Gipfel in Brüssel China lässt EU im Währungsstreit abblitzen

Die Fronten im Streit um eine Aufwertung des chinesischen Yuan bleiben verhärtet. Peking schloss einen solchen Schritt auch auf dem EU-China-Gipfel aus. Eine gemeinsame Pressekonferenz ließ Ministerpräsident Wen Jiabao platzen - offiziell aus Termingründen.

Chinas Ministerpräsident Wen: Forderungen energisch zurückgewiesen
dpa

Chinas Ministerpräsident Wen: Forderungen energisch zurückgewiesen


Brüssel - Die Europäische Union und China streiten weiter über eine Aufwertung der chinesischen Währung. Zum Abschluss des EU-China-Gipfels in Brüssel erklärten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch lediglich, sie hätten bei ihrem Gespräch mit Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao die "Bedeutung angemessener Wechselkurse" betont.

Offenbar mit wenig Erfolg. Zuvor hatte Wen nämlich die Forderungen der EU nach einer Aufwertung des Yuan energisch zurückgewiesen. Die europäischen Staaten müssten aufhören, "Druck" auf China auszuüben, sagte er am Rande des Gipfels. Eine schnelle Aufwertung würde dazu führen, dass viele chinesische Firmen pleitegehen würden und ihre Arbeiter entlassen müssten. Das könne in dem Land zu "sozialen Unruhen" führen. Es seien "Reformen" geplant, gleichzeitig müsse der Yuan aber "relativ stabil" gehalten werden.

Der zunehmende Wert des Euro im Vergleich zum Yuan sei eine Folge von Schwankungen des Euro-Dollar-Wechselkurses. "Wieso sollte die Schuld daran China aufgebürdet werden?", sagte Wen. Europa solle sich in dieser Frage an die USA wenden.

In der Erklärung von Barroso und Van Rompuy zum Abschluss des Gipfels hieß es diplomatisch, China und die EU hätten "Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede bei der Herangehensweise".

Wen sagt Pressekonferenz kurzfristig ab

Eine gemeinsame geplante Pressekonferenz mit Wen zum Abschluss des Gipfels wurde kurzfristig abgesagt, als Grund dafür Zeitmangel genannt. Wen reiste zu einem Italien-Besuch weiter. Ein EU-Diplomat sagte hingegen, es sei klargeworden, dass sich die EU und China nicht auf gemeinsame Positionen hätten verständigen können. Der Gipfel sei "nicht leicht" gewesen.

Die Euro-Länder hatten Peking bereits am Dienstag zum Abschluss des EU-Asien-Gipfels (ASEM) in Brüssel zu einer deutlichen Aufwertung des Yuan aufgerufen. Zuvor hatten auch die USA den Druck auf China erhöht.

Hinter dem Währungsstreit stecken vor allem Handelsinteressen: Ein schwacher Yuan bewirkt, dass chinesische Güter in Europa wie in den USA billiger sind. Umgekehrt können sich Chinesen mit einer schwachen Währung nicht so viele Waren aus den USA und Europa leisten.

China hat den Yuan faktisch an den Dollar gebunden, um seinen Export zu stützen. Die USA drängen China seit Jahren zu einer Aufwertung des Yuan und haben mittlerweile Strafzölle für chinesische Güter auf den Weg gebracht. Europa und die USA werfen China unter anderem vor, den Wert seiner Währung bewusst niedrig zu halten und damit die heimische Wirtschaft zu subventionieren.

jok/dapd/AFP

insgesamt 61 Beiträge
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Ursprung 07.10.2010
1. Was fuer Nieten!
China hat eine um ueber das 600fache groessere Bevoelkerungszahl als die gesammelte EU. Spinnen die Europaeer, als Blattlaus einem Saurier vorschreiben zu wollen, wie der seine Geschaeftspolitik machen soll? Gott, was fuer Nieten!
guentersha 07.10.2010
2. yuan
ist das jetzt das dritte forum zu diesem thema? wieso sollte die VR China aufwerten, wenn die USA den Dollar gegenueber dem Euro wieder nach unten rutschen lassen ? Der Yuan wurde faktisch seit 2005 um gut 20% gegenueber dem Dollar aufgewertet ( 2005 1US$=8,30Yuan - jetzt 1US$=6,70Yuan ) und das hat an dem Aussenhandelsdefizit der USA gegenueber China nichts geaendert - Tendenz nach wie vor steigend. Ein paar soziale Unruhen in China waeren dagegen fuer die USA sicher willkommen. Und die "Europaer sind so bloed und stossen ins gleiche Horn ( oder muessen sie ? ) Das Problem ist der US-Doller, nicht der Yuan ...
simonvavi 07.10.2010
3. Etwas mehr Haerte ist gefragt
Wer die Einstellung der Chinesen zu Andersdenkenden halbwegs verfolgt, der muss feststellen, dass die Chinesen andere Meinungen in etwa so akzeptieren, wie der Papst den Sabbat. Die EU sollte sich daher ueberlegen, ob sie weiterhin den Leisertreter spielt und Arbeitsplaetze nach China exportiert oder etwas mehr Courage zeigt und den Chinesen die rote Karte zeigt. Es ist ohne Zweifel, dass ohne die US- and EU-Maerkte die Schlitzaugen zu einem Wirtschaftszwerg degradiert werden. Daher waere etwas mehr Zusammenarbeit zwischen der EU and den USA und weniger klammheimliche Vorteilsuche angebracht. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Deutschland der Bremser fuer eine entschiedene EU-Haltung ist. Lieber zwanzig deutsche Limousinen mehr absetzen, als Tausende von Textil- oder Schuhmacherarbeitsplaetze heimholen. Es ist leider immer eine Sache von Lobbystaerke und der daraus resultierenden kleinen Vorteilen auf Kosten der Gesamtheit.
Laotse, 07.10.2010
4. Nicht große Töne, sondern abgewogene Schritte...
Zitat von sysopDie Fronten im Streit um eine Aufwertung des chinesischen Yuan bleiben verhärtet. Peking schloss einen solchen Schritt auch auf dem EU-China-Gipfel aus. Eine gemeinsame Pressekonferenz ließ Ministerpräsident Wen Jiabao platzen - offiziell aus Termingründen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,721689,00.html
Es ist offensichtlich, dass China den Devisenkurs des Yuan niedrig hält. Selbstverständlich erleichtert dies China den Export und erschwert den Import nach China. Andererseits darf nicht übersehen werden, dass die chinesische Regierung den Lebensstandard im Land mit hohem Temop entwickelt, zahlreiche wirkliche Reformen durchgeführt und sich zum offenen Welthandel bekannt hat. Auch ist eine Bereitschaft zu erkennen, den Yuan -moderat und vorsichtig- in kleinen wohldosierten Schritten aufzuwerten. Statt den großen - und gewagten - Schritt von den Chinesen in etwas plumper, eher amerikanischer Manier zu fordern, wäre es meiner Ansicht nach daher sinnvoller, hinsichtlich vieler handelhemmenden Details - wie z.B. beim Import von gebrauchten PKW/Maschinen nach China - die bestehenden Zoll-/und Einfuhrschranken zu diskutieren und Verbesserungen zu erreichen. Hier könnten gerade jetzt mit Sicherheit gute und sinnvolle Fortschritte erzielt werden, auf die die Chinesen ihrerseits in der Auseinandersetzung mit den USA verweisen könnten.
zeitmax 07.10.2010
5. "Aufwertung" gar nicht sinnvoll möglich!
ein Staat kann jederzeit abwerten, d.h. für seine Währung im Tausch weniger (Dollars) verlangen. Freie Wechselkurse vorausgesetzt. Aufwertung ist sinnvoll gar nicht möglich! Denn das würde eine fixe Bindung an nur . e i n e . Währung (hier Dollar) bedeuten, mit diesen Nachteilen: "Nachteile sind unter anderem: * Verlust der Autonomie in der Geldpolitik: Die Geldpolitik der Zentralbank der Ankerwährung wird übernommen * Sicherungskosten: Direkte Interventionskosten (Devisenverluste) bei Kauf und indirekte (Inflation) bei Verkauf der eigenen Währung * Anfälligkeit für importierte Inflation" )Wikipedia)
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