Studie zur Lohnentwicklung bis 2025 »Corona-Helden« werden beim Gehalt abgehängt

Zu Beginn der Pandemie klatschten viele für Pflegerinnen und Kassierer. Deren Gehälter entwickeln sich laut einer Prognos-Studie aber unterdurchschnittlich. Es drohen sogar reale Einkommensverluste.
Altenpflegerinnen mit Schutzausrüstung in einem Seniorenheim in Tübingen

Altenpflegerinnen mit Schutzausrüstung in einem Seniorenheim in Tübingen

Foto:

Sebastian Gollnow / DPA

Ausgerechnet diejenigen Berufe, die in der Corona-Pandemie kräftig gefordert sind, haben bei Gehaltserhöhungen langfristig das Nachsehen. Das zeigt eine Prognos-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zur Lohneinkommensentwicklung bis 2025. Während demnach den unteren Lohngruppen etwa in der Pflege oder im Einzelhandel in den nächsten Jahren gar reale Einkommensverluste drohen, vergrößern Beschäftigte mit eher hohen Gehältern ihren Vorsprung.

Konkret werden im Gesundheits- und Sozialwesen laut Studie 2025 die Bruttojahresverdienste rund 4400 Euro unter dem Durchschnittseinkommen liegen, im Einzelhandel sogar 10.200 Euro darunter.

Das Lohnwachstum in den Branchen hängt mit dem jeweiligen Produktivitätswachstum zusammen, teilte die Bertelsmann Stiftung mit: Beschäftigte mit Spezialwissen, in Branchen mit Tarifbindung und in kapitalintensiven Sektoren profitieren am stärksten.

In den arbeitsintensiven Branchen des Gesundheitswesens oder des Einzelhandels dagegen werde das Wachstum der Arbeitsproduktivität bis 2025 nur etwa halb so hoch ausfallen wie im verarbeitenden Gewerbe und der Chemie- und Elektroindustrie. Entsprechend geringer sei der Spielraum für Lohnerhöhungen.

Geringe Lohnzuwächse aber »frisst die Inflation auf«, sagte Torben Stühmeier, Studienleiter bei der Bertelsmann Stiftung. Bis 2025 wird das verfügbare reale Einkommen der unteren Einkommensgruppen demnach um etwa zwei Prozent zurückgehen, lautet die Prognose.

Die Bertelsmann Stiftung fordert daher, Produktivitätssteigerungen auch in den arbeitsintensiven Branchen »auf die Agenda zu rücken«. Die Digitalisierung von Abläufen und Dokumentationen etwa biete noch »reichlich produktivitätssteigerndes Potenzial«. Hiervon werden am Ende auch die Erwerbstätigen profitieren, so die Studie.

Der für den öffentlichen Dienst tariflich vereinbarte einmalige Corona-Bonus dagegen ändere an der Gesamtsituation nichts, erklärte Stühmeier. »Es lässt sich voraussagen, dass das Coronavirus bestehende Ungleichgewichte eher noch verschärfen dürfte.«

Denn besonders hart getroffen habe die Pandemie das Gastgewerbe und viele private Dienstleistungen. Hier arbeiten rund elf Prozent aller Beschäftigten, darunter überdurchschnittlich viele Frauen. Die Branchen, in denen sie arbeiten, bezahlen insgesamt auch vergleichsweise niedrige Löhne, und angesichts der wirtschaftlichen Situation dürfte in den nächsten Jahren wenig Luft für deutliche Lohnsteigerungen vorhanden sein. Zudem arbeiten Frauen deutlich häufiger in Teilzeit. Während Männer 2017 im Schnitt 37.500 Euro verdienten, kamen Frauen bislang nur auf 23.200 Euro. Diese Lücke wird sich der Studie zufolge bis 2025 um weitere 1800 Euro vergrößern.

Bei Alleinerziehenden kommt noch hinzu, dass sie noch weniger arbeiten. Ihr verfügbares Einkommen dürfte real um 0,1 Prozent pro Jahr sinken. Für die Elternteile bessere Fortbildungs- und für die Kinder bessere Betreuungsmöglichkeiten könnten hieran etwas ändern.

Zu den besonders begünstigten Gruppen zählen laut Studie dagegen Paare ohne Kinder. Ihr verfügbares Einkommen pro Kopf wird real um 2,6 Prozent auf 30.200 Euro steigen und liegt damit etwa 4000 Euro über dem Durchschnitt. Schon deutlich dahinter liegen Paare mit Kindern. Ihr reales verfügbares Einkommen wird pro Kopf nur leicht von 25.400 Euro auf 25.800 Euro steigen.

apr/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.