Pandemie-Sorgen Die Deutschen verlieren die Zuversicht

Die Krise setzt der »Generation Mitte« zu: Vielen Menschen im mittleren Alter brechen Einnahmen weg. Und die Bürger spüren: Das gesellschaftliche Klima wird rauer.
Foto: Aleli Dezmen / DEEPOL / plainpicture

Die Zuversicht ist weg, so lassen sich die Ergebnisse der »Generation Mitte«-Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach vielleicht am besten zusammenfassen. Einmal pro Jahr fühlen die Meinungsforscher im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) etwa tausend repräsentativ ausgewählten Bürgern auf den Zahn, und zwar in der Altersgruppe 30 bis 59 Jahre.

Die Ergebnisse sollen Aufschluss geben über die Stimmung in einer Bevölkerungsgruppe, die einerseits »mitten im Leben« steht, zugleich aber auch besonders hohen Belastungen ausgesetzt ist, sowohl im Berufsleben, als auch familiär, etwa durch die Erziehung von Kindern.

Angst vor Jobverlust und Abstieg

Das Pandemie-Jahr 2020 hat in dieser Gruppe tiefe Spuren hinterlassen. Nur noch 22 Prozent der Befragten blicken mit Optimismus dem kommenden Jahr entgegen, 2019 lag dieser Anteil noch mehr als doppelt so hoch (46 Prozent). Einer deutlichen Mehrheit (48 Prozent) geht es inzwischen deutlich schlechter als vor der Krise. Verbesserungen stellen gerade einmal zwei Prozent fest.

Mit großer Sorge betrachten viele Bürger vor allen Dingen die Entwicklung des gesellschaftlichen Klimas in Deutschland. Hoffnungen vom Frühjahr, die Pandemie könnte zu einem solidarischeren Miteinander führen, haben sich offenbar nicht erfüllt. Viele Befragte nehmen die Gesellschaft als zunehmend »verunsichert, ungeduldig, aggressiv und egoistisch« war, notieren die Studienautoren.

72 Prozent der Deutschen stellen laut Allensbach »mehr Ängste, mehr Verunsicherung« fest. 71 Prozent sagen, die Aggressivität habe zugenommen. 52 Prozent machen sich Sorgen, weil Egoismus um sich greife.

Zweifel an der Globalisierung

Gewachsen sind auch Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation und die Angst vor dem ökonomischen Abstieg. 23 Prozent haben akut Befürchtungen, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren – 2019 waren es noch 14 Prozent. Mehr als ein Viertel der Befragten hat bereits Einkommenseinbußen erlitten, weitere 13 Prozent rechnen damit.

Damit verbunden ist auch ein geschwundenes Vertrauen in die Stärke der deutschen Wirtschaft: 38 Prozent gehen davon aus, Deutschland werde ökonomisch eher zurückfallen im internationalen Wettbewerb.

Nur 31 Prozent gehen hingegen davon aus, Deutschland werde seine derzeit starke Position wohl halten können. Auffallend ist auch die gewachsene Skepsis gegenüber der Globalisierung, von der Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten stärker als viele andere Staaten profitiert hatte. Fast jeder Zweite gibt inzwischen an, die Globalisierung sei »zu weit getrieben« worden, heißt es in der Studie. Das deckt sich mit anderen Umfragen, wonach im Zuge der Corona-Pandemie erstmals mehr Bürger den freien Welthandel stärker als Risiko einschätzen, und nicht mehr als Chance.

Und: Trotz der zuletzt guten Nachrichten von mehreren Impfstoffentwicklern rechnet nur eine Minderheit mit einer Rückkehr zur Normalität innerhalb mehrerer Monate (22 Prozent). Die große Mehrheit richtet sich darauf ein, dass die Krise »noch länger dauert« (72 Prozent).

Für die Studie wurden im Oktober und November insgesamt 1047 Interviews mit repräsentativ ausgewählten Personen im Alter zwischen 30 und 59 Jahren geführt.

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