Geld für Staatsanleihen Zentralbank pumpt Euro-Staaten an

Die Schuldenkrise sorgt für finanzielle Nöte bei der Europäischen Zentralbank: Die EZB fürchtet herbe Verluste mit den aufgekauften Anleihen der Pleitekandidaten - und plant nun einem Agenturbericht zufolge die Euro-Staaten um mehr Geld anzupumpen.

EZB-Zentrale in Frankfurt: "Was ist, wenn die Anleihen um 30 Prozent weniger wert sind?"
DPA

EZB-Zentrale in Frankfurt: "Was ist, wenn die Anleihen um 30 Prozent weniger wert sind?"


Frankfurt - Die europäische Schuldenkrise zieht beängstigend weite Kreise: Selbst die sonst so stabile Europäische Zentralbank (EZB) scheint sich nun ernsthaft um ihre Liquidität zu sorgen - und will Insidern zufolge alle Euro-Staaten zu einer Aufstockung ihres Grundkapitalteils drängen.

"Hintergrund ist die Angst vor möglichen Verlusten durch die andauernden Anleihekäufe", sagte ein hochrangiger Notenbanker am Montagabend der Nachrichtenagentur Reuters. "Momentan kaufen wir zwar nur mit moderatem Tempo, aber was ist, wenn das Tempo anzieht und die Anleihen auf einmal um 30 Prozent weniger wert sind?" Auch die "Financial Times Deutschland" berichtet von entsprechenden Vorgängen.

Seit dem Frühling kauft die Zentralbank Staatsanleihen maroder Euro-Länder wie Griechenland, Irland und Portugal, um deren Refinanzierungsprobleme zu lindern. Die europäische Notenbank hat damit nicht nur ein Tabu gebrochen, sie hat dafür auch massive Kritik unter anderem von der Deutschen Bundesbank einstecken müssen. Doch die EZB sorgt sich offenbar sehr, dass ein Staat innerhalb der Währungsunion zahlungsunfähig wird. Inzwischen hat die Notenbank deshalb für den Anleihekauf gut 72 Milliarden Euro ausgegeben - alleine in der vergangenen Woche wurden Geschäfte über 2,7 Milliarden Euro abgewickelt.

Neuer Höhepunkt der Schuldenkrise

Am Montag war bekannt geworden, dass die Euro-Staaten mit einer Verschärfung der Krise rechnen und bereits an neuen Instrumenten zur Rettung maroder Staaten arbeiten. Der Hilferuf der Notenbanker in Frankfurt markiert jedoch einen neuen Höhepunkt in der Krise. Denn bislang hatten sich die Märkte darauf verlassen, dass die EZB in nahezu unbegrenzter Höhe Anleihen aufkauft, um die Währungsunion zu stützen. Jetzt aber brauchen die Notenbanker selbst mehr Geld.

Das Grundkapital der Zentralbank liegt derzeit bei 5,8 Milliarden Euro. Durch zahlreiche Hilfsmaßnahmen ist ihre Bilanz während der vergangenen dreieinhalb Krisenjahre aber auf fast 140 Milliarden Euro angeschwollen. Die Notenbanken der 16 Euro-Länder halten gut 70 Prozent am Kapital der EZB; andere EU-Länder wie Großbritannien, Schweden oder Dänemark, die nicht der Währungsunion beigetreten sind, den Rest. Den größten Teil, rund ein Fünftel, hatte bei der Gründung der EZB die Bundesbank und damit Deutschland eingezahlt.

Teuer für Deutschland

Brisant ist daher auch, dass Deutschland also im Falle einer Aufforderung durch die EZB besonders viel nachschießen müsste. Ein anderer Insider ergänzte, der angeforderte Nachschuss können bei Bedarf gestreckt gezahlt werden, um einzelne Zentralbanken - besonders von Problemländern wie Griechenland, Irland, Portugal und Spanien - nicht zu überfordern.

Zentralbanken haben verschiedene Möglichkeiten ihren Kapitalanteil bei der EZB aufzustocken: Sie können aus ihrer eigenen Bilanz Wertpapiere verkaufen, ihre Devisen- oder Goldreserven angreifen, Gewinne einbehalten oder bei ihrer Regierung um eine Kapitalspritze nachsuchen. Sollte die EZB eine Verdoppelung ihres Grundkapitals anstreben, müsste Deutschland beim gegenwärtigen Schlüssel rund eine Milliarde Euro nachschießen.

EZB und Bundesbank wollten sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur nicht äußern.

yes/Reuters



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
shokaku 14.12.2010
1.
Eigentlich recht witzig diesem Totentanz um den Euro beizuwohnen, wenn man nicht mitten drin stecken würde...
Realo, 14.12.2010
2. Logisch !
>>Brisant ist daher auch, dass Deutschland also im Falle einer Aufforderung durch die EZB besonders viel nachschießen müsste.
cosmo72 14.12.2010
3. Euro! Eine Erfolgsgeschichte!
Tja so gehts .... (http://video.google.com/videoplay?docid=-2537804408218048195#) da kauft man sich selbst die Schulden ab, und den Amis, und den Banken, und manipuliert die DM weg ... und dann.... Dann wird alles gut! Euro! Eine Erfolgsgeschichte! für die Eliten, für kurzfristige Strohfeuer in den Piigs - nur sie zahlen die Zeche, Rente wird nicht reichen, die gesundheitsversorgung auf minimalste beschränkt ... naja und Arbeit für die Kinder & Enkel ist dann auch schon lange bei der Sklavenwerkbank in China ... Danke allen EU Spinnern ... Ich hätte auch mit Grenze und DM friedlich mit meinen Nachbarn gelebt! *Zu recht fragt Gauweiler (im Printspiegel) wo das deutsche Gold ist, und wie die Bestände in London, Paris und New York sind, wann das letzte mal ein Beamter aus Deutschland dort gezählt hat ... * wir werden es noch brauchen, falls wir überhaupt noch Eigentümer sind!
fsiggi2 14.12.2010
4. EZB hat sich verzockt
Wer wie die EZB Junkbonds kauft, muss mit dem Totalausfall oder zumindest einem Teilausfall rechnen. Deshalb heißen solche Bonds ja Junkbonds, und solche Papiere sind nicht notenbankfähig. Die EZB hat ihre eigenen Regeln gebrochen, wohl wissend, dass damit ggf. hohe Verluste verbunden sind. Wenn die EZB sich verspekuliert hat, soll dafür natürlich wieder der Steuerzahler aufkommen, es wird immer absurder. Vielleicht sollte die Bundesrepublik den Pleitestaaten die EZB-Anteile ganz abkaufen, bis an der EZB nur noch solide Staaten beteiligt sind. Dann hätten wir den Nordeuro.
bleifuß 14.12.2010
5. Ab wann...
Zitat von sysopDie*Schuldenkrise sorgt für*finanzielle Nöte bei der Europäischen Zentralbank: Die EZB fürchtet*herbe Verluste*mit den*aufgekauften*Anleihen*der Pleitekandidaten - und plant nun*einem Agenturbericht zufolge die Euro-Staaten um mehr Geld anzupumpen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,734462,00.html
wohl endlich erkannt wird, daß das ganze ein Faß ohne Boden ist? bleifuß
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