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15. Oktober 2011, 20:44 Uhr

G-20-Treffen

Wirtschaftsmächte pochen auf schnelle Lösung der Schuldenkrise

Auf dem EU-Gipfel in einer Woche muss eine Lösung für die Euro-Schuldenkrise präsentiert werden - das fordern die G20 von den Europäern. Finanzminister Schäuble versprach klare Maßnahmen. Umstritten bleibt eine stärkere Beteiligung des Internationalen Währungsfonds.

Paris - Die Deadline ist klar: Auf dem EU-Gipfel am kommenden Sonntag müssen die Euro-Länder eine umfassende und tragfähige Lösung der Schuldenkrise präsentieren - diese Erwartung machten die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ( G20) zum Abschluss ihres zweitätigen Treffens in Paris noch einmal deutlich.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich zuversichtlich: "Wir werden die Probleme in der Euro-Zone lösen, sagte Schäuble. Auch sein französischer Amtskollege François Baroin versicherte, die Ergebnisse des EU-Gipfels am 23. Oktober würden "entscheidend" sein.

Schon zuvor hatte Schäuble "klare Maßnahmen" angekündigt, um Ansteckungsgefahren in der europäischen Schuldenkrise einzudämmen. Dabei geht es neben einem Paket für Griechenland vor allem auch um Wege, die Banken mit zusätzlichem Kapital auszustatten.

In dem gemeinsamen Abschlusskommuniqué des G-20-Treffens heißt es: "Wir werden sicherstellen, dass die Banken angemessen kapitalisiert werden und ausreichende Kapitalzugang haben, um mit allen aktuellen Risiken fertigzuwerden."

Schäuble hatte zum Auftakt des Treffens auch eine zwangsweise Kapitalisierung der Banken nicht ausgeschlossen - obwohl sich die deutschen Geldhäuser entschieden gegen eine solche Maßnahme wehren.

Rolle des IWF bleibt umstritten

Umstritten ist bei den führenden Wirtschaftsmächten eine stärkere Beteiligung des Internationalen Währungsfonds ( IWF) an der Lösung der Euro-Krise. Hierfür machen sich Frankreich und mehrere Schwellenländer stark. "Der IWF wird eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen für von der Krise betroffene Länder vorbereiten", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Samstag in Paris.

Im Abschlusskommuniqué heißt es, der Fonds erhalte "die erforderlichen Mittel für seine systemischen Verantwortlichkeiten". Über eine etwaige Aufstockung der Mittel werde auf dem G-20-Gipfel Anfang November weiter verhandelt. Gegen eine solche Maßnahme sind Australien und Kanada. US-Schatzmeister Timothy Geithner sagte, man könne eine größere IWF-Rolle zwar unterstützen, Bedingung dafür sei aber, dass zunächst die Europäer selbst beherzter und effektiver gegen die Schuldenkrise vorgingen.

Auch Schäuble wiegelte ab: "Aus unserer Sicht gibt es derzeit keinen Bedarf für eine Erhöhung der IWF-Ressourcen", so der Bundesfinanzminister. Die Europäer müssten den wesentlichen Teil ihrer Aufgaben schon selber machen. Noch deutlicher stellte sich Bundesbankchef Jens Weidmann gegen die Initiative: "Es ist nicht vordringlich, auf internationaler Ebene neue Mechanismen zu schaffen und diese vorab großzügig mit Mitteln auszustatten."

Genau das will aber offenbar Lagarde. Schon nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank seien Vorsorgeinstrumente eingesetzt worden, sagte sie. "In diese Richtung arbeiten wir", so Lagarde. Damals profitierten Mexiko und Polen. Nun sollten wieder Vorsorgekredite Länder durch die Krise päppeln, die "wirtschaftlich gesund sind, aber in Schwierigkeiten geraten".

Die drei aufstrebenden Wirtschaftsmächte Brasilien, China und Indien haben ihre Bereitschaft zur Aufstockung des IWF bereits signalisiert. Sie fürchten besonders, die Schuldenkrise könne die globale Wirtschaft und damit ihre eigene Konjunktur treffen.

Nach dem EU-Gipfel kommen die G20-Staats- und Regierungschefs Anfang November im südfranzösischen Cannes zu ihrem Gipfel zusammen. Dabei geht es neben der Schuldenkrise auch um die Regulierung der Finanzmärkte und die Reform des Währungssystems.

hut/dapd/AFP/dpa

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