Geldanlage Aktienfonds? Ja! Aber nicht für jeden Preis

In Niedrigzinszeiten ist der Kauf von Aktienfonds das Mittel der Wahl. Doch manche Banken langen bei den Gebühren richtig zu. Nutzen Sie Alternativen!
Börsenchart: Aktienfonds sind für viele eine völlig neue Welt

Börsenchart: Aktienfonds sind für viele eine völlig neue Welt

Foto: DPA

Der Kollege ist alles andere als ein Neuling auf den Finanzmärkten. Zwei Jahrzehnte lang hat er für ein renommiertes deutsches Finanzmagazin gearbeitet und privat auch in Aktien investiert. Jetzt wollte er erstmals Indexfonds für sich und seine Kinder ausprobieren. Er wandte sich an seine Hausbank, eine bekannte Großbank, und kaufte online einen Anteil eines bekannten Indexfonds auf dem weltweiten Aktienmarkt. Er wählte den db X-Tracker MSCI World. Kurswert rund 37 Euro. Er kündigte seinem Bankberater an, das wolle er künftig jeden Monat tun.

Verblüfft stellte er fest, dass ihm die Großbank für den Kauf des Anteils 20 Euro Provision in Rechnung stellte, und als er erbost den Kauf rückgängig machte, noch einmal 30 Euro Verkaufskosten. Am Ende hatte er 57 Euro ausgegeben und bekam knapp 7 Euro zurück. Da bekommt das Wort Negativzins eine ganz neue Bedeutung.

Der Kollege ist nicht allein mit dieser Erfahrung. Die Bankberater reden zwar in einem fort davon, dass in Niedrigzinszeiten der Kauf von Aktienfonds das Mittel der Wahl ist, um die Rendite des Ersparten zu steigern. Und die Experten betonen dann auch gleich alle, dass man eigentlich Indexfonds kaufen sollte. Wer das aber versucht, kann sein blaues Wunder erleben. Und wer sich dann die Kosten des dafür notwendigen Depots anschaut, fällt vom Stuhl.

Hohe Einkaufs- und Depotkosten sind nicht Gott gegeben

Einen Teil seiner Ersparnisse in Aktienfonds zu stecken, ist tatsächlich ein probates Mittel, um über lange Zeiträume die Rendite des angelegten Geldes zu erhöhen. Und für alle, die sich nicht intensiv mit dem Geldanlegen beschäftigen wollen, sind Indexfonds auf breit gestreute Indizes wie den MSCI World genau das Richtige.

Das heißt aber nicht, dass unsere Finanzdienstleister in Deutschland diese Fonds als Sparpläne leicht zugänglich machen würden. Und schon gar nicht heißt es, dass man die Fonds im Depot seiner Haubank günstig lagern könnte. Klassische Sparer von Tages- und Festgeld lernen beim Wertpapierkauf eine völlig neue Welt kennen. Statt kostenloser Konten und Centbeträgen für Überweisungen fallen dafür stolze Depotkosten und noch stolzere Preise für An- und Verkauf der Wertpapiere an.

Kunden können sich wehren. Hohe Einkaufskosten und hohe Depotkosten sind nicht Gott gegeben. Wir haben bei "Finanztip" mehrere Wertpapierdepots von Banken verglichen: Bei vielen Onlinebanken kostet die Verwahrung der Wertpapiere gar nichts und die Kaufkosten liegen unter zehn Euro. Bei der Stadtsparkasse München dagegen zahlt man beim Kauf von Wertpapieren für 5000 Euro 50 Euro Provision. Und für die Verwahrung dieser Papiere berechnet die Bank 30 Euro pro Jahr.

Viele Geldinstitute verkaufen zudem lieber aktiv gemanagte Fonds und langen mit einem Ausgabeaufschlag noch einmal richtig in die Taschen der Anleger: Dann kommen schon einmal 250 Euro extra für die Anlage von 5000 Euro dazu.

Nicht die Aktienfonds selbst sind für diese Halsabschneiderei verantwortlich, es sind manche Banken. Nutzen Sie die Alternativen.

  • Stecken Sie nicht alles Geld in Aktienfonds, je nach Risikoneigung tut es ein Anteil ab 20 Prozent. Aber stecken Sie einen Teil ihres frei verfügbaren Geldes langfristig in Aktienfonds.
  • Richten Sie ein Depot  nur bei günstigen Onlinebanken ein, die die Verwahrung Ihrer Fondsanteile kostenlos übernehmen.
  • Schauen Sie, dass auch Kauf und Verkauf bei der Bank nur wenig Gebühren kosten. Das spart über die Jahre schnell mehr als tausend Euro.
  • Wenn Sie regelmäßig einen kleineren Betrag, zum Beispiel 100 Euro, Monat für Monat mit einem Indexfonds  sparen wollen, schauen Sie, wo es ihn als kostenlosen Sparplan gibt.
  • Lassen Sie das Geld über einen längeren Zeitraum liegen. Kurzfristige Käufe und Verkäufe von Aktien sind Spekulation - und teuer.

Mein Kollege war ziemlich empört, als er mir von seiner Hausbank erzählte. Jetzt macht er einen neuen Anlauf mit einem Indexfonds-Sparplan, er weiß es nun besser. Ich bin gespannt, wie lange er noch bei seiner Bank bleibt.

Zum Autor
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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

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