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12. November 2014, 17:26 Uhr

Buchrechte des Ex-Kanzlers

Schröders Millionen-Deal mit Maschmeyer

Aus einer Million Euro werden plötzlich zwei: Ex-Kanzler Schröder soll vom früheren AWD-Chef Maschmeyer etwa doppelt so viel für seine Buchrechte bekommen haben wie bisher bekannt. Das berichtet das Magazin "Stern".

Hamburg - Was haben Gerhard Schröder, Carsten Maschmeyer und die Riester-Rente miteinander zu tun? Womöglich viel. Das legen neue Informationen des Magazins "Stern" nahe. Demnach zahlte der Unternehmer und Profiteur der Riesterrente Maschmeyer dem SPD-Politiker Gerhard Schröder rund zwei Millionen Euro statt der bisher bekannten eine Million für seine Buchrechte.

Die Zahlung fand statt, als Maschmeyer Chef des umstrittenen Finanzvertriebs AWD war. Schröder war als Bundeskanzler abgewählt. Es ging bei dem Geschäft laut Unterlagen um die Rechte an der Autobiografie des früheren Bundeskanzlers. Im Oktober 2006 erschienen Schröders Memoiren unter dem Titel "Entscheidungen".

Schröder wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht zu dem Bericht äußern.

Eine Sprecherin von Maschmeyer erklärte die Differenz auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit dem Unterschied zwischen Brutto- und Nettohonorar. Von den zwei Millionen Euro Honorar sei Gerhard Schröder nach Steuern rund eine Million Euro geblieben.

Den Vorgang, dass Carsten Maschmeyer ihm die Buchrechte ab- und anschließend weiterverkaufte, brachte der SPIEGEL im Jahr 2011 ans Licht. Damals hieß es allerdings, Maschmeyer habe Schröder rund eine Million Euro bezahlt. Maschmeyer äußerte sich zwar seinerzeit zu dem Vorgang, dementierte diese Summe jedoch nicht. Vergangenen Dezember bestätigte er sie in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Wollte Maschmeyer Schröder für die Riester-Rente danken?

Das Pikante an dem Vorgang jedoch ist weniger die frühere Aussage, sondern dass sich Maschmeyer und Schröder schon zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung besonders nahe kamen, wie der "Stern" auf Basis vertraulicher Dokumente schreibt. Der Kanzler und der Vorstandsvorsitzende des früheren AWD mischten demnach Privates mit Geschäftlichem. Maschmeyer soll laut "Stern" seine Beziehung zum damaligen Bundeskanzler genutzt haben, um sich an allerhöchster Stelle immer wieder für eine Reform der Riesterrente einzusetzen. Die Reform kam dann tatsächlich und fiel zur Zufriedenheit Carsten Maschmeyers aus. Der AWD-Chef wähnte sich auf einer "Ölquelle", die sprudeln werde.

Die Gespräche über das "Buchgeschäft" begannen, das sollen laut "Stern" die Dokumente zeigen, schon im Sommer 2005. Gerhard Schröder steckte da als Spitzenkandidat der SPD gerade im Bundestagswahlkampf.

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