Handelskrieg USA streiten mit G20 über wichtige Formulierung

Vom Finanzministertreffen der G20 sollte eigentlich ein Aufruf ausgehen, Handelskonflikte beizulegen. Doch die Formulierung wurde gestrichen - offenbar auf Betreiben der US-Delegation.

Der US-Finanzminister Steven Mnuchin hat beim Treffen der G20-Finanzminister in Japan Differenzen mit seinen Kollegen
AP (Eugene Hoshiko)

Der US-Finanzminister Steven Mnuchin hat beim Treffen der G20-Finanzminister in Japan Differenzen mit seinen Kollegen


Der Handelsstreit zwischen den USA und China wird zur Zerreißprobe für die Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20).

Beim Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs am Wochenende im japanischen Fukuoka konnten sich die Teilnehmer nicht auf einen gemeinsamen Appell zur Beilegung der Differenzen einigen.

Wie aus G20-Kreisen verlautete, gelang nach schwierigen Gesprächen zwar doch noch eine Verständigung auf eine Abschlusserklärung. Diese unterscheidet sich allerdings deutlich von der ursprünglich geplanten Version.

In Fukuoka wurde hinter den Kulissen verbissen um die Wortwahl der gemeinsamen Abschlusserklärung gerungen, die am Sonntag veröffentlicht werden sollte. Darin wird nunmehr nur noch konstatiert, dass sich die "Handels- und geopolitischen Spannungen verschärft" hätten, wie es in G20-Kreisen hieß.

Gestrichen wurde hingegen dafür ein Satz, den man als Aufruf zur Beilegung des Konflikts zwischen China und den USA verstehen konnte: Ursprünglich sollte es heißen, dass die "dringende Notwendigkeit, die Handelsspannungen beizulegen", anerkannt werde.

Handelsstreit "ein echtes Risiko"

Die Änderung sei auf Betreiben der USA geschehen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Abschlusserklärung enthalte ferner nicht die - zuletzt vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geäußerte - Einschätzung, dass der Handelsstreit das globale Wirtschaftswachstum schwäche.

Diese Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und der G20-Mehrheit wurden beim Gipfel sehr deutlich: IWF-Chefin Christine Lagarde bezeichnete die angespannten Handelsbeziehungen in einem Interview mit der Zeitung "Nikkei" als "größtes" Hindernis für die Weltwirtschaft. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe ein "echtes Risiko", dass "diese globale wirtschaftliche Verlangsamung sich wegen Handelsspannungen in eine globale Wirtschaftskrise verwandeln könnte".

US-Finanzminister Steven Mnuchin hingegen spielte die Bedeutung des Konflikts herunter. Er glaube nicht, dass die Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und China ein Ergebnis der Spannungen sei. Gleichzeitig nannte er die US-Strafzölle gegen Peking eine "wirtschaftliche Chance für viele andere Länder".

"Es wird Gewinner und Verlierer geben", prophezeite Mnuchin. Sollte es aber eine Vereinbarung zwischen Washington und Peking geben, wäre das "eine sehr positive Sache für das Wirtschaftswachstum, für uns, für China, für Europa und den Rest der Welt".

Mit Spannung erwartetes Gipfeltreffen

Der Handelskonflikt zwischen China und den USA - den zwei größten Wirtschaftsmächten der Welt - hatte sich im Mai wieder massiv verschärft. Nachdem zuvor beide Seiten in einer Art fünfmonatigem Waffenstillstand immer wieder Verhandlungen geführt und Hoffnungen auf eine Einigung genährt hatten, zeigte sich US-Präsident Donald Trump unzufrieden und überzog China mit weiteren Strafzöllen.

Die Führung in Peking reagierte darauf mit ebenfalls neuen Abgaben auf US-Güter. Der Streit lastet bereits auf der Weltkonjunktur. An den Finanzmärkten kamen Rezessionsängste auf. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf einen neuen wichtigen Termin. Ende des Monats trifft Trump auf dem G20-Gipfel im japanischen Osaka mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping zusammen.

beb/Reuters/afp



insgesamt 20 Beiträge
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Weltaspirant 09.06.2019
1. Europas Verhalten in diesen Konflikt
Ich verstehe nicht, warum sich Europa nicht auf die Seite Chinas schlägt und abwartet, bis Europa an die Reihe kommt. Europa ist ja der Meinung, dass das Vorgehen von Trump Unrecht ist und Trump hat gedroht, sich im Herbst überlegen zu wollen, ob gegen die europäische Autoindustrie Strafzölle erhoben werden oder nicht. Das heisst: Ärger kommt auf jeden Fall auf Europa zu und wir spüren jetzt schon indirekt die Auswirkungen, die im Handelskonflikt mit China entstehen. Warum also abwarten? Wir könnten uns jetzt schon an die Seite Chinas schlagen und uns gemeinsam gegen dieses sinnlose Vorgehen stellen und hätten zudem die einmalige Chance, die Freundschaft mit China zu festigen und zu vertiefen, welches die Vormachtstellung der USA sowieso vernichten wird. Also lieber Gemeinsam statt Einsam!
frankfurtbeat 09.06.2019
2. der Passus ...
der gewünschte Passus wäre doch nicht das Papier wert. Wichtig und richtig das inzwischen auch Altmeier auf Russland zugeht. Wir brauchen die USA nicht wirklich, wir brauchen keine Abrechnung von Rohstoffen über den US$, wir brauchen keine Mächte welche den Planeten mit Kriegen überziehen um dann die Länder zu plündern.
steingärtner 09.06.2019
3. Mehr muss man nicht sagen
"Diese Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und der G20-Mehrheit wurden beim Gipfel sehr deutlich..." Und glaube niemand, dass liege an Trump. Auch beim nächsten Präsidenten wird das nicht anders.
birdie 09.06.2019
4. Die US-Regierung kennt nur 1 Strategie : ERPRESSUNG !
Wir lernen daraus, dass unsere Abwehrstrategie nur noch lauten kann : DAGEGENHALTEN ! Und zwar auf allen Feldern, die den US-Konzernen und ihren Produkten wirklich weh tun Und wenn als Folge des vom GröPaz gewollten und provozierten Handelskrieges die US-Konzerne in echte Schwierigkeiten kommen und sehr viele ihrer Mitarbeiter entlassen müssen, wird sich die pro Trump-Stimmung in den USA sehr schnell drehen. Dies gilt es jetzt in kleinen Schritten mit begleitender geschickter Diplomatie einzuläuten. Auch wenn der mit Intelligenz nicht gesegnete GröPaZ von einem Tobsuchtsanfall in den nächsten stolpern wird.
rloose 09.06.2019
5. Wie soll man das jetzt verstehen?
Da sagt Mnuchin einerseits eine Beilegung der Handelsstreitigkeiten wäre sehr positiv für die Weltwirtschaft, und dann weigert er sich die Dringlichkeit der Beilegung dieser Streitigkeiten in die Abschlußerklärung zu übernehmen. Mit anderen Worten, der amerikanischen Regierung liegt nichts am Wohlergehen weder der Welt noch der eigenen Wirtschaft.
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