Fukushima-GAU Gericht spricht Ex-Manager von Kraftwerkbetreiber frei

Ein japanische Gericht hat drei ehemalige Manager des Kraftwerkbetreibers Tepco freigesprochen. Die Ankläger hatten ihnen Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit dem GAU des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi vorgeworfen.

Der frühere Tepco-Vize-Präsident Ichiro Takekuro (l.) auf dem Weg zu Gericht
Kazuhiro NOGI / AFP

Der frühere Tepco-Vize-Präsident Ichiro Takekuro (l.) auf dem Weg zu Gericht


Achteinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima sind drei frühere Topmanager des verantwortlichen Kraftwerkbetreibers Tepco in einem Strafprozess freigesprochen worden. Das Bezirksgericht in Tokio befand die früheren Manager für nicht schuldig, wie japanische Medien am Donnerstag meldeten. "Es wäre unmöglich, eine Atomanlage zu betreiben, wenn die Betreiber verpflichtet würden, jegliche Möglichkeit eines Tsunamis vorherzusagen und nötige Maßnahmen zu ergreifen", erklärte Richter Kenichi Nagafuchi in seiner Urteilsbegründung laut japanischen Medien.

Die Staatsanwälte hatten den drei Männern vorgeworfen, vorhandene Informationen über einen möglichen starken Tsunami ignoriert und notwendige Sicherheitsmaßnahmen unterlassen zu haben und Haftstrafen von jeweils fünf Jahren gefordert. Die Angeklagten hatten dagegen erklärt, dass der Tsunami unvorhersehbar gewesen sei.

Zerstörter Reaktor in Fukushima
REUTERS

Zerstörter Reaktor in Fukushima

Im Kraftwerk Fukushima Daiichi im Nordosten des Inselreiches war es am 11. März 2011 in Folge eines gewaltigen Tsunamis zum GAU gekommen. Der Prozess gegen die drei Manager begann fünf Jahre später im Jahr 2016.

Die Angeklagten hatten sich für unschuldig erklärt. Der Tsunami sei unvorhersehbar gewesen. Zudem wäre es ohnehin zu einer Katastrophe gekommen, selbst wenn Schutzmaßnahmen ergriffen worden wären.

Tausende noch nicht zurück

Als Folge der Kernschmelzen in drei Fukushima-Reaktoren mussten rund 160.000 Anwohner ihr Zuhause verlassen. Tausende können noch immer nicht zurück. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 gewesen. Eine unabhängige Kommission war 2012 zu dem Ergebnis gekommen, dass das Unglück vorhersehbar und vermeidbar war. Es handele sich um ein "Desaster von Menschenhand". Verantwortlich sei das Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Atomlobby.

Mehrere Gerichte hatten in den vergangenen Jahren eine Mitschuld des Staates und des Betreibers Tepco an der Katastrophe in Fukushima festgestellt und Entschädigungszahlungen verfügt. Staat und Tepco hätten sich der Nachlässigkeit schuldig gemacht. Das Unternehmen hätte zu Vorkehrungen vor Tsunamis verpflichtet werden müssen. Doch strafrechtlich wurde niemand zur Verantwortung gezogen - weder beim Staat noch bei Tepco.

Das Bezirksgericht befand am Donnerstag nun, dass die drei angeklagten Ex-Manager auch nicht für den Tod von 44 älteren Patienten verantwortlich seien. Deren Gesundheit hatte sich während beziehungsweise nach der erzwungenen Evakuierung eines örtlichen Krankenhauses verschlechtert. "Wir können das nicht verstehen. Wir sind unserer Häuser und unserer Heimat beraubt worden", klagte ein Bewohner von Fukushima im Fernsehen über das Urteil des Bezirksgerichts. In einer Stellungnahme entschuldigte sich Tepco erneut dafür, den Menschen Schwierigkeiten und Sorgen bereitet zu haben.

Rückkehr zum Atomstrom?

Mit dem Urteil sind die rechtlichen Auseinandersetzungen für den Betreiberkonzern allerdings noch nicht beendet. Es laufen vor Gerichten noch mehrere Zivilrechtsklagen, die von Tausenden von Bürgern Fukushimas angestrengt wurden.

Achteinhalb Jahre nach der Katastrophe versucht der japanische Staat derweil alles, um den Eindruck von Normalität zu vermitteln. Der Wiederaufbau in der Katastrophenregion komme voran, die Lage in der Atomruine sei unter Kontrolle, Lebensmittel aus Fukushima sicher. Man erlaubt Bewohnern einstiger Sperrzonen die Rückkehr in ihre Häuser, lockt ausländische Touristen an und wirbt kräftig für die Olympischen Spiele 2020, die die Erholung der Region zur Schau stellen sollen.

Zugleich versucht Japan, weitere Reaktoren wieder hochzufahren. Bislang sind in dem hochgradig von Erdbeben und Vulkanen gefährdeten Inselreich neun Meiler wieder am Netz. Die große Mehrheit der Reaktoren steht jedoch weiterhin still, nachdem Japan in Folge der Atomkatastrophe in Fukushima zeitweise alle Reaktoren heruntergefahren und die Sicherheitsauflagen für Neustarts deutlich verschärft hatte.

Zur Zeit des GAUs in Fukushima hatte die drittgrößte Volkswirtschaft noch 54 Reaktoren am Netz gehabt. Es wird nach Schätzung des Betreiberkonzerns Tepco noch gut 30 Jahre dauern, bis die Atomruine endgültig gesichert und stillgelegt ist.

mik/dpa-AFX

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leontion 19.09.2019
1. Unglaublich
Da werden Menschen getötet, ganze Landstriche radioaktiv verwüstet und das Meer verseucht, und niemand ist schuld. Hätten wir einen solchen GAU gehabt, wäre vermutlich ähnlich geurteilt worden. Und im Bundeskanzleramt sitzt eine Physikerin, die sich bis zum Unglück in Fukuschima als Fan der Atomenergie verstand.
Galgenstein 19.09.2019
2. @1 Nicht die Reaktoren töteten die Menschen
sondern der Tsunami. Mir ist von keinem einzigen Strahlenopfer bekannt und das Meer ist auch nicht radioaktiv verseucht. Liest man ihren Beitrag gewinnt man den Eindruck, dass eigentlich die Kraftwerksbetreiber am Tsunami schuld seien. Und das ist natürlich Blödsinn.
igb 19.09.2019
3. @2 und Sie lesen anscheinend nicht alles
dieser Teil ist Ihnen wohl entgangen: "Doch sei es der Konzernführung wichtiger gewesen, ein Herunterfahren des Meilers zu vermeiden, statt das Problem anzugehen"
tatsache2011 19.09.2019
4. fast alle AKWs in Japan außer Betrieb
Leider wird nun nicht die eigentliche Ursache - die zu schwach auslegte Konstruktion - gerichtlich geklärt, denn [Zitat] "Eine Analyse, die die gleich nach dem Beben gemessenen, erhöhten Strahlungswerte erklären würde. Tanaka vermutete, dass es einen Rohrbruch am Reaktordruckbehälter gegeben habe. Der wiederum hätte nichts mit dem Tsunami zu tun gehabt. Er könne nur durch das Erdbeben entstanden sein." Zitat aus http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Beben-allein-loeste-Fukushima-Katastrophe-aus-206356.html Damit wären diese Manager freizusprechen. Das Erdbeben war stärker als bei Konstruktion angenommen, deshalb sind fast alle AKWs in Japan außer Betrieb, obwohl sie von keinem Tsunami bedroht werden.
tatsache2011 19.09.2019
5. Ergänzung
Zitat von tatsache2011Leider wird nun nicht die eigentliche Ursache - die zu schwach auslegte Konstruktion - gerichtlich geklärt, denn [Zitat] "Eine Analyse, die die gleich nach dem Beben gemessenen, erhöhten Strahlungswerte erklären würde. Tanaka vermutete, dass es einen Rohrbruch am Reaktordruckbehälter gegeben habe. Der wiederum hätte nichts mit dem Tsunami zu tun gehabt. Er könne nur durch das Erdbeben entstanden sein." Zitat aus http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Beben-allein-loeste-Fukushima-Katastrophe-aus-206356.html Damit wären diese Manager freizusprechen. Das Erdbeben war stärker als bei Konstruktion angenommen, deshalb sind fast alle AKWs in Japan außer Betrieb, obwohl sie von keinem Tsunami bedroht werden.
https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Beben-allein-loeste-Fukushima-Katastrophe-aus-206356.html
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