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09. Juni 2018, 08:37 Uhr

Trump setzt auf Einigung bei G7-Gipfel

"Emmanuel war sehr hilfreich"

Nach dem ersten Tag des G7-Gipfels in Kanada scheinen die Fronten im Handelsstreit verhärtet. Doch Donald Trump und Frankreichs Präsident Macron nähren die Hoffnung auf ein doch noch versöhnliches Ende.

Der Streit um Strafzölle hat den ersten Tag des G7-Gipfels in Kanada schwer belastet. Es gebe weiter große Meinungsverschiedenheiten, berichteten Diplomaten nach den ersten Gesprächsrunden. Die Staats- und Regierungschefs selbst zeigten allerdings zumindest ein wenig Zuversicht.

"Die Dinge bewegen sich", kommentierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Verhandlungen mit den USA zum Thema Handel. Es habe bei einem ersten Gespräch der Gipfelteilnehmer eine sehr direkte und offene Diskussion gegeben, und er habe die "Bereitschaft auf allen Seiten gesehen, Übereinkünfte zu finden", sagte Macron.

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll nach Angaben von Mitarbeitern Macrons einen bilateralen Dialog zwischen den USA und der EU vorgeschlagen haben, der in den kommenden zwei Wochen auf fachlicher und politischer Ebene stattfinden soll.

Zu den G7 gehören neben den USA, Kanada und Deutschland die Länder Japan, Frankreich, Großbritannien und Italien. Zudem nehmen die EU-Spitzen an den Treffen teil.

Der Handelsstreit ist das Hauptthema des diesjährigen Gipfels. Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium haben bereits vor dem Treffen die Vertreter der sechs anderen Nationen erzürnt - und so die Gruppe der westlichen Industrieländer gespalten.

"Wir haben ein wirklich sehr gutes Verhältnis"

Während des Treffens im Tagungsort La Malbaie soll Trump die Zölle erneut verteidigt haben und anderen G7-Mitgliedern wie Deutschland hohe Handelsüberschüsse vorgeworfen haben. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe hingegen versucht, Trump Zahlen entgegenzuhalten, die für eine Wiederaufhebung der Zölle sprechen sollten.

Nach Angaben von Diplomaten bot Juncker zudem an, nach Washington zu reisen, um eine gemeinsame Analyse vorzubereiten und den Handelsstreit friedlich zu lösen. Die Idee sei von Trump positiv aufgenommen worden, hieß es.

Besonders interessant scheint das Verhältnis des US-Präsidenten zum französischen Staatschef Macron. Die beiden hatten im Vorfeld des Treffens auf Twitter gegeneinander gestichelt:

Am Freitag fand der US-Präsident jedoch wieder einmal warme Worte für den Franzosen: "Wir haben ein wirklich sehr gutes Verhältnis, sehr besonders", sagte Trump - und zeigte sich vorsichtig zuversichtlich, die Differenzen beim Handel beilegen zu können. "Wir arbeiten daran, und Emmanuel war hier sehr hilfreich", sagte Trump. "Es wird etwas geschehen. Ich denke, es wird sehr positiv sein." Das Gleiche, sagte Trump, gelte auch für das Freihandelsabkommen Nafta zwischen den USA, Kanada und Mexiko.

Trump glaubt nach eigener Aussage sogar an eine gemeinsame Abschlusserklärung. Andere Gipfelteilnehmer, unter ihnen die Bundeskanzlerin, hatten sich zuvor weniger zuversichtlich über das Zustandekommen eines üblichen gemeinsame Kommuniqués aller Gipfelteilnehmer geäußert. Als Option galt auch, dass es eine Gipfelerklärung ohne Beteiligung der USA geben könnte.

Hilfreich bei den weiteren Verhandlungen am Samstag könnte sein, dass der US-Präsident selbst nicht mehr dabei sein wird. Trump plant, schon nach dem Arbeitsfrühstück zum Thema Geschlechtergerechtigkeit vorzeitig abzureisen. Er wird direkt nach Singapur fliegen, wo er am Dienstag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu einem historischen Gipfel zusammentrifft.

stk/dpa/AFP/Reuters

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