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23. Februar 2011, 14:23 Uhr

Generalstreik in Griechenland

Demonstranten wüten gegen das Sparprogramm 

Busse und Bahnen fallen aus, Fähren legen nicht mehr ab: Wegen eines landesweiten Streiks steht das öffentliche Leben in Griechenland still. Der Arbeitskampf richtet sich gegen das Sparprogramm der Regierung. In Athen kam es zu Ausschreitungen.

Athen - Zum elften Mal seit Einführung des radikalen Sparprogramms haben am Mittwoch landesweite Streiks das öffentliche Leben in Griechenland lahmgelegt. Busse in Athen standen ebenso still wie die Eisenbahn, von Piräus liefen keine Fähren zu den Ägäis-Inseln aus. Die Demonstranten wehren sich gegen das harte Sparprogramm und die Arbeitsmarkt-Reformen der griechischen Regierung.

An einer Kundgebung vor dem Parlament beteiligten sich mehr als 30.000 Demonstranten. Dabei lieferten sich einige von ihnen auch Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Dutzende Jugendliche warfen vor dem Parlament Steine und Brandbomben. Die Polizei versuchte, die Gruppen mit Tränengas, Blendgranaten und Schlagstöcken auseinanderzutreiben. Demonstranten flüchteten in Panik von dem Platz vor dem Parlament.

Auch die Fluglotsen legten für vier Stunden die Arbeit nieder, auf dem Athener Flughafen fielen mehr als hundert Flüge aus. Zudem wurden alle Behörden und Ministerien bestreikt. Viele Lehrer traten in den Ausstand. Wegen streikender Journalisten fielen die Nachrichten im Radio und Fernsehen aus.

Etliche Geschäfte in Athen hatten geschlossen, das Einkaufsviertel war fast ausgestorben. Durchs Zentrum der Hauptstadt trugen Menschen Transparente mit Sprüchen wie: "Es reicht - Den Preis der Krise soll das Großkapital zahlen" und "Hände weg von unseren Renten und Gehältern".

Gewerkschafter nennen Maßnahmen "brutal und unfair"

Die ersten Sparmaßnahmen hat die Regierung vor 13 Monaten ergriffen. Viele Beschäftigte haben in den vergangenen Monaten bis zu 20 Prozent ihres Einkommens verloren. Die Arbeitnehmer dürften nicht zu weiteren Opfern gedrängt werden, sagte Stathis Anestis von der größten griechischen Gewerkschaft GSEE. Die Bedingungen seien "brutal und unfair". Anestis zufolge waren am Mittwoch landesweit etwa 60 Demonstrationen geplant.

Griechenland hat mehr als 340 Milliarden Euro Schulden und konnte bislang nur mit Hilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem Bankrott gerettet werden. Die Regierung hat ein hartes Sparpaket zugesagt, um Finanzhilfen in der Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro von der EU und dem Internationalen Währungsfonds zu erhalten, die eine Staatspleite Griechenlands verhinderten.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte am Dienstagabend in Berlin dafür geworben, der Reformfähigkeit seines Landes zu vertrauen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dem hochverschuldeten Land Entlastungen in Aussicht gestellt.

jok/mmq/dpa/dapd

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