Studien Ungleichheit der Einkommen stagniert auf hohem Niveau

Nähern sich Arm und Reich im Aufschwung einander an? Nein, ist das Ergebnis zweier neuer Studien. Die Einkommensungleichheit stagniere auf hohem Niveau.

Minijob Putzen: Ungleichheit bei Einkommen wird nicht weniger
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Minijob Putzen: Ungleichheit bei Einkommen wird nicht weniger


Berlin - Zwei neue Studien beschäftigen sich mit der Verteilung von Einkommen in Deutschland, und beide kommen zu dem Ergebnis, dass die Ungleichheit immer noch deutlich höher ist als vor zehn oder zwanzig Jahren. Auch der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung und zahlreiche andere Studien erkennen das als Tatsache an - allerdings, so hieß es häufig, sei die Ungleichheit nach dem Höhepunkt im Jahr 2005 wieder leicht zurückgegangen. Dem widersprechen Studien des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden.

Laut DIW ist nicht nur die Annäherung gestoppt, sondern auch die Einkommensmobilität, das heißt der Auf- oder Abstieg einzelner Personengruppen in der Einkommenshierarchie, seit der Wiedervereinigung deutlich zurückgegangen: "Die Chance, dem Armutsrisiko zu entkommen, ist in den vergangenen Jahren um zehn Prozentpunkte auf 46 Prozent gesunken", sagt DIW-Forscher Markus Grabka. Die Ungleichheit der verfügbaren Haushaltseinkommen und das Armutsrisiko verharren auf einem hohen Niveau.

Dem WSI zufolge hat der Abstand zwischen hohen und niedrigen Löhnen seit 2007 sogar zugenommen. Die Armutsquote sei seitdem kontinuierlich gestiegen, schreiben die WSI-Forscher. Dazu komme, dass nur noch das reichste Viertel der Haushalte in Deutschland langfristig sparen könne. Vor allem die ärmere Hälfte der Bevölkerung kann offensichtlich deutlich weniger zurücklegen als Anfang der neunziger Jahre. Dadurch sinkt der ohnehin nur geringe Anteil der Ärmeren an den Vermögenseinkommen. "Auch eine private Altersvorsorge ist so kaum möglich", warnen die WSI-Experten.

Beide Studien stützen ihre Aussagen zu den Löhnen auf das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), einer Befragung von mehr als 12.000 Haushalten. Demnach haben sich die verfügbaren Haushaltseinkommen in den Jahren 2000 bis 2011 sehr unterschiedlich entwickelt: Die Einkommen der obersten zehn Prozent sind um 13 Prozent gewachsen, auch in den Stufen darunter legten die Einkommen um drei bis vier Prozent zu. Die untersten vierzig Prozent mussten dagegen Einkommensrückgänge von bis zu fünf Prozent hinnehmen.

Dass die Einkommensungleichheit seit 2011 offenbar wieder zunimmt, liegt den Studien zufolge vor allem an den wieder steigenden Kapitaleinkommen. Während der weltweiten Wirtschaftskrise seit 2008 waren die Gewinne auf Kapitalanlagen gering - jetzt wachsen sie wieder. Weil davon vor allem Gutverdiener profitieren, wächst auch der Abstand zwischen reich und arm weiter, was sich auch bei den Vermögen zeigt: Geld und Besitz sind in Deutschland sehr ungleich verteilt.

nck

insgesamt 34 Beiträge
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indigophil 13.11.2013
1. Nein, alles ganz falsch!
So geht das nicht! Das Einkommen der Armen geht zurück und nur die Reichen werden immer reicher? Das ist auf jeden Fall falsch, weil es nicht sein darf. Dieser Artikel und vor allem die Studien müssen unbedingt nochmal durch einige Politker überarbeitet werden! Da gibt es noch zu viele unangenehme Sätze. Was die Leute sich bei sowas denken, unverantwortlich!
einwerfer 13.11.2013
2. Na, das ist ja prima
denn wie 'Deutschlands klügster Professor' (BILD) Sinn sagt, belebt Ungleichheit den Wettbewerb und schafft neue Arbeitsplätze. So haben dann auch gering Qualifizierte ein Chance als Selbständiger Schuhputzer für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Blaumilchvor, 13.11.2013
3. Daran sind auch die Gewerkschaften mitverantwortlich!
Prozentuale Erhöhungen z.B. in den Tarifverträgen begünstgen das auseinanderdriften der Armen-Reichen-Schere schon seit Jahrzehnten! Hier ist drigender Handlungsbedarf geboten. Die Gewerkschaften müssten hier dagegensteuern und Festbeträge aushandeln. Das seit Jahren bekannte Problem wird aber immer wieder auf die lange Bank geschoben! Interessant auch, die welche durch Streiks dann in den Genuss höherer Bezüge kommen als die Geringverdiener unten, sind in der Nahrungskette ganz Oben, auf den Veranstaltungen und Streikveranstaltungen für mehr Lohn sind sie aber kaum zu sehen. Es sind genau diese Leute die die Argumente "das bringt doch nichts" in die Runde streuen, die erzielten Erhöhungen der Tarifverträge nehmen Sie aber dann doch ganz ohne Mullen und Knullen an und mussten nicht einen Handstreich tun außer blöd rumlabbern! Noch schlimmer trift es natürlich die Nichtorganisierten, die dürfen "ihr Maul" wie man bei uns sagt "an`s Tischeck hinhauen"...der Schnabel bleibt ihnen schön trocken...
mirror@13 13.11.2013
4. richtig so
Zitat von einwerferdenn wie 'Deutschlands klügster Professor' (BILD) Sinn sagt, belebt Ungleichheit den Wettbewerb und schafft neue Arbeitsplätze. So haben dann auch gering Qualifizierte ein Chance als Selbständiger Schuhputzer für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Wie mahnen doch ernst die Wirtschaftweisen: Rückwärts nie mehr, Vorwärts immer !
abseitstor 13.11.2013
5. Gelungene Überschrift!
Zitat von sysopDPANähern sich Arm und Reich im Aufschwung einander an? Nein, ist das Ergebnis zwei neuer Studien. Die Einkommensungleichheit stagniere auf hohem Niveau. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gerechtigkeit-schere-zwischen-reich-und-arm-schliesst-sich-nicht-a-933343.html
Glückwunsch zu dieser Überschrift. Zwei Fremdwörter den und den Leser zweimal zum Um-die-Ecke-Denken zwingen. Auf der Journalistenschule gäbe das bestenfalls einen 4-.
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