Freihandelsabkommen Industrieverband räumt falsche Angaben über TTIP ein

Was bringt das Freihandelsabkommen TTIP? Darüber streiten Gegner und Befürworter seit Langem. Jetzt muss der Bundesverband der Deutschen Industrie einräumen, eine Studie falsch zitiert zu haben.
Containerschiff in Hamburg: Prognosen kollabieren "wie ein Soufflé"

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Foto: Axel Heimken/ picture alliance / dpa

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) hat fehlerhafte Angaben zum transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) eingeräumt. Er reagierte damit auf einen offenen Brief der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Diese kritisierte Informationen auf der BDI-Homepage und in anderen Publikationen des Verbands, in denen falsch aus einer Studie der Europäischen Kommission zu TTIP zitiert wurde.

Der Untersuchung zufolge könnte ein sehr ambitioniertes Abkommen das europäische Bruttoinlandsprodukt um knapp 0,5 Prozent beziehungsweise 119 Milliarden Euro anheben - allerdings über einen Zeitraum von zehn Jahren. Auf der BDI-Homepage hieß es dagegen, "dass EU und USA jeweils mit rund 100 Mrd. Euro Wirtschaftswachstum pro Jahr rechnen können". Die Angabe wurde mittlerweile korrigiert.

"Es ist richtig, dass in unserer vielfältigen Kommunikation stellenweise der Eindruck entstehen konnte, als wäre der Effekt von rund 100. Mrd Euro jährlich zu erwarten", heißt es in einem Antwortbrief des BDI, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Um eine bewusste Fehl- und Desinformationskampagne, wie Sie sie dem BDI unterstellen, handelt es sich indes keineswegs."

Foodwatch-Chef Thilo Bode hatte am Montag sein Buch "Die Freihandelslüge" vorgestellt, in dem er deutschen Regierungs- und Wirtschaftsvertretern systematische Fehlinformationen zu TTIP vorwirft. Tatsächlich wird der prognostizierte Gewinn von 119 Milliarden auch in einer Broschüre der arbeitgeberfinanzierten Initiative neue Soziale Marktwirtschaft als "pro Jahr" genannt. "Wenn die TTIP-Befürworter bei der Wahrheit bleiben, fallen die zu erwartenden wirtschaftlichen Effekte des Abkommens zusammen wie ein Soufflé im Ofen", so Bode.

Auch die CDU und CSU hatte sich in Informationsmaterialien zu TTIP verschiedene Studienergebnisse so zurechtgepuzzelt, dass ein besonders positives Bild entstand.

dab
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