Pipeline-Daten Gasflüsse aus Russland gehen zurück
Kompressor der Jamal-Pipeline in Belarus (2006)
Foto: Sergei Grits / APIn den Gasflüssen von Russland nach Deutschland gibt es deutliche Rückgänge. Nach Daten des Verbands europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (Entsog) sind die Lieferungen in mehreren großen Pipelines seit Montag deutlich gesunken.
In der etwa 4200 Kilometer langen Jamal-Pipeline, die von der sibirischen Jamal-Halbinsel bis nach Deutschland verläuft, brachen die täglichen Lieferungen an der belarussisch-polnischen Grenze bis zum Mittwoch regelrecht ein – von rund 52 auf rund 23 Millionen Kubikmeter.
In der rund 1200 Kilometer langen Nord-Stream-1-Pipeline, die vom russischen Wyborg ins deutsche Lubmin bei Greifswald führt, gingen die täglichen Lieferungen im selben Zeitraum von gut 171 auf etwa 157 Millionen Kubikmeter zurück.
Die täglichen Gasflüsse von Russland über ukrainische Pipelines nach Europa sanken ebenfalls – von etwa 94 auf rund 79 Millionen Kubikmeter.
Die Entsog korrigiert ihre Daten teils mit zweitägiger Verzögerung. Daher gelten aktuell nur die Werte bis Mittwoch als valide. Vorläufige Daten für Donnerstag und Freitag zeigen jedoch, dass die Lieferungen auch zum Ende der Woche weiter zurückgegangen sind.
Am Jamal-Einspeisepunkt an der belarussisch-polnischen Grenze kommt inzwischen fast gar kein Gas mehr an. Der Transport über sie steht, wie schon im Januar, fast komplett still . Auch die Lieferungen durch Nord Stream 1 sind weiter gesunken.
Die Versorgung in Europa scheint dadurch bisher nicht gefährdet zu sein. Die Rückgänge seien vor allem durch Kostenoptimierung der Gasgroßhändler zu erklären, heißt es im Umfeld der Entsog. Die Händler kauften aktuell weniger aus den Pipelines und bedienten sich stattdessen aus den Speichern. Das sei gerade schlicht günstiger. Es sei also die Nachfrage nach Pipelinegas gesunken – nicht das Angebot.
Nachprüfen lassen sich die Angaben nicht. Die Daten, welcher Händler wie viel Gas über die Pipelines abruft, sind nicht öffentlich.
Möglich ist aber, dass die Händler strategisch handeln: In Deutschland müssen die Speicher laut einem neuen Gesetz bis zum Beginn der Heizsaison zu 80 Prozent gefüllt sein. Etwaige Kosten sollen auf die Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt werden.