»Gender-Pay-Gap« Firmen in der EU sollen Lohnunterschiede veröffentlichen

Die EU-Kommission will Unternehmen zwingen, ungleiche Löhne von Männern und Frauen transparent zu machen. Diskriminierte sollen Anspruch auf Entschädigung erhalten.
Frau vor EU-Flagge

Frau vor EU-Flagge

Foto: Virginia Mayo / AP

Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssen nach dem Willen der EU-Kommission künftig publik machen, wie viel Männer im Vergleich zu ihren Kolleginnen verdienen. Zudem soll Arbeitgebern verboten werden, Bewerberinnen und Bewerber nach ihrem vorherigen Einkommen zu fragen. Das geht aus einem Richtlinienentwurf der EU-Kommission hervor, der zu mehr Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt führen soll.

Eine Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen, der sogenannte Gender-Pay-Gap, existiert auch in Deutschland. Bei gleicher Tätigkeit und vergleichbarer Qualifikation bekamen Frauen im Jahr 2018 sechs Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen, wie aus Angaben des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Im europäischen Vergleich landet Deutschland einer Studie zufolge auf dem drittletzten Platz.

Der Entwurf der EU-Kommission sieht auch eine verpflichtende Untersuchung von Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung vor, falls bei einem Unternehmen eine Lohndifferenz von fünf Prozent oder mehr festgestellt wird. Diese soll nur dann nicht stattfinden, wenn der Arbeitgeber den Unterschied mit »objektiven, geschlechtsneutralen Faktoren« begründen kann. Zudem sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von Diskriminierung beim Lohn betroffen waren, Anspruch auf Entschädigung haben.

Der Richtlinienentwurf wird nun zwischen dem EU-Parlament und den EU-Ländern abgestimmt. Wenn die Institutionen die Richtlinie verabschiedet haben, müssen die EU-Regierungen diese innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umsetzen. Die Kommission ruft die Mitgliedstaaten zudem dazu auf, Sanktionen und Mindeststrafen für Verstöße festzulegen.

ssu/dpa
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