Gezerre um Schuldenschnitt Griechische Regierung gibt sich zuversichtlich

Die Zeit wird knapp, doch die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt sind ins Stocken geraten. Die griechische Regierung will von einem möglichen Scheitern aber nichts wissen: In zwei bis drei Wochen werde es eine Einigung mit den Banken geben, verspricht Ministerpräsident Papademos.


Athen - Loukas Papademos zeigt sich optimistisch: Der griechische Regierungschef sieht Fortschritte bei den Gesprächen mit den privaten Gläubigern. Die Verhandlungen seien an einen Punkt gekommen, "der nah an einer Einigung ist", sagte Papademos dem Fernsehsender CNBC. Es seien aber noch abschließende Überlegungen nötig. Die Banken sollen auf die Hälfte ihrer Forderungen an Athen verzichten, das entspricht rund hundert Milliarden Euro.

"Es gibt gerade eine kleine Pause in den Gesprächen", räumte Papademos ein. "Ich bin aber zuversichtlich, dass sie weitergehen und wir rechtzeitig eine Einigung erlangen, die für beide Seiten akzeptabel ist." Papademos will nach eigenen Angaben in "zwei oder drei Wochen" eine Einigung erreichen. Der die Gläubiger vertretende Bankenverband IIF hatte die Verhandlungen am Freitag für unterbrochen erklärt, da keine Einigung erreicht werden konnte.

Der Schuldenschnitt gehört zum Rettungsplan der Euro-Zone für das hoch verschuldete Griechenland. Ziel ist es, den Schuldenstand des Landes bis zum Jahr 2020 von zur Zeit 160 Prozent auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Wenn dafür die privaten Gläubiger Athen 50 Prozent seiner Schulden erlassen, wollen die Euro-Länder ein zweites Hilfspaket mit Krediten in Höhe von 130 Milliarden Euro schnüren.

Voraussetzung dafür ist jedoch auch, dass Griechenland die vereinbarten Spar- und Reformbemühungen umsetzt. Vertreter der sogenannten Troika - Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) - reisen diese Woche wieder nach Athen, um dies zu überprüfen. Angesichts der erneuten Verschlechterung der Wirtschaftslage des Landes bestehen Zweifel, ob der angepeilte Schuldenschnitt und das zweite Hilfsprogramm in der vereinbarten Höhe ausreichen.

Scheitern die Verhandlungen, ist die Auszahlung weiterer internationaler Hilfskredite und somit die Zukunft Griechenlands vollkommen offen. Das Land muss im März Altschulden in Höhe von 14 Milliarden Euro tilgen. Ohne weitere Zahlungen von Euro-Ländern und IWF droht Athen die Staatspleite.

Davor warnt auch die Rating-Agentur Standard & Poor's. Wegen der hohen Verschuldung werde die Pleite "sehr bald" eintreten, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa, Moritz Krämer, am Montag Bloomberg TV. Eine ungeordnete Zahlungsunfähigkeit werde Auswirkungen auf andere Länder haben, deshalb versuche die Politik, dies zu verhindern. "Das Spiel ist noch nicht zu Ende", sagte Krämer.

cte/AFP/Reuters



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