G-20-Treffen Agrarminister scheuen Regulierung von Rohstoffmärkten

Die Landwirtschaftsminister der G20 wollen gegen steigende Lebensmittelpreise vorgehen. Doch die Pläne sind sehr vage, auf eine Regulierung der Spekulation konnten sich die Vertreter der führenden Schwellen- und Industrieländer nicht einigen.


Brüssel - Die G20-Landwirtschaftsminister haben sich auf einen Aktionsplan geeinigt, um extreme Preisschwankungen bei Nahrungsmittelrohstoffen einzudämmen. Zu den beim Agrargipfel in Paris beschlossenen Maßnahmen gehört nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner der Aufbau eines Agrar-Markt-Informations-Systems (AMIS). Mit seiner Hilfe soll künftig schneller auf Preisanstiege bei Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen reagiert werden können. Auf eine konkrete Regulierung von Finanzgeschäften mit Agrargütern konnten sich die Minister dagegen nicht verständigen.

Die Datenbank, die Lagerbestände und landwirtschaftliche Produktion erfassen soll, galt unter den Agrarministern als umstritten. Privatbetriebe sollen ihre Informationen beispielsweise über Lagerbestände allerdings nur auf freiwilliger Basis zuliefern. Insbesondere Indien und China hatten sich dagegen gewehrt, ihre Bestände offenzulegen. Als Ergänzung des AMIS wird ein satellitengestütztes System geprüft, das wichtige Wetterdaten verfügbar macht und fundierte Vorhersagen erleichtert.

Die Regulierung war das große Streitthema beim ersten Gipfeltreffen der Minister. Frankreich, das noch bis Ende des Jahres den G20-Vorsitz innehat, macht sich für grundsätzlich härtere Regeln bei Derivate-Geschäften an den Rohstoffmärkte stark. So sollen Spekulationen begrenzt werden. Präsident Nicolas Sarkozy sieht darin den Hauptgrund für die extremen Schwankungen von Lebensmittelpreisen in den vergangenen Monaten. Großbritannien hält dagegen das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage für den entscheidenden Faktor. Eine Marktregulierung lehnt das Land, das mit London über den wichtigsten Finanzplatz Europas verfügt, deshalb ab.

Einigkeit bestand darin, die landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen und insbesondere in Krisenzeiten enger zusammenzuarbeiten. Exporte sollen im Fall von Hungersnöten nicht begrenzt werden. Außerdem sollen die Spekulationen an den Agrarmärkten stärker reguliert werden.

USA blockieren Debatte über Biosprit

Ein Thema, das die Minister weitgehend ausklammerten, war der vor allem aus Mais und Zuckerrohr hergestellte Biosprit. Laut der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) und der Welternährungsorganisation (FAO) wird 2020 30 Prozent der Zuckerrohrernte zu Biosprit verarbeitet. Hilfsorganisationen hatten im Vorfeld des Treffens Regelungen zum Biosprit gefordert. Dagegen sperren sich aber große Produzentenländer wie die USA.

Die Lebensmittelpreise sind in diesem Jahr auf ein Rekordhoch geschossen. Das weckte Erinnerungen an die Jahre 2007 und 2008, als in mehreren Entwicklungsländern Hungerrevolten ausbrachen. Ungefähr eine Milliarden Menschen auf der Erde haben derzeit nicht genug zu essen.

"Ein unregulierter Markt ist kein Markt mehr, sondern eine Lotterie, in der die zynischsten Teilnehmer die besten Chancen haben anstatt dass Arbeit, Investition und die Schaffung von Werten belohnt würden", hatte Sarkozy zur Eröffnung des zweitägigen Gipfels am Mittwoch gesagt. Dagegen betonte die britische Landwirtschaftsministerin Caroline Spelman, dass die Rolle spekulativer Geschäfte nicht überschätzt werden dürfe.

kra/AFP/dpa



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Niamey 23.06.2011
1. Regulierung der Rohstoffmärkte
Zitat von sysopDie Landwirtschaftsminister der G20 wollen gegen steigende Lebensmittelpreise vorgehen. Doch die Pläne sind sehr vage, auf eine*Regulierung der Spekulation*konnten sich*die Vertreter der führenden Schwellen- und Industrieländer nicht einigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770155,00.html
Na klar will da keiner vorpreschen, da sicher der eine oder andere Familie, Verwandte oder Bekannte hat die an einem ungezügelten anstieg def Preise ganz vorzüglich verdienen. Zwischenhändler im Agrarbereich gehören abgeschafft und verboten, da dort das meiste Geld hängen bleibt. Der Transportwahnsinn um die halbe Welt, der teuere Energie kostet, gehört verboten oder durch Zölle unmöjglich gemacht. Kleine Produktionen vor Ort und verbrauchernah sind die Zeichen der Zeit.
recando 23.06.2011
2. Spiel mit der Armut
Mit je mehr Geld, was in die Rohstoffmärkte fließt, desto mehr steigen die Preise. Es ist traurig zu sehen, wie Nationale interessen eine gerechtere Verteilung von Nahrungsmitteln verhindert. Was hat England denn noch außer Brittpop und dem Finanzzentrum in London groß zu bieten? Also wird fleißig mit dem Hunger in den Entwickungsländern verdient. Das China seine Reserven an Grundnahrungsmittel nicht preis geben möchte, wird wohl an weltmachtpolitischen Zielen liegen. Sie müßten eingestehen, das sie in diesem Punkt von der Welt abhänig sind, das sie nicht genug Lebensmittel produzieren, um ihr eigenes Volk zu ernähren. Und die USA steckt zu sehr in der Kriese als das es breit währe sich da irgend einer regulierung zu unterwerfen.
nixkapital 23.06.2011
3. Na ja...
Zitat von NiameyNa klar will da keiner vorpreschen, da sicher der eine oder andere Familie, Verwandte oder Bekannte hat die an einem ungezügelten anstieg def Preise ganz vorzüglich verdienen. Zwischenhändler im Agrarbereich gehören abgeschafft und verboten, da dort das meiste Geld hängen bleibt. Der Transportwahnsinn um die halbe Welt, der teuere Energie kostet, gehört verboten oder durch Zölle unmöjglich gemacht. Kleine Produktionen vor Ort und verbrauchernah sind die Zeichen der Zeit.
...in den Rohstoffmärkten landet das Geld, das durch das Zinseszins-System aus sich selbst wächst und ein neues Spielfeld sucht. Da wird dann wieder Geld gemacht, egal ob dadurch das Überleben für viele Menschen (zu) teuer wird. Dass die Regierungen den internationalen Gierlappen keinen Riegel vorschieben wollen, ist bezeichnend und zeigt, wie verrottet dieses System mittlerweile ist. Komisch auch, dass Unternehmen nur freiwiliig Beiträge leisten sollen (siehe auch Rettung Griechenlands) während normale Bürger ungefragt zur Kasse gebeten werden. Eine ganz offensichtliche und widerwärtige Kumpanei zwischen Politik und Wirtschaft.
karlgutknecht 23.06.2011
4. Was steht am Ende der Entwicklung?
Die Staaten der G20 konnten sich auch nicht einigen die ausufernde Finanzindustrie zu zügeln, das Ergebnis ist gerade wieder zu bestaunen. Könnte bald die schlimmste aller Visionen wahr werden, ein globaler Krieg, um Ressourcen und ein Befreiungsschlag gegen die Strangulation von Staaten durch Schulden, die nie wieder zu begleichen sind? Wie weit kann man einen Menschen eine Nation, einen Kontinent in die Ecke drängen? Wann wird die Wut größer als die Angst? Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, hat man dann nicht alles zu gewinnen?
weltoffener_realist 23.06.2011
5. Ohne Inhalt und dennoch interessant
Zitat von karlgutknechtDie Staaten der G20 konnten sich auch nicht einigen die ausufernde Finanzindustrie zu zügeln, das Ergebnis ist gerade wieder zu bestaunen. Könnte bald die schlimmste aller Visionen wahr werden, ein globaler Krieg, um Ressourcen und ein Befreiungsschlag gegen die Strangulation von Staaten durch Schulden, die nie wieder zu begleichen sind? Wie weit kann man einen Menschen eine Nation, einen Kontinent in die Ecke drängen? Wann wird die Wut größer als die Angst? Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, hat man dann nicht alles zu gewinnen?
Sie schreiben viel und sagen wenig aus. Was meinen Sie z.B. damit genau? Wie würden Sie das Schuldenproblem der verschuldeten Staaten denn lösen? Der Politik die Aufnahme von Krediten verwehren? Oder die Finanzindustrie dazu anhalten, Staaten auch ohne Bonitätsprüfung unbegrenzt Kredit zu gewähren? Ohne Aussage, aber schön geschrieben.
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