Gesetzesvorschlag EU will Unternehmen Frauenquote diktieren

Lange hat die Politik die Männerseilschaften in der Wirtschaft geduldet - jetzt soll Schluss sein. Nicht nur Ursula von der Leyen, auch die EU will Konzernen vorschreiben, wie viele Frauen sie in ihren Vorständen haben müssen. Schon im Frühling will die Kommission einen Entwurf präsentieren.
EU-Binnenmarktkommissar Barnier: Es sei gut, Frauen an der Führung zu beteiligen

EU-Binnenmarktkommissar Barnier: Es sei gut, Frauen an der Führung zu beteiligen

Foto: GEORGES GOBET/ AFP

Brüssel/Berlin - Es wird ernst beim Thema Frauenquote. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen kündigte im SPIEGEL für dieses Jahr bereits einen Vorschlag für eine gesetzliche Quote in den Führungsgremien deutscher Unternehmen an. Jetzt zieht EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier nach: "Ich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber, europaweit Frauenquoten einzuführen, beispielsweise in den Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen", sagte Barnier der "Süddeutschen Zeitung".

Es sei "generell gut, Frauen an der Führung von Unternehmen oder auch Ländern zu beteiligen, nicht nur weil das gerechter ist, sondern auch weil es zu einer besseren Ausgewogenheit der Entscheidungen führt", erklärte der Franzose. Barnier ist innerhalb der Europäischen Kommission für Regeln zur guten Unternehmensführung und damit auch für Quoten zuständig.

Schon im April will der Kommissar einen konkreten Vorschlag machen. Er wollte sich aber nicht darauf festlegen, wie hoch die Quote ausfallen könnte. "Ich will noch keine Zahl nennen", sagte er der Zeitung. Dies sei in so einem frühen Stadium nicht sinnvoll.

Von der Leyen für 30-Prozent-Schlüssel

Jüngst hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung auf die Frauennot in deutschen Vorständen aufmerksam gemacht. Mehr als 90 Prozent der 100 größten Konzerne haben kein weibliches Vorstandsmitglied. Bei den Aufsichtsräten liegt die Quote bei zehn Prozent. Die Zahl der Frauen in Führungsgremien von Unternehmen schwankt innerhalb der EU erheblich.

Von der Leyen plädiert allerdings dafür, keine reine Frauenquote festzuschreiben, sondern einen 30-Prozent-Schlüssel, der als Mindest-Marge für Männer und Frauen gleichermaßen gelten solle. Dieser müsse sowohl für die Vorstände als auch Aufsichtsräte vor allem von börsennotierten Unternehmen gelten. "Wo genau die Grenze liegen soll, müssen wir auf der Grundlage ausländischer Erfahrungen diskutieren", sagt die Ministerin. An die Quote müssten Sanktionen gekoppelt werden, "sonst ist es weiße Salbe".

Familienministerium kündigt Gipfel im März an

Auch das Familienministerium dringt in Sachen Frauenquote auf Fortschritte. Ressortleiterin Kristina Schröder will ihre umstrittenen Pläne für eine flexible Frauenquote mit Spitzenmanagern abstimmen. "Wir planen, im März Vorstände von deutschen Unternehmen einzuladen und mit ihnen das zu diskutieren", sagte Schröder am Montag in der ARD. Die Konzerne könnte dabei auch noch ihre Ideen einbringen, wie der Frauenanteil in Chefetagen erhöht werden könnte.

yes/Reuters