Lebensversicherungen Garantiezins sinkt auf Rekordtief

Wer von 2017 an eine Lebensversicherung abschließt, bekommt nur 0,9 Prozent Verzinsung garantiert. Das Finanzministerium reagiert mit der Absenkung auf die anhaltenden Niedrigzinsen. Allianz & Co. sind vergrätzt.
Junges Pärchen am See: Altersvorsorge immer unrentabler

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Foto: Susann Prautsch/ dpa

Neukunden klassischer Lebensversicherungen müssen sich vom kommenden Jahr an auf einen weiteren Rückgang der garantierten Verzinsung einstellen. Der sogenannte Garantiezins soll zum 1. Januar 2017 auf 0,9 Prozent im Neugeschäft sinken - von aktuell 1,25 Prozent. Dies wolle das Bundesfinanzministerium per Verordnung festlegen, bestätigte ein Sprecherin. Versicherer kritisieren die Absenkung als zu stark und zu früh.

Der Garantiezins gilt seit Jahren als Verkaufsargument für den Altersvorsorge-Klassiker Lebensversicherung. Er bestimmt, welche Rendite Lebensversicherer ihren Kunden maximal versprechen dürfen. Da es wegen der anhaltenden Niedrigzinsen immer schwieriger wird, diese zu erwirtschaften, wurde der Garantiezins schon mehrfach gesenkt.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) kritisierte die Absenkung auf 0,9 als zu weitgehend. Im Branchenschnitt erzielten Lebensversicherer bei der Neuanlage 2015 eine deutlich über dem Höchstrechnungszins liegende Verzinsung von mehr als zwei Prozent. Zudem wäre eine Anpassung zum 1. Januar 2017 zu kurzfristig, da die Unternehmen ihre Produkte neu kalkulieren müssten.

Signal an die Lebensversicherer, noch vorsichtiger zu kalkulieren

Mit der weiteren Anpassung der vorgegebenen Höchstgrenze für langfristige Zinsversprechen der Unternehmen werde auf die anhaltende Niedrigzinsphase reagiert, hieß es dagegen im Bundesfinanzministerium. Sie spiegele auch die aktuellen Marktverhältnisse wider. Zugleich setze die Senkung unter ein Prozent ein klares Signal, dass Lebensversicherer ihre Rückstellungen noch vorsichtiger kalkulieren müssten.

Europas größter Versicherer Allianz teilte mit, man biete die klassische Lebensversicherung mit Garantiezins zwar weiterhin an, könne sie aber "angesichts höherer Rendite-Chancen bei anderen Vorsorgekonzepten nicht empfehlen". Neun von zehn Kunden favorisierten beim Abschluss neuer Verträge mittlerweile in der Altersvorsorge neue Produkte ohne Garantiezins, und nur noch zehn Prozent wählten eine klassische Lebensversicherung, sagte ein Sprecher von Allianz Deutschland.

Nach Einschätzung des Versicherers Generali hätte eine entsprechende Garantiezins-Absenkung kaum Auswirkungen auf das Unternehmen. In der privaten Altersvorsorge habe man sich von Garantieprodukten bereits verabschiedet, und in der betrieblichen Altersvorsorge gebe es andere Hebel wie geringere Vertriebskosten.

Finanzministerium ist konservativer als die DAV

Für Neuverträge liegt der Garantiezins seit 2015 bei 1,25 Prozent, davor betrug diese garantierte Rendite schon einmal vier Prozent. Für Altverträge mit einer Rendite von bis zu vier Prozent ändert sich nichts.

Mit einer Absenkung auf 0,9 Prozent ist das Finanzministerium konservativer als die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV). Diese hatte empfohlen, den Garantiezins für Neuverträge ab 2018 auf 1,0 Prozent zu senken und 2017 den Zins bei 1,25 Prozent zu belassen.

msc/dpa-afx/Reuters
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