Gesetzentwurf Brüssel will Rating-Agenturen scharf kontrollieren

Die Europäische Union zeigt den Rating-Agenturen ihre Macht: Laut "Handelsblatt" will EU-Kommissar Barnier die Bonitätsbewerter künftig streng kontrollieren und bestrafen. Brüssel sei verärgert über das Timing bei der Herabstufung von Mitgliedstaaten wie Spanien.

Büroräume von Fitch Ratings: Verärgerung über Spanien-Herabstufung
dpa

Büroräume von Fitch Ratings: Verärgerung über Spanien-Herabstufung


Berlin - Die EU will Rating-Agenturen offenbar strenger kontrollieren - und bei Regelverstößen streng bestrafen. Die geplante europäische Börsenaufsicht ESMA solle dafür umfangreiche Ermittlungsbefugnisse erhalten, zitierte das "Handelsblatt" aus einem Verordnungsentwurf des zuständigen EU-Kommissars Michel Barnier.

Im Verdachtsfall solle die ESMA die Büros der Bonitätsprüfer durchsuchen, Geschäftsunterlagen aller Art anfordern und Verdächtige verhören. Falls sich ein Verdacht bestätigt, wolle die EU-Kommission auf Vorschlag der ESMA Geldstrafen gegen die betroffene Rating-Agentur verhängen. Barnier will das neue Regelwerk am Mittwoch in Brüssel vorstellen.

Laut "Handelsblatt" reagiert er auf die wachsende Kritik aus der Politik an den Bonitätsprüfern. Die EU sei verärgert über die Herabstufung von Staatsanleihen hochverschuldeter Mitgliedstaaten; dabei gehe es weniger um die Noten selbst als um den Zeitpunkt ihrer Verkündung.

So hatte Fitch am vergangenen Freitag die Note für spanische Bonds gesenkt, obwohl die Regierung in Madrid unmittelbar vorher ein umfangreiches Sparprogramm beschlossen hatte. Ähnlich waren die Rating-Agenturen zuvor auch mit griechischen Bonds verfahren.

Fotostrecke

9  Bilder
Fotostrecke: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
Kritik an der Herabstufung Spaniens kam auch vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Dessen Chef Gustav Horn sagte dem "Tagesspiegel", man sollte den Agenturen künftig nicht mehr einen so hohen Stellenwert einräumen, sondern sie als Meinungsäußerung einstufen. "Die Urteile der Rating-Agenturen dürfen keine unmittelbaren Konsequenzen in der Finanzbranche mehr haben."

ssu/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
running_on_empty 01.06.2010
1. Ganz im Sinne des Anlegers
Eine hervorvorragende Maßnahme! Es ist das alternativlose Gebot der Stunde, eine europäische Ratingagentur zu gründen. Am besten sollte sie von den politisch Verantwortlichen besetzt werden, die seit über einem Jahrzehnt die Stabilität der EU-Länder bewerten. Und noch besser, wenn die ihre Bewertungen im 5 Jahresrhythmus abgibt. Man sagt ja: Aktien oder Anleihen kaufen und alle 5 Jahre mal im Depot nachschauen, wie's denen so geht. Ganz im Sinne des Anlegers.
nixkapital 01.06.2010
2.
Zitat von sysopDie Europäische Union zeigt den Rating-Agenturen ihre Macht: Laut "Handelsblatt" will EU-Kommissar die Bonitätsbewerter künftig streng kontrollieren - und Bewertungsfehler bestrafen. Brüssel sei verärgert über das Timing bei der Herabstufung von Mitgliedsstaaten wie Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,697915,00.html
Warum nicht gleich eine neue, europäische Rating-Agentur aufbauen, die die Chance hat, unabhängig zu sein? Das wäre besser, als uns mit "strengeren Kontrollen" zu trösten. Darüber redet doch in ein paar Monaten niemand mehr und die Ratingagenturen können ihr unheilvolles Spiel weiterspielen...
cokommentator 01.06.2010
3. Kontrollen sind gut....
aber wieviel Kontrolle braucht der Mensch? Wir kontrollieren uns mittlerweile zu Tode. Weil wir glauben jegliches Risiko ausschließen zu können und meinen jegliches Risiko ausschließen zu müssen. Das hat schon was krankhaftes an sich. Kehren wir doch mal zur Produktion von Waren, nicht von Zahlen zurück. Dann tut sich auch wieder was in der Volkswirtschaft. Und das täte uns mehr als gut. Mehr als noch mehr Kontrollen... Risiko... auch für die Banken und sonstigen Anleger. Wer sein Geld nicht in die Produktion von Waren investiert, soll von mir aus damit auch Geld verdienen können. Aber es soll riskanter sein. Und dadurch entstehende Verluste soll der Anleger und nicht der Staat bezahlen. Auch das ist krank...
bluna_uno 01.06.2010
4. Äääähhhhh ...
... sitzen die Zentralen der "wichtigsten" Rating-Agenturen nicht in den USA?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.