USA und Kanada Handel durch Annäherung

Donald Trumps nationalistische US-Wirtschaftspolitik belastet die Beziehungen auch zu Kanada. Den Freihandel in Nordamerika wollen beide Länder nun verbessern - auch für ein umstrittenes Abkommen gibt es Hoffnung.

FOCKE STRANGMANN/EPA-EFE/REX

Mit immer neuen Strafzöllen setzt Donald Trump Handelspartner der USA weltweit unter Druck - zugleich schmiedet er aber auch neue Bündnisse: Trotz der US-Differenzen mit dem Nachbarstaat Kanada sind beide Länder beim Freihandel nun einen Schritt aufeinander zugegangen.

Es habe Fortschritte gegeben, sagte Kanadas Regierungschef Justin Trudeau nach einem Treffen mit Trump in Washington. Unter anderem sollen Erleichterungen im Grenzverkehr beider Länder durchgesetzt werden, auch beim grenzübergreifenden Gütertransport. Beide Länder wollten auch bei der Sicherung wichtiger, unter anderem militärisch bedeutender Mineralien enger zusammenarbeiten. Trudeau will die Gespräche in der nächsten Woche beim G20-Gipfel im japanischen Osaka fortsetzen.

Auch das neue nordamerikanische Freihandelsabkommen scheint trotz erheblicher Spannungen zwischen den drei beteiligten Ländern USA, Mexiko und Kanada weiter voran zu kommen. Mexiko hatte am Mittwoch als erstes Land das neue Abkommen USMCA ratifiziert, das fast 500 Millionen Menschen betreffen und ein Gebiet mit einer Gesamtwirtschaftsleistung von knapp 23 Billionen Dollar abdecken soll.

Mexiko will mit Förderprogramm Zahl der Migranten senken

Trump sagte, er hoffe, dass die Ratifizierung im US-Parlament schnell vonstatten gehe. "Ich denke, Nancy Pelosi wird das Richtige tun", sagte er mit Blick auf die Vorsitzende des Repräsentantenhauses von den Demokraten. Trumps politischer Gegner hat in der Kammer die Mehrheit, Pelosi hatte wiederholt Widerstand angekündigt. Auch Kanada muss die Vereinbarung noch ratifizieren. Sie soll den jahrzehntealten Freihandelspakt Nafta ablösen.

Trump erklärte, das neue Freihandelsabkommen mit den nordamerikanischen Nachbarn sei notwendig. "Wir konkurrieren mit der Europäischen Union, mit China. Nicht so sehr untereinander", sagte er. Der Pakt verschaffe allen drei Partnern eine bessere Position.

Allerdings hatte Trump Mexiko zuletzt erst mit Strafzöllen gedroht, falls es die zentralamerikanischen Migranten auf ihrem Weg nach Norden nicht stoppt. Hastig wurde ein Deal vereinbart, um diese Sonderabgaben zu verhindern, die womöglich unter anderem auch den deutschen Autohersteller BMW mit seinem neuen Werk in San Luis Potosí getroffen hätten.

Konkret hat Mexiko ein mit 100 Millionen Dollar dotiertes Förderprogramm zur Schaffung von Arbeitsplätzen vorgestellt, um die Zahl der Migranten aus den mittelamerikanischen Nachbarstaaten zu reduzieren. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador reiste zur Präsentation an die Grenze zu Guatemala. Starten soll etwa ein 30-Millionen-Dollar-Projekt in El Salvador: Durch die Pflanzung von Obst- und Nutzholzbäumen soll Beschäftigung erzeugt werden.

Mexikanischer Kontrollposten: Suche nach Flüchtlingen
AP Photo/Rebecca Blackwell

Mexikanischer Kontrollposten: Suche nach Flüchtlingen

López Obrador sagte, Mexiko werde zeigen, dass es den Migrationsfluss "mit Menschlichkeit und ohne Fremdenfeindlichkeit" reduzieren könne. Außenminister Marcelo Ebrard sagte, man müsse den Menschen Möglichkeiten dort geben, wo sie leben.

apr/dpa

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