Flexi-System "Die gesetzliche Rente ist viel besser als ihr Ruf"

Am 1. Juli tritt der zweite Teil des Gesetzes zur Flexi-Rente in Kraft. Der Finanzmathematiker Werner Siepe rät Sparern, freiwillig Extrabeiträge in den gesetzlichen Rententopf einzuzahlen.
Von Miriam Scharlibbe
Ein Rentner macht sich Notizen zu seinen Ausgaben (Archivbild)

Ein Rentner macht sich Notizen zu seinen Ausgaben (Archivbild)

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / Andreas Gebert/dpa

SPIEGEL: Herr Siepe, erlebt die gesetzliche Rente gerade ein Comeback?

Siepe: Die gesetzliche Rente ist viel besser als ihr Ruf. Ich gehöre auf jeden Fall zu ihren Fans.

SPIEGEL: Aber ist sie wirklich so gut, dass man freiwillig mehr Geld einzahlen sollte, so wie es mit dem neuen Gesetz jetzt möglich ist?

Zur Person

Finanzmathematiker Werner Siepe, 75, ist Autor mehrerer Fachbücher zum Thema Altersvorsorge und Studien für die Stiftung Warentest. In seinem aktuellen Ratgeber gibt er Tipps, wie Arbeitnehmer ihre gesetzliche Rente steigern können.

Siepe: Arbeitnehmer sollten auf jeden Fall in die gesetzliche Altersvorsorge investieren, genau das ist die Idee der Flexi-Rente. Wenn 50-Jährige jetzt freiwillig mehr Beiträge einzahlen, können sie auch ohne Abschläge vor Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze in Rente gehen. Bisher konnte man die Beiträge erst ab einem Alter von 55 Jahren aufstocken.

SPIEGEL: Und was muss man dafür investieren?

Siepe: Das sind oft fünfstellige Summen, meistens zwischen 25.000 und 70.000 Euro. Dieses Geld kann man als Einmalzahlung oder in Teilbeträgen - die sich zum weitaus größten Teil steuerlich absetzen lassen - während des aktiven Arbeitslebens einzahlen. Ob man wirklich vorzeitig in den Ruhestand geht oder nicht, kann man auch später entscheiden.

SPIEGEL: Für wen lohnt sich das Modell?

Siepe: Vor allem für die Mittelschicht - besonders im Vergleich zu den Angeboten der privaten Versicherungswirtschaft. Es empfiehlt sich zum Beispiel, wenn man unverhofft zu einer großen Geldsumme gekommen ist, etwa durch eine Erbschaft. Andere bekommen eine hohe Summe aus der Kapitallebensversicherung ausgezahlt, die sie jetzt in das gesetzliche System einzahlen sollten. Wichtig: Bis er in Frührente gehen kann, muss der Beitragszahler mindestens 35 Jahre versichert gewesen sein.

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Siepe, Werner

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Siepe: Diese Gefahr besteht nicht. Nicht alle, die einen Antrag auf Rückkauf von Rentenabschlägen stellen, werden tatsächlich früher aufhören zu arbeiten. Zuletzt haben nur etwa 1000 Menschen im Jahr extra eingezahlt. Selbst, wenn es nach der Änderung jetzt fünf oder zehn Mal so viele werden, ist das keine Gefahr für das gesetzliche Rentensystem.

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