Für Führungspositionen Ampelregierung will Ostdeutsche finden und fördern

Deutschland hat kaum Spitzenbeamte mit ostdeutscher Biografie. Die Ampel will nun gegensteuern – mit Datenauswertung und besseren Netzwerken. Eine Quote soll es aber nicht geben.
Installation in Potsdam zum 30. Jahrestag Deutsche Einheit: »Ostdeutsche deutlich unterrepräsentiert«

Installation in Potsdam zum 30. Jahrestag Deutsche Einheit: »Ostdeutsche deutlich unterrepräsentiert«

Foto: Andreas Gora / IMAGO

Ostdeutsche sind in Führungspositionen auch mehr als 30 Jahre nach der Wende deutlich unterrepräsentiert. Das wollen die Ampelparteien SPD, Grüne und FDP ändern. Ausgangspunkt ist eine Erhebung des Ostbeauftragten Carsten Schneider, über die das Bundeskabinett an diesem Mittwoch berät.

Der Befund: Ostdeutsche haben auch in Bundesbehörden und in Bundesgerichten nur selten in den Chefetagen das Sagen. Obwohl rund 20 Prozent der Bevölkerung gebürtige Ostdeutsche sind, liegt ihr Anteil in Führungspositionen der oberen und obersten Bundesbehörden nur bei 13,9 Prozent. Nimmt man als Geburtsorte nur die fünf ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin, sind es sogar nur 7,4 Prozent.

»Mehr als 32 Jahre nach der Einheit sind Ostdeutsche in den Führungspositionen unseres Landes deutlich unterrepräsentiert – eine nach wie vor ungelöste Aufgabe«, sagte Schneider der Nachrichtenagentur dpa.

Um das zu ändern, will Schneider aber nicht auf eine Quote zurückgreifen. Vielmehr soll einem Konzept zufolge an vielen kleineren Stellschrauben gedreht werden.

So sollen zunächst die Daten zu den Geburtsorten systematischer erfasst werden. Bundesbehörden sollen mit Selbstverpflichtungen arbeiten. Auswahlgremien sollen vielfältiger besetzt, Führungskräfte gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet und Netzwerke gefördert werden.

Nicht nur in der Politik und Verwaltung, sondern auch in der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, in Justiz und Medien müssten mehr Ostdeutsche in Führungspositionen kommen, sagte Schneider. »Das ist entscheidend für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilität unserer Demokratie«, begründete er die Pläne.

In seinem Bericht heißt es, viele Ostdeutsche fühlten sich als Bürger zweiter Klasse , weil sie in den Eliten zu wenig vertreten seien.

mmq/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.