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Anti-Kohle-Proteste im Rheinland Mehr als 8000 Klimaschützer demonstrieren am Tagebau Garzweiler

Am Tagebau Garzweiler im Rheinland haben Tausende Klimaschützer für einen schnelleren Kohleausstieg protestiert. Ein paar Hundert Aktivisten durchbrachen eine Polizeikette und stürmten auf das Gelände.

Der Tagebau Garzweiler südlich von Mönchengladbach hat sich an diesem Wochenende in eine Protestzentrale gegen den Braunkohleabbau verwandelt. Tausende junge Klimaschützer demonstrieren im rheinischen Braunkohlerevier für einen schnellen Kohleausstieg. Viele sind bereits seit dem frühen Morgen mit bunten Plakaten über die Dörfer gewandert oder mit dem Fahrrad gefahren, um sich mit anderen Gruppen zu Demonstrationen zu treffen.

Mehrere Hundert Aktivisten durchbrachen dabei am Samstag eine Polizeikette und drangen übers Feld in den Tagebau ein. Auf Internetvideos des Bündnisses "Ende Gelände" war zu sehen, wie die Demonstranten johlend und klatschend durch den Tagebau laufen. Die Polizei appellierte an die Frauen und Männer stehenzubleiben, es bestehe Lebensgefahr. Den Behörden zufolge erlitten mehrere Polizisten Verletzungen.

Die Klimaschutz-Initiativen "Fridays for Future", Umweltverbände wie Bund und Greenpeace, das Bündnis "Alle Dörfer bleiben!" und andere zivilgesellschaftliche Initiativen hatten zu Demos und Aktionen aufgerufen. Die Klimaschützer fordern einen schnelleren Kohleausstieg sowie ein strenges Klimaschutzgesetz und setzen sich dafür ein, dass der Hambacher Forst und die vom Braunkohleabbau bedrohten Dörfer im Rheinland erhalten bleiben.

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Anti-Kohle-Proteste: Kampf ums Klima

Foto: Marcel Kusch/ DPA

Rund 8000 Menschen haben den Veranstaltern zufolge an einer Großdemo teilgenommen, die unter dem Motto "Alle Dörfer bleiben! Aktionstag Kohle stoppen" in dem Dorf Keyenberg stattgefunden hat. Die Bewohner des Dorfes sollen für den Braunkohleabbau umgesiedelt werden. Die Demonstranten bildeten ein gelbes Band vor Keyenberg, "um sich so schützend vor den Ort zu legen", wie eine Sprecherin des Bündnisses sagte.

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" kündigte zudem für das gesamte Wochenende "Aktionen zivilen Ungehorsams" gegen den weiteren Kohleabbau an. Die Aktivisten planen etwa wie bereits in den Vorjahren Blockadeaktionen in den Tagebaugebieten. Seit Freitagabend besetzen rund 800 Aktivisten des Bündnisses bereits Schienen, über die normalerweise Kohle zum RWE-Kraftwerk Neurath gebracht wird.

Ebenfalls am Freitag hatten bereits junge Menschen aus 16 Ländern in Aaachen für das Klima demonstriert. Rund 35.000 bis 40.000 Aktivisten sollen an "Fridays for Future" zufolge teilgenommen haben. Die Bilanz der Stadtverwaltung von Aachen war "positiv", wie es auf Twitter hieß . Auch ein Sprecher der Polizei erklärte, man sei zufrieden, wie friedlich die Demonstrationen waren. Ein paar Demonstranten seien auf eine Brücke geklettert, um ein Banner aufzuhängen - sonst sei alles ruhig verlaufen.

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Am Samstag rückte die Polizei mit einem Großaufgebot im Rheinischen Revier zu einem Einsatz aus. Auch Räumpanzer und ein Wasserwerfer wurden am Rande des Tagebaus Garzweiler in Stellung gebracht. Klimaschützer berichten auf Twitter von Polizeiblockaden, auch Pfefferspray wurde offenbar gegen Aktivisten einzelner Gruppen eingesetzt.

Die Polizei meldete gegen Abend, dass Unbekannte den Schaltschrank einer RWE-Pumpstation in Mönchengladbach-Wanlo am Rand des Tagebaugebiets in Brand gesteckt hätten. Man gehe von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagte eine Sprecherin der Polizei. Möglich sei, dass das Feuer im Zusammenhang mit der Demonstration gelegt worden sei. Menschen kamen nicht zu Schaden, die Feuerwehr löschte den Brand.

Bereits am Freitagabend hatte den Angaben zufolge eine Pumpstation im nur wenige Kilometer entfernten Lützerath gebrannt. Auch hier vermutet die Polizei eine Brandlegung.

sop/mxw/dpa