Genmais-Skandal Bauern stellen Strafanzeige

"Schlamperei", "Vertuschung": Niedersachsens Landwirtschaftsministerium gerät ins Kreuzfeuer der Kritik. Es hatte zu spät über den Fund von gentechnisch verändertem Saatgut informiert und damit die Aussaat nicht genehmigter Maispflanzen ermöglicht. Mehrere Bauern haben nun Strafanzeige gestellt.
Genmais: Ärger um Pflanze der Firma Pioneer

Genmais: Ärger um Pflanze der Firma Pioneer

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ dpa

Hannover - Mehrere Bauern haben wegen des Genmais-Skandals Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft in Stade gestellt. Der bei Stichproben gefundene Genmais sei in Europa nicht zugelassen und hätte von dem Saatgutkonzern aus Buxtehude nicht vertrieben werden dürfen, sagte der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (Abl), Georg Janßen, am Freitag. Auch die Politik habe wegen "der Verzögerung, der Schlamperei und der Vertuschung" Verantwortung zu übernehmen.

Beamte des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums hatten nach SPIEGEL-Informationen am 19. Februar festgestellt, dass eine Maissorte der Firma Pioneer gentechnische Verunreinigungen enthält. Dies wurde den Kollegen des Umweltministeriums aber erst gut zwei Monate später, am 27. April, mitgeteilt.

Da Mais als Sommergetreide gilt und bereits Mitte April bis Anfang Juni gesät wird, hat das Ministerium damit die Aussaat von nicht genehmigten Maispflanzen ermöglicht. Das Saatgut des Zuchtunternehmens Pioneer aus Buxtehude wurde laut Greenpeace-Recherchen auf rund 2000 Hektar in fünf Bundesländern ausgesät: in Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Bayern.

Die Pflanzen sollen vernichtet oder für Biogasanlagen verwendet werden. Der Schaden, der den betroffenen Landwirten durch die Vernichtung der bereits ausgesäten Maispflanzen entsteht, könnte in die Millionen gehen.

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) hatte am Donnerstag Vorwürfe zurückgewiesen, die Behörden hätten im Genmais-Skandal geschlampt und zu langsam gehandelt. Die Untersuchungsbehörden und die zuständigen Ministerien seien der Gesetzeslage entsprechend vorgegangen. Es habe keine bewusste Schlamperei gegeben, sagte Grotelüschen im niedersächsischen Landtag.

ssu/ddp
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