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09. April 2014, 21:31 Uhr

Frühjahrsgutachten

Ökonomen warnen vor Job-Abbau durch Mindestlohn

Schlechte Nachrichten für Arbeitsministerin Andrea Nahles: Ihre Pläne für einen gesetzlichen Mindeslohn werden im Frühjahrsgutachten von Experten erneut kritisiert. Für die Konjunktur sehen sie mehreren Berichten zufolge aber einen deutlichen Aufschwung voraus.

Berlin - Die Einführung des geplanten gesetzlichen Mindestlohns von 8,5 Euro könnte im kommenden Jahr bis zu 200.000 Arbeitsplätze kosten. Davor warnen Experten mehrerer Wirtschaftsinstitute in ihrem Frühjahrsbericht, aus dem der "Tagesspiegel" vorab zitiert. Das Papier, das in Auftrag der Bundesregierung erstellt wird, soll am Donnerstag vorgestellt werden. Demnach kommt die gegenwärtige Erholung am Arbeitsmarkt zum Erliegen.

Der Mindestlohn habe große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, da die Zahl der Betroffenen sehr groß sei, heißt es laut "Tagesspiegel" in dem Gutachten. Ihr Lohn steige um durchschnittlich 30 Prozent. Zudem seien viele Menschen, die künftig den Mindestlohn bekommen, in Branchen beschäftigt, in denen es keine hohen Gewinnspannen gebe, beispielsweise in der Gastronomie.

Die Experten haben aber auch positive Ergebnisse: In diesem Jahr soll demnach ein Konjunkturplus von 1,9 Prozent erreicht werden. Das sind 0,1 Prozentpunkte mehr, als sie im Herbst erwartet hatten. Die Regierung war von 1,8 Prozent Zuwachs ausgegangen. Für 2015 rechnen die Institute wie die schwarz-rote Koalition mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Zudem gehen sie davon aus, dass der Staat in beiden Jahren Überschüsse erwirtschaften werde.

Das Frühjahrsgutachten erstellen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Ifo-Institut, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sowie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Auftrag der Bundesregierung. Zentraler Bestandteil ist die Vorhersage der Wirtschaftsentwicklung in diesem und im kommenden Jahr.

Der Kritik an der geplanten Lohnuntergrenze haben sich laut "Tagesspiegel" und der Digitalzeitung "Handelsblatt Live" nicht alle an dem Gutachten beteiligten Institute angeschlossen. Das DIW habe ein Minderheitenvotum angefügt. Darin verwiesen die Berliner Forscher darauf, dass die Effekte nur schwer zu bestimmen seien.

vks/dpa/Reuters

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