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23. Juni 2011, 15:55 Uhr

G-20-Treffen

Agrarminister scheuen Regulierung von Rohstoffmärkten

Die Landwirtschaftsminister der G20 wollen gegen steigende Lebensmittelpreise vorgehen. Doch die Pläne sind sehr vage, auf eine Regulierung der Spekulation konnten sich die Vertreter der führenden Schwellen- und Industrieländer nicht einigen.

Brüssel - Die G20-Landwirtschaftsminister haben sich auf einen Aktionsplan geeinigt, um extreme Preisschwankungen bei Nahrungsmittelrohstoffen einzudämmen. Zu den beim Agrargipfel in Paris beschlossenen Maßnahmen gehört nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner der Aufbau eines Agrar-Markt-Informations-Systems (AMIS). Mit seiner Hilfe soll künftig schneller auf Preisanstiege bei Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen reagiert werden können. Auf eine konkrete Regulierung von Finanzgeschäften mit Agrargütern konnten sich die Minister dagegen nicht verständigen.

Die Datenbank, die Lagerbestände und landwirtschaftliche Produktion erfassen soll, galt unter den Agrarministern als umstritten. Privatbetriebe sollen ihre Informationen beispielsweise über Lagerbestände allerdings nur auf freiwilliger Basis zuliefern. Insbesondere Indien und China hatten sich dagegen gewehrt, ihre Bestände offenzulegen. Als Ergänzung des AMIS wird ein satellitengestütztes System geprüft, das wichtige Wetterdaten verfügbar macht und fundierte Vorhersagen erleichtert.

Die Regulierung war das große Streitthema beim ersten Gipfeltreffen der Minister. Frankreich, das noch bis Ende des Jahres den G20-Vorsitz innehat, macht sich für grundsätzlich härtere Regeln bei Derivate-Geschäften an den Rohstoffmärkte stark. So sollen Spekulationen begrenzt werden. Präsident Nicolas Sarkozy sieht darin den Hauptgrund für die extremen Schwankungen von Lebensmittelpreisen in den vergangenen Monaten. Großbritannien hält dagegen das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage für den entscheidenden Faktor. Eine Marktregulierung lehnt das Land, das mit London über den wichtigsten Finanzplatz Europas verfügt, deshalb ab.

Einigkeit bestand darin, die landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen und insbesondere in Krisenzeiten enger zusammenzuarbeiten. Exporte sollen im Fall von Hungersnöten nicht begrenzt werden. Außerdem sollen die Spekulationen an den Agrarmärkten stärker reguliert werden.

USA blockieren Debatte über Biosprit

Ein Thema, das die Minister weitgehend ausklammerten, war der vor allem aus Mais und Zuckerrohr hergestellte Biosprit. Laut der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) und der Welternährungsorganisation (FAO) wird 2020 30 Prozent der Zuckerrohrernte zu Biosprit verarbeitet. Hilfsorganisationen hatten im Vorfeld des Treffens Regelungen zum Biosprit gefordert. Dagegen sperren sich aber große Produzentenländer wie die USA.

Die Lebensmittelpreise sind in diesem Jahr auf ein Rekordhoch geschossen. Das weckte Erinnerungen an die Jahre 2007 und 2008, als in mehreren Entwicklungsländern Hungerrevolten ausbrachen. Ungefähr eine Milliarden Menschen auf der Erde haben derzeit nicht genug zu essen.

"Ein unregulierter Markt ist kein Markt mehr, sondern eine Lotterie, in der die zynischsten Teilnehmer die besten Chancen haben anstatt dass Arbeit, Investition und die Schaffung von Werten belohnt würden", hatte Sarkozy zur Eröffnung des zweitägigen Gipfels am Mittwoch gesagt. Dagegen betonte die britische Landwirtschaftsministerin Caroline Spelman, dass die Rolle spekulativer Geschäfte nicht überschätzt werden dürfe.

kra/AFP/dpa

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