Geringeres Defizit US-Bankenrettung kostet weniger als erwartet

Mehr Steuereinnahmen, weniger Geld für Banken: Das Haushaltsdefizit der USA ist in den vergangenen Monaten laut "Washington Post" um acht Prozent gesunken - dennoch dürfte das Minus die Billionengrenze im Gesamtjahr überschreiten.

Eingang von Goldman Sachs: Institute haben bislang 181 Milliarden Dollar zurückgezahlt
DPA

Eingang von Goldman Sachs: Institute haben bislang 181 Milliarden Dollar zurückgezahlt


Washington - Die US-Wirtschaft erholt sich zunehmend. Banken brauchen weniger staatliche Hilfe, und Unternehmen erwirtschaften wieder mehr. Das wirkt sich positiv auf den US-Haushalt aus: Das Etatdefizit des Landes ist in den ersten sechs Monaten des Fiskaljahres massiv gesunken. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging das Minus um acht Prozent zurück, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf hochrangige Regierungsvertreter.

Ursache sei insbesondere, dass die Bankenrettung deutlich günstiger sei als bislang gedacht. Auch nehme der Staat wieder mehr Steuern ein. Falls dieser Trend anhält, wird das Haushaltsdefizit der Zeitung zufolge im Gesamtjahr 1,3 Billionen US-Dollar betragen - rund 300 Milliarden weniger als von der US-Regierung vor zwei Monaten veranschlagt.

Neue Schätzung für das Gesamtjahr im Sommer

Am Montag hatte das US-Finanzministerium bereits darauf hingewiesen, dass die Banken inzwischen insgesamt 181 Milliarden Dollar an staatlichen Beihilfen zu ihrer Rettung zurückgezahlt hätten. Außerdem seien die Schätzungen für die Gesamtkosten der Hilfsmaßnahmen immer weiter gesunken.

Das Weiße Haus hatte die Mitteilung des US-Finanzministeriums begrüßt. Der für Haushaltsfragen zuständige Sprecher wies aber auch darauf hin, dass es noch "verfrüht und unverantwortlich" sei, diese Zahlen auf das gesamte Haushaltsjahr hochzurechnen. Die US-Regierung werde erst im Sommer bei ihrer regulären Überprüfung eine neue Schätzung zum Haushaltsdefizit abgeben.

Die Regierung unter Präsident Barack Obama erwartet für das laufende Jahr bislang einen Fehlbetrag von mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung - so hoch war das Haushaltsdefizit seit dem Zweiten Weltkrieg nicht. Im Februar gründete Obama eine parteiübergreifende Kommission, die einen Vorschlag vorlegen soll, wie bis 2015 vor Zinszahlungen ein ausgeglichener Haushalt erzielt werden kann.

Die oppositionellen Republikaner dürften die angespannte Haushaltslage im Kongress-Wahlkampf einsetzen und die Demokraten für die Misere verantwortlich machen. "Der günstige Trend könnte es aber den Demokraten erlauben, zu sagen, sie hätten die Trendwende geschafft", zitierte die Zeitung einen Regierungsvertreter.

yes/dpa-AFX/Reuters



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