Zwangsarbeit und viele Tote Gewerkschaft wirft Fifa Versagen vor

Dutzende Todesfälle in Katar provozieren wütende Reaktionen. Der internationale Gewerkschaftsbund ITUC wirft dem Weltfußball-Verband Fifa vor, bei der Kontrolle der Arbeitsbedingungen versagt zu haben. Laut "Guardian" schuften bei der Vorbereitung der WM Tausende Menschen wie Sklaven.

Gastarbeiter in Doha: Schockierende Todesfälle
REUTERS

Gastarbeiter in Doha: Schockierende Todesfälle


Hamburg - Der internationale Gewerkschaftsbund ITUC erhebt schwere Vorwürfe gegen die Fifa. Der Weltfußballverband habe es nicht geschafft, die Not asiatischer Gastarbeiter zu lindern, die an der Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft mitwirken, die im Jahre 2022 in dem Wüstenstaat stattfinden soll.

"Wenn es die Fifa wirklich ernst meint, würde sie mit ihrer Macht für menschenwürdige Arbeitsverhältnisse sorgen oder den Gastgebern die WM entziehen", sagte ITUC-Generalsekretärin Sharan Burrow der Nachrichtenagentur AP. Die Fifa habe in einer Sitzung im November 2011 versprochen, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. "Sie hat versagt", urteilte Burrow.

Nach Angaben der britischen Zeitung "Guardian" werden im beginnenden Bauboom vor der WM Tausende nepalesische Einwanderer unter extrem schlechten Bedingungen eingesetzt. Die Zeitung beruft sich auf Dokumente der nepalesischen Botschaft in Doha, wonach allein zwischen dem 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 Arbeiter aus Nepal gestorben seien - mehr als die Hälfte davon an den Folgen eines Herzinfarkts oder Arbeitsunfalls.

Zudem sollen Tausende Nepalesen auf den Baustellen des Landes wie Sklaven ausgebeutet werden. Einige berichteten, sie hätten über Monate keinen Lohn bekommen, andere klagten, man habe ihnen trotz extremer Hitze kein Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Etwa 30 Nepalesen hätten in der Botschaft in Doha Zuflucht gesucht, um der misslichen Lage zu entkommen.

Mit rund einer halben Million Gastarbeiter aus Nepal, Sri Lanka oder Indien wird für den Bau der Stadien, Hotels oder der Infrastruktur gerechnet. Die Kosten für das WM-Projekt sollen sich auf schätzungsweise 73 Milliarden Pfund belaufen.

Laut "Guardian" hat der Internationale Gewerkschaftsbund ITUC ausgerechnet, dass mindestens 4000 Gastarbeiter ihr Leben gelassen haben werden, ehe das erste WM-Spiel angepfiffen wird. Die indische Botschaft in Katar vermeldet 82 getötete indische Gastarbeiter in den ersten fünf Monaten dieses Jahres und 1460 Beschwerden über unwürdige Arbeitsbedingungen.

Die Fifa kündigte an, die Verantwortlichen aus dem Wüstenstaat zu kontaktieren. "Diese Berichte werden beim Treffen des Exekutivkomitees am 3./4. Oktober diskutiert", teilte der Fußballverband auf Twitter mit.

ssu/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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pseudacacia 26.09.2013
1. Was haben Sie denn gedacht ? ? ?
Da wird die WM an ein Land vergeben, wo die Bevölkerung und Regierung in einem mittelalterlichen Feudalsystem lebt. Und Sie haben wirklich geglaubt, dort gäbe es Arbeitsbedingungen, die neuzeitlichen Gesellschaftssystemen entsprechen. Mal runter von Ihrem Wolkenkuckucksheim kann ich da nur sagen.
Talan068 26.09.2013
2. macht nix
Die FIFA hat die Macht die WM-Vergabe zurück zu ziehen, die medien haben die Macht, die WM nicht zu übertragen. Wir haben die Macht, die WM zu ignorieren.
westin 26.09.2013
3. Ob der Fußballverband auch sowas liest?
Katar soll auch Terroristen unterstützen.Hier kann man es lesen. In December 2012, the New York Times accused the Qatari regime of funding the Al-Nusra Front, a U.S. government designated terrorist organization. http://en.wikipedia.org/wiki/Hamad_bin_Khalifa_Al_Thani
Wellness 26.09.2013
4. Pulverfass
Es ist ist nur eine Frage der Zeit wann sich die Unterdrückten ihre Freiheit zurückerkämpfen.Aufgehalten könnten sie nur durch Waffen und Unterstützer aus dem Westen.Es ist eine trügerische Sicherheit im Westen auf Blut und Tod gebaut.Schon die Wahl des Herrn Bach ist eine Farce gewesen.
deglaboy 26.09.2013
5. Aha, Herr Blatter ruft mal durch...
na das kann lustig werden. Und ändern wird es nichts, er verdient ja mit. Wo fette Kapitalisten absahnen, muß als Gegenrechnung Sklavenarbeit stattfinden. Damit kann der Kapitalist aber gut leben. Und Blatter kennt Gewissensbisse schon aus Prinzip nicht. Die arabischen Staaten am Golf, funktionieren praktisch schon lange nur auf der Sklavenarbeit asiatischer Billigstarbeiter. Da wird sich nicht ändern.
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