchibo Wioletta Rosolowska
Rossmann Alice Schardt-Roßmann
Quelle: DIW
* Nicht aufgeführte Unternehmen haben keine Frau im Vorstand.

In Deutschland haben sich die Unternehmen zwar vor zehn Jahren in einem Abkommen mit der Bundesregierung verpflichtet, aus freien Stücken mehr für die Förderung von Frauen in Führungspositionen zu tun. Getan hat sich jedoch wenig: Nur 29 von 906 Vorstandsposten in den 200 größten Unternehmen wurden 2010 von Frauen besetzt.

Auch die EU-Kommission macht in Sachen Frauen in Führungspositionen Druck. "Wenn bis Ende 2011 nichts geschieht, müssen wir über gesetzliche Quoten nachdenken", hatte Viviane Reding, EU-Kommissarin für Justiz- und Gleichstellungsfragen, Mitte 2010 gewarnt. Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte mit einer gesetzlichen Regelung gedroht.

mmq/AFP