Geplatzte Milliardenhilfen Investoren strafen Ungarn ab

Die Gespräche über neue Milliardenhilfen für Ungarn sind vorerst geplatzt - jetzt breitet sich Unruhe an den Finanzmärkten aus: Die Landeswährung Forint büßt deutlich an Wert ein, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen steigen. Auch im Nachbarland Österreich fallen die Kurse.

Budapester Parlament: Geplatzte Rettungsgespräche sorgen für Unruhe an der Börse
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Budapester Parlament: Geplatzte Rettungsgespräche sorgen für Unruhe an der Börse


Wien/Budapest - Die Aktienmärkte in Wien und Budapest sind am Vormittag stark unter Druck geraten. Grund ist ein Streit zwischen dem Internationalen Währungsfonds, der EU und Ungarn über den Sparkurs des osteuropäischen Landes.

Bei dem Streit geht es um die Auszahlung der nächsten Rate eines Ende 2008 zugesagten Notkreditpakets in Höhe von 20 Milliarden Euro von IWF und EU. Der IWF verlangt im Gegenzug für das Geld, dass Ungarn sein diesjähriges Budgetdefizit auf 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) begrenzt - und 2011 dann auf die für den Beitritt zur Euro-Zone gültige Obergrenze von 3,0 Prozent.

Damit Ungarn dieses Ziel erreicht, verlangen EU und IWF von dem Land zusätzliche Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushalts. Ungarns Wirtschaftsminister Gyorgy Matolcsy erklärte jedoch am Montag, dies komme nicht in Frage. Die Gespräche seien gescheitert. "Wir haben gesagt, dass keine weitere Sparpolitik betrieben werden kann", sagte der Wirtschaftsminister dem Sender "HirTV" am Montag in Budapest. Die Regierung befürchte, die Wirtschaftserholung könne durch einen noch rigideren Sparkurs belastet werden.

Bis es eine Lösung in dem Streit gibt, erhält Ungarn keine Hilfsgelder mehr. IWF und EU hatten am Samstag die Gespräche über die Auszahlung von rund 25 Milliarden Dollar unterbrochen.

Matolcsy kündigte gegenüber dem TV-Sender CNBC an, dass die Gespräche mit beiden Organisationen getrennt fortgesetzt würden - und er hoffe, dass man sich später noch einigen werde. Die Verhandlungen könnten im September fortgesetzt werden.

Forint verliert deutlich

An den Finanzmärkten lösten die geplatzten Verhandlungen dennoch Unruhe aus: Die Landeswährung Forint büßte zum Dollar 2,7 Prozent an Wert ein. Der ungarische Aktienmarkt rutschte zur Eröffnung um mehr als vier Prozent ab. Der lokale Bankenindex fiel um mehr als acht Prozent. Ungarische Staatsanleihen wurden abgestoßen, so dass die Zinsen darauf zwischen 20 und 25 Basispunkte nach oben schnellten.

Auch in Österreich, das traditionell stark mit Mittel- und Osteuropa verflochten ist, fielen die Kurse. Die neuerlichen Probleme Ungarns führten zu einem erneuten Ansteigen der Kreditausfallversicherungen (CDS) auf österreichische Staatsanleihen. Aktien von Erste Bank und Raiffeisen International verbilligten sich deutlich. Beide Titel belasteten auch den Leitindex ATX, der zeitweise 1,4 Prozent tiefer lag.

Österreichs Banken gehören zu den großen Kreditgebern in Osteuropa. Verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation der Region, schlägt sich dies automatisch in ihren Büchern nieder, und sie müssen höhere Vorsorgen für faule Kredite treffen.

ssu/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
nixkapital 19.07.2010
1. Im Würgegriff des Kapitals...
Zitat von sysopDie Gespräche über neue Milliardenhilfen für Ungarn sind vorerst geplatzt - jetzt breitet sich Unruhe an den Finanzmärkten aus: Die Landeswährung Forint büßt deutlich an Wert ein, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen steigen. Auch im Nachbarland Österreich fallen die Kurse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,707242,00.html
So etwas nennt man schlicht Erpressung. Hut ab vor dem Finazminister, der sich dem Spar-Diktat von außen nicht beugt. Ich hoffe für Ungarn, dass sie langfristig auf das IWF-Geld verzichten können. Das hätte Signal-Wirkung für andere Staaten, die vom IWF gegängelt werden, damit der neo-Liberalismus auch noch in die letzte Nische Einzug halten kann.
berlin_rotrot, 19.07.2010
2. falsche Richtung
Zitat von nixkapitalSo etwas nennt man schlicht Erpressung. Hut ab vor dem Finazminister, der sich dem Spar-Diktat von außen nicht beugt. Ich hoffe für Ungarn, dass sie langfristig auf das IWF-Geld verzichten können. Das hätte Signal-Wirkung für andere Staaten, die vom IWF gegängelt werden, damit der neo-Liberalismus auch noch in die letzte Nische Einzug halten kann.
Griechenland wirft man soviel Kohle hinterher und die Unagrn werden doppelt erpresst! Ich bin fast jedes WE in Budapest und die Preissteigerungen der letzten 12 Monate für Benzin wäre ungefähr so als würden man in Deutschland den Spritpreis von 1,40 auf 1,80 anheben! Die Leute haben einfach kein Geld mehr! Was verdient man in Ungarn? 500€ Netto sind normaler Durschnitt! Verliert man seine Arbeit gibt es für drei!! 3 Monate ca. 320 Euro Netto Arbeitslosengeld. Danach nur noch 160 Euro Sozialhilfe! Erstmal schaffen wir in Deutschland Hartz4 ab (so wie das hohe Sozialniveau in Ganz Westeuropa!) dann verlangen wir von den Ungarn noch weitere Sparmaßnahmen! Grüsse, Berlin RotRot
sic tacuisses 19.07.2010
3. Hut ab vor was ??
Zitat von nixkapitalSo etwas nennt man schlicht Erpressung. Hut ab vor dem Finazminister, der sich dem Spar-Diktat von außen nicht beugt. Ich hoffe für Ungarn, dass sie langfristig auf das IWF-Geld verzichten können. Das hätte Signal-Wirkung für andere Staaten, die vom IWF gegängelt werden, damit der neo-Liberalismus auch noch in die letzte Nische Einzug halten kann.
Dieser Finanzminister macht exakt das gleiche wie "unsere" griechischen Mit - EU - Bürger: Warten bis es knallt und dann dem Rest - Europa klar machen, dass da bitteschön bezahlt werden muß. Sonst gehen halt die Ungarn - Kredite unserer Banken baden. Ist doch nach der Massenverarsche in Europa logisch. Wer´s noch immer nicht begriffen hat ist selbst schuld.
johny walker 19.07.2010
4. -
Zitat von nixkapitalSo etwas nennt man schlicht Erpressung. Hut ab vor dem Finazminister, der sich dem Spar-Diktat von außen nicht beugt. Ich hoffe für Ungarn, dass sie langfristig auf das IWF-Geld verzichten können. Das hätte Signal-Wirkung für andere Staaten, die vom IWF gegängelt werden, damit der neo-Liberalismus auch noch in die letzte Nische Einzug halten kann.
Signalwirkung? Zum IWF wenden sich solche Klienten die sonstwo kein Geld mehr bekommen. Das Ganze hat nichts mit Neoliberalismus sondern mit Missmanagement zu tun. Gelegentlich sollte man die ideologischen Scheuklappen ablegen, sonst kapiert man die Dinge nicht.
Revisionist 19.07.2010
5. 1956
Zitat von sysopDie Gespräche über neue Milliardenhilfen für Ungarn sind vorerst geplatzt - jetzt breitet sich Unruhe an den Finanzmärkten aus: Die Landeswährung Forint büßt deutlich an Wert ein, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen steigen. Auch im Nachbarland Österreich fallen die Kurse. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,707242,00.html
Die Ungarn haben 1956 bewiesen, daß man mit ihnen nicht alles machen kann. Das haben die ungarischen "Eliten" nicht vergessen.
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