Interner Streit Weselsky schmeißt Vorgänger Schell aus GDL

Der Bahnstreik brachte Claus Weselsky Kritik ein - auch in den eigenen Reihen ist der GDL-Chef umstritten. Nun ist der Streit eskaliert: Manfred Schell und weitere Ex-Funktionäre müssen gehen. Angeblich wegen nicht gezahlter Beiträge.

GDL-Chef Weselsky und Vorgänger Schell (Archivbild): Streit eskaliert
DPA

GDL-Chef Weselsky und Vorgänger Schell (Archivbild): Streit eskaliert


Der interne Streit bei der Lokführergesellschaft GDL ist eskaliert. Der geschäftsführende Vorstand um Gewerkschaftschef Claus Weselsky hat gleich eine ganze Reihe früherer Top-Funktionäre aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Darunter ist auch Weselskys Vorgänger Manfred Schell, der die GDL bis 2008 geführt und den ersten eigenständigen Lokführertarif bei der Deutschen Bahn erkämpft hatte.

Auch die beiden ehemaligen Stellvertreter Weselskys, Sven Grünwoldt und Thorsten Weske, müssen die Gewerkschaft verlassen. Als Gründe nannte die GDL Beitragsrückstände in teilweise fünfstelliger Höhe und gewerkschaftsschädigendes Verhalten.

Hinter den Kulissen hatte es schon lange gebrodelt: Die Gewerkschafter hatten wiederholt Weselskys Konfrontationskurs kritisiert. "Weselsky hat mit seinen absurden Forderungen die GDL in eine Zwangslage gebracht, aus der es kaum einen Ausweg gibt", sagte Schell vergangenes Jahr im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Am Ende könnte die GDL nicht nur im Streit mit der Bahn verlieren. Der ehrbare Lokführer erleidet zudem einen Imageschaden wie nie in seiner Geschichte."

Schell, Grünwoldt und Weske sind zudem Teil der "Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL" oder publizierten auf deren Website. Der Zusammenschluss langjähriger GDL-Mitglieder kritisiert die Entscheidungsgremien der Gewerkschaft. Die Mitglieder könnten die aktuellen Ereignisse nicht mit ihren eigenen Wertevorstellungen in Einklang bringen, heißt es auf der Homepage der Initiative.

"Wer trotz mehrfacher Aufforderung seinen Beitragszahlungen nicht nachkommt, hat keinen Anspruch auf Mitgliedschaft. Dies gilt für jeden, ohne Ansehen der Person", sagte hingegen der amtierende GDL-Vize Norbert Quitter. Außerdem müssen auch die Ex-Funktionäre Volker Siewke und Dieter Kowalsky wegen gewerkschaftsschädigenden Verhaltens die GDL verlassen.

brk/dpa



insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Oldfever 31.08.2015
1.
Wenn "gewerkschaftsschädigendes Verhalten" einen GDL-Ausschluss nach sich zieht, muss Weselsky als ERSTER von Bord gehen. Denn er hat aus dem ehrbaren Lokführer von einst durch brachiale Machtpolitik eine Hassfigur gemacht.
garfield 31.08.2015
2.
Zitat von OldfeverWenn "gewerkschaftsschädigendes Verhalten" einen GDL-Ausschluss nach sich zieht, muss Weselsky als ERSTER von Bord gehen. Denn er hat aus dem ehrbaren Lokführer von einst durch brachiale Machtpolitik eine Hassfigur gemacht.
Ja, nur entscheiden dass nicht SIE als Außenstehender, was für eine Gewerkschaft schädigendes Verhalten ist, sondern die Mitglieder. Und ich wette, die bewerten ihren "harten Hund", der die Bahnführung bis auf ein paar Trostpreise auf ganzer Linie zum Einknicken brachte, ganz anders als Sie. Jetzt gibt es keine Lokführer zweiter Klasse mehr und die GdL schließt für alle ihre Mitglieder Tarifverträge ab, die ausdrücklich NICHT an die Abschlüsse der EVG gebunden sind - alles Selbstverständlichkeiten sollte man meinen, aber die in der Bahnführung haben eben ein wenig länger gebraucht, zu verstehen, was der Artikel 9 GG in Konsequenz bedeutet.
garfield 31.08.2015
3.
---Zitat von sysop--- Weselsky schmeißt Vorgänger Schell aus GDL ---Zitatende--- Na toll, da ist die reißerische Überschrift ja wieder mal gelungen. Eigentlich fehlte nur noch das Wort Diktator. Vielleicht hätte sich der Autor einfach mal den selbst gesetzten Link im Artikel durchlesen sollen, WER hier diese Leute rausgeschmissen hat. Das mit den Beiträgen kann ich nicht einschätzen, aber dass Schell es nicht ertragen konnte, dass Weselsky noch erfolgreicher ist als er damals, war mir schnell nach seinen Äußerungen im letzten Bahnstreik klar. Und dass er mit seinem im Artikel zitierten Satz voll daneben lag, wissen wir ja jetzt. Wer seiner Gewerkschaft so in den Rücken fällt, wo die Medien aus allen Rohren schossen, soll es EVG-Hansen gleich tun und bei der Arbeitgeberseite anheuern. Die Gewerkschaften waren lange genug zahm. Das Ergebnis ist die über 10 Jahre lange Rolle als Schlusslicht in der Reallohnentwicklung. Aber statt anderen mehr Lohn zu gönnen, beklatscht der Deutsche Michel lieber seinen Blechorden als Exportweltmeister, für den er sich im wahrsten Sinne des Wortes nichts kaufen kann.
go-west 31.08.2015
4. Es wird Zeit,
Gewerkschaften ihre heutigen Möglichkeiten zu nehmen, gerade bei solchen Vertretern wie diesem Herrn Weselsky. Was der mit der Bahn und deren Kunden machen konnte, ist definitiv nicht hinnehmbar. Jetzt zeigt er auch noch offen sein wahres Gesicht im Umgang mit internen Kritikern, die mehr Verantwortungsgefühl und weniger Profilneurosen haben wie er. Aber auch hier scheint der Sozialisierungshintergrund eine Rolle zu spielen...
erst nachdenken 31.08.2015
5. Ehrenhafter Held der tüchtigen Menschen!
Herr Weselsky ist einer der wenigen Gewerkschafter, die diese Bezeichnung noch verdienen. Dieser Mann hat die Hochachtung eines jeden Mitbürgers verdient - und das Bundesverdienstkreuz sowieso!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.