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Gentechnik-Streit Verbraucherschutzbehörde informiert US-Biotechfirma über Gentechnik-Gegner

Staatliche Verbraucherschützer haben sich mehrere Jahre mit einem US-Biotech-Unternehmen per Mail ausgetauscht. Die deutschen Beamten informierten die Firma Cibus auch über »Kampagnen« von Gentechnikgegnern.
aus DER SPIEGEL 37/2021
Cibus-Labor in San Diego

Cibus-Labor in San Diego

Foto:

Sandy Huffaker / Cibus

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat sich ungewöhnlich kooperativ gegenüber einem US-amerikanischen Industrieunternehmen verhalten. Eine Informationsabfrage der Umweltorganisation Greenpeace hat ergeben, dass die Behörde jahrelang in Kontakt mit der Biotech-Firma Cibus stand, die ihren mit Gentechnik gezüchteten Raps nach Europa bringen will.

Das BVL beschied zuerst, dass es sich bei der Pflanze nicht um einen Gentechnik-Organismus handle, weil die betreffenden genetischen Veränderungen auch spontan oder durch herkömmliche Züchtung hätten entstehen können. 2018, nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, musste das Amt diese Einschätzung zurücknehmen.

In den folgenden Jahren hielt das BVL engen Kontakt zu Cibus und diente sich auch als Hinweisgeber für die US-Firma an. In Mails aus dem vergangenen September wies das BVL die Firma etwa darauf hin, dass Gentechnikgegner ein Verfahren entwickelt hätten, wie Cibus-Raps nachzuweisen sei. Das Amt fragte zudem, ob die Amerikaner »einverstanden« seien, wenn man eigene Untersuchungen dazu veröffentlichen würde.

Im April dieses Jahres informierte das BVL Cibus dann über eine angeblich »neue Kampagne« des »Vereins Lebensmittel ohne Gentechnik«. Dieser hatte die gentechnikkritischen Wissenschaftler bei der Entwicklung des für Cibus unbequemen Nachweisverfahrens unterstützt.

»Eine derartige Hörigkeit gegenüber der Industrie von einer Behörde, die zum Konsumentenschutz gegründet wurde, ist absurd«, teilt Greenpeace mit. Das BVL begründet den engen Kontakt zu Cibus mit seinem Beratungsauftrag und dem Bedarf an wissenschaftlichen Unterlagen, die für das laufende Nachweisverfahren benötigt würden.

nkl
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